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Der Israelit · 1889-04-11 · Heft 29 (11.4.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 29 (11.4.1889)
Date
1889-04-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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528 hinwegtrieb aus dem Kerker in das Land der Freiheit. Was wir sind, erstreben und besitzen, was uns nährt, kräftigt und erhält, ist nicht unser. Gottes Liebe, Gottes Allmacht ist es, der wir Alles zu danken haben. Ihm gegenüber haben wir nur die Mazza, das Zeichen der Unselbstständigkeit; Erbrach die Fessel, die uns in dßts Sklavenjoch zwängte, Er machte uns frei, auf daß wir Seine freien Diener seien. Jedes jüdische Haus gestaltet sich zu einem Tempel, jeder jüdische Tisch zu einem Altar für den Empfang des großen herrlichen Festes, das zur Lenzeszeit bei uns einzieht. Ein jeder Vater ist der Priester, der den Seinen die Gotteswunder erzählt, der ihnen Gottes Allmacht verkündet, der sie begeistert, mit Mazza und Maror einzutreten in den hehren Beruf des jüdischen Lebens, Gott ganz anzugehören mit jeder Fiber ihres Wesens, Gottes Willen zu vollführen mit jeglicher That, mit jeglicher Empfindung, Gottes Waltung zu verkünden in jedem Augenblicke ihres Daseins, — der ihnen die freudige Zuversicht einprägt, daß Er waltet über das Geschick eines jeden Seiner Geschöpfe, daß Er jedes sucht, jedes kennt und in der Stunde der Gefahr Diejenigen schützt, die sich ihm hingeben mit ganzem Herzen, mit jeglicher Lebensregung, mit jeglichem Theil ihres Besitzes. * Der ^run rw „der große Sabbat", welcher die Peßach-Vorbereitungs-Woche schließt, vergegenwärtigt uns aber die unerläßliche Vorbedingung, um des Gottesschutzes würdig zu werden, 'ywyi mn vnnb am zehnten des Monats, vier Tage bevor die Erlösungsstunde schlagen sollte, hatten sie, die egyptischen Sklaven, denen die Tyrannei die natürlichsten Menschenrechte schnöde vorenthielt, die keine Familie, kein Haus, kein Eigenthum ll^saßen, sich zu nehmen das Peßachlamm. Israel sollte sich fühlen lernen, als das „Lamm der Gotteswürde" und als solches von Gott empfangen alle Güter, die das Leben schmücken. Aus Gottes Händen sollte der Sklave seine Freiheit erhalten, und mit dieser Freiheit, Selbstständigkeit, Haus, Familie und Eigenthum. Der Sklave sollte im Angesichte seines Zwingherrn den Muth bethätigen, sich als Gottes Diener zu bewähren, sollte unter den Augen des Tyrannen in Erfüllung des Gottesgebotes den von diesem vergötterten Besitz Gott weihet. Der egyptische Herr warf sich vor den Thieren in den Staub und betete in ihm die Naturgewalt an, der ebräische Sklave hatte das Thier dem göttlichen Willen zu opfern, Hattees als Mittel zu verwenden, um seinem Gotte zu dienen. Der heidnische Wahn hatte auch in Israels Kreise Wurzel gefaßt: Diesen Wahn hatte das Sklavenvolk erst zu überwinden und darum erging zuvor an es die Mahnung rctpo ros» b» jns inpi wo ,d*^nd dd*t od? mpi befreit ench zuvor von dem götzendienerischen Wesen, sagt euch los von den Götzen, dann nehmet euch das Gott geweihte Opferlamm. Ein Jeglicher hatte das Lamm zu nehmen und sich damit als ein selbstständiges Kind der Gottes- Heerde zu bekennen. Er sollte inne werden, daß sein und der Seinigen Geschick nicht abhängig sei von den irdischen Potenzen, auf welchen der Wahn der Menschen den Bau ihres Lebens stützen, von denen sie die Sicherung der Gegenwart und das Heil der Zukunft erwarten. Weh uns, wenn wir den Hirten nicht kennen, der uns leitet, weh uns, wenn wir seinem Rufe nicht folgen, weh uus, wenn wir uns Gottheiten gestalten, wenn wir unsere Klugheit, unsere Stärke, unsere Wissenschaft, unfern Besitz vergöttern und nicht begreifen, daß Gott unser Schirm und Schutz, daß in Seiner Hand allein unser und der Unsrigen Gegenwart und Zukunft ruht. Weh uns, wenn wir wähnen, wir bedürften noch eines andern Herrn, noch eines andern Schutzes! - In Egypten haben wir in unsrem Geschicke, hat die Menschheit an unsrem Geschicke, sichtbar erfahren, daß Gott^ier Menschen Herr und König, Richter und Erlöser ist. So arm, niedrig, ohnmächtig und gedrückt, wie wir in Egypten, ist kein Volkskreis je gewesen; und aus dem tiefsten Elend hat Gott uns erhoben, weil wir den Muth hatten, Ihm zu gehorchen, weil wir uns zu dem Entschlüsse aufzuraffen vermochten, Sein Diener zu sein, Ihm anzugehören mit Allem was wir sind und haben; darum ward uns die Rettung und Befreiung. Nur so lang und nur so weit wir uns also begreifen als vw>o ins, als inay, nur wenn wir uns bewähren als das ‘i Dy, als 'n niNas, nur so lange sind wir Seiner Gnade würdig und Seines Schutzes gewiß. Nur so lange, als unsere Häuser das Zeichen der Gotteshörigkeit tragen und wir Ihm gegenüber nur Mazza unser eigen nennen, dürfen wir auf Seine Hilfe, auf Seinen Segen zählen. Deß ist Zeuge unsere Vergangenheit, das wird sich auch in aller Zukunft bewahrheiten: ->n ba n^n wb noy mb “ihn n^> »a .dtd n"apm u^y o'teiy thi Der Lenz ist in Israel eingezogen und Lenz ist in Israels Stätten, wie auch der Winter zu dräuen scheint, hell ist es in Israels Häusern, wenn auch dichte Finsterniß es umgibt. Trotz aller Bedrängniß erhebt Israel doch den Kelch des Heils und preist Ihn, der ihm die ewige, wahre Freiheit und Erlösnng geschenkt.

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