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Der Israelit · 1889-04-11 · Heft 29 (11.4.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 29 (11.4.1889)
Date
1889-04-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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527 Zum „Großen Saööat." Von Jsaac Hirsch. Der Monat Nissan, der Monat des großen Wunders, ist bei uns eingezogen. Es ist der Monat, von welchem Gott zu uns im Lande Mizrajim gesprochen: iwn ncnnV ab sin piwn „der Erste sei er euch unter den Monden des Jahres." Es ist der a’asn vnn, der Monat in welchem die Natur aus der Wintererstarrung sich zum frischen, fröhlichen Leben emporrafft, in welchem der Lenz einzieht in Flur und Au. -oy inD.n, der Winter ist vorüber, -6 *]Pn p)bn dkuh, die Regenzeit ist geschwunden, yian isu ü’jsjh, Blüthenkeime lugen aus dem Erdbooen hervor, yin n’arn ny die Zeit des Sanges ist gekommen, yum mnn ^ipi uunsa, und der Turteltaube Girren wird in unserem Lande vernommen; n\© “DJn njNnn, der F igenbaum treibt seine Fruchtknoten, n'n rnvo n'^s^ni und die blühenden Weinslöcke senden ihren Duft. Wenn so in der Natur das große Wunder der Auferstehung, der Wiedergeburt sich vollzieht, wenn hier das Wunder der Weltschöpfung uns vor die Augen tritt und Gott sich Allen sichtbar als nnwna nwyo laim anno zeigt, dann spricht er auch zu uns: •p '2^1 »ns’ Ti’yn “p 'vip Dann ruft Er sein liebstes Geschöpf, den Menschen, zum neuen Leben, dann tritt Er in den Kreis der Menschheit und weckt zum neuen Dasein, was dem Tode verfallen schien, und verkündet die Erlösung von der Knechtschaft, die Freiheit von der Menschenhörigkeit allen Denen, die sich Ihm zu eigen geben, die in Wahrheit Gottes Diener sind. 3*asn snn ns “iidlp ist aber vor Allem zu Israel gesprochen, DnanD-pPs 'n"jS’un ansn anm »3 r6’^, „denn im Halmmonat hat Dich Gott, dein Gott, aus Mizrajim hinausgeführt Nachts." Israel hat es erfahren, daß Gott pnsn mpa, daß Er nicht nur in der Natur walte, daß Er auch in dem Kreise der Menschen schalte und „von dem Staube den Gesunkenen aufrichtet, von Kehricht den Wehrlosen hebt, ihn zu setzen neben Fürsten, neben die Hohen seines Volkes", nnaroa ü'tcs s’uid, daß Er die in Banden schmachtenden Sklaven in ihren Fesseln zur lichten Freiheit hinausführt, aber auch nn'nu uatr nmio *]s, die sich von Ihm abwenden und auf ihre eigene Kraft sich stützen in dürrer Felsenöde verschmachten lasse. War je Israel, der am Boden in Todeszucken sich windende Sklave, über welchen die Tyrannei unbarmherzig die Geißel schwang, als Gottes allgewaltiger Arm den machtstolzen Peiniger traf und ihn, den Ausgeftoßenen, Rechtlosen, Mißhandelten als Sein Kind von den Tyrannen reklamirte und dem in seinem Blute Verendenden, rief »ti i'vna, in deinem Blute stehe auf zum neuen Leben! Israel feierte in jenem Frühlingsmonat seinen Frühling, fortan gemahnt ihn jeder Lenz an seinen Lenz, an die ihm von Gott geschenkte Freiheit, an die ihm von Gott verliehene Menschenwürde, an den ihm von Gott angewiesenen hohen Beruf. Denn nicht als eine geschichtliche Reminiscenz hat es jenes Frühlings, da es aus Egypten zog, zu gedenken; su' sm i^sd icuy ns nisp ms mn nm in d’isöö, jeder Einzelne, zu jeglicher Zeit, hat sich als ein Glied des von Gott von der mizraitischen Sklaverei befreiten Volkes zu begreifen, hat es zu begreifen, daß Gott ihn selbst erlöst hat, daß er seine Selbstständigkeit und Menschenwürde unmittelbar der Wallung Gottes verdanke. An jedem Tage, immer wenn er sich anschickt, sein ganzes Wesen in allen seinen Beziehungen der ernsten Selbstprüfung vor Gott zu unterziehen und im Gebete Gottes Schutz und Segen anzuflehen, hat er diese Selbstprüfung und dieses Gebet unter dem Einflüsse der Erlösung aus der egyptischen Knechtschaft zu voll' ziehen, soll immer ,-6sn? rßieo po, sich begreifen, als den durch Gottes Gnade aus Mizrajim Befreiten, hat immer aufs Neue jenen großen Moment auf seine Seele wirken zu lassen, der die Geburtsstunde seines nationalen Daseins und ihm Gottes allmächtiges Walten im Kreise der Menschheit zeigte, den Schwachen und Bedrückten helfend, den Gewaltthätigen und Gottlosen strafend. Darum rüstet sich auch jedes Haus in Israel mit dem Eintritt des Lenzmonats, das Fest des jüdischen Lenzes, das Fest seiner Befreiung vorzubereiten und zu empfangen mit dem Zeichen der Huldigung, die Gott, sein Erlöser und sein Herr gewählt. b 'n ntpy ht maya □’-iudd ’nsua, es sind die alten Zeichen, mit welchen jedes jüdische Haus in Mizrajim sich Gott weihte, jede jüdische Seele in der nächtlichen Stunde, die den Tyrannen Tod und Verderben, den Geknechteten aber Leben und Freiheit brachte, in den Dienst Gottes trat. Das Symbol der Selbstständigkeit wird in ängstlicher peinlicher Gewissenhaftigkeit mit jedem Atom Chamez aus allen Winkeln des Hauses gebannt. Die Stätten unseres Familien- und Einzellebens, unser Besitz und unser Genuß sollen gesäubert sein von jeglicher Spur des Eigenwillens, der eigenen Kraft. Mit dem ’jiy nnp, der Mazza, mit dem Sklavenbrode in der Hand zogen wir in die Freiheit, die nicht wir uns errungen, die uns einzig allein als das freie Gnadengeschenk Gottes zu Theil geworden. Wir waren ohnmächtig und kraftlos, Gott zwang unfern Bedrücker, daß er uns

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