Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 28 (8.4.1889)
- Date
- 1889-04-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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511 Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Aus Hessen. Die „Oberh. Ztg." bringt in ihrer Ausgabe vom 3. c. folgenden Artikel: Die neueste Nr. 192 des „Reichsherold" bringt folgende, für die Stellung Dr. Böcke l's innerhalb seiner eigenen Partei sehr bezeichnende Erklärungen desselben: „Allen Parteigenossen zur Nachricht! Da die Herren Sattlermeister Meus, August Heppe, F. W. Wist zu Marburg, sowie andere dem D. Reformverein zu Marburg angehörende Herren in letzter Zeit wiederholt gehässige und unwahre Aeußerungen sowohl über meine Person „als meine Familie" geführt haben, sehe ich mich genöthigt, dies allen Parteigenossen mitzutheilen und zugleich öffentlich zu erklären, daß ich mit diesen Herren nichts mehr zu thun habe, auch dem D. Reform- Verein nicht mehr angehöre (wie wir hören, hat dieser edle Verein seinen Urheber „ausgetreten"! d. E.) und alle ehrlichen Parteigenossen (es gibt demnach auch unehrliche Antisemiten, d. E.) bitte, dem Gerede dieser Herren, die mit Juden und politischen Gegnern in Verbindung stehen, keinen Glauben zu schenken. Dr. Böckel. — Briefkasten: „Auf mehrere Anfragen. Wenn Dr. Böckel auf jede Lüge, die über ihn von hebräischen und christlichen Juden verbreitet wird, mit einer Klage antworten wollte, könnte er sich eine Stube am Amtsgerichte miethen und von morgens 9 bis nachmittags 5 Uhr Prozesse führen. Wer dem lügenhaften Gerede über einen solchen Mann Glauben schenkt, ist entweder selbst schlecht oder ein Dummkopf ersten Ranges. (Bravo, Herr Böckel! Aber was wird Ihre Eva zu diesen Kraftsprüchen sagen?! d. E.) Auch das lügenhafte Geschwätz „falscher" Parteigenossen verdient mit Verachtung übergangen zu werden. Lassen Sie doch die Hunde bellen, das beweist nur, daß wir reiten." — Alles dieses hält diesen biederen, um die Bereicherung der ebrouigue scanäalcuse unserer Stadt so verdienstvollen Herrn nicht ab, in derselben Nr. seine abermalige Kandidatur für die nächsten Reichstagswahlen auszurufen und seine durch die neuesten Vorgänge stutzig gewordenen Anhänger mit folgenden Worten anzufeuern„Bietet alles auf, damit dieser wahre Volksmann mit großer Majorität wieder gewählt werde u. s. f. Ob sich das nach bekannten Mustern bei der letzten Reichstagswahl zur Anwendung gebrachte Drillsystem Dr. Böckel's wohl noch einmal bewähren wird? — Soweit die „Oberh. Ztg.", die sich jetzt wieder einmal „nach bekannten Mustern" über den edlen Herrn Böckel entrüstet, nachdem sie gelegentlich der jüngsten Landtagswahlen mit ihm Frieden geschlossen. Ob der Wählerkreis noch einmal durch Herrn Böckel bloßgestellt werden wird, liegt wesentlich an den Hintermännern der „Oberh. Ztg.", die vor den Wahlen das große Wort gegen den antisem. Mob führen und bei den Wahlen sich mit ihm verbinden. — Im Uebrigen sehen wir dem Streite Dr. Böckel's mit seinem Intimus August Heppe mit besonderem Vergnügen zu. Während der Landtagswahlkampagne mußte „Ojust" Herrn Dr. Paasche in seinen Wahlreden stören; jetzt hat sich der ungeberdige Jünger gegen seinen eigenen Herrn und Meister gewendet. So rächt sich jede Schuld auf Erden. — Merkt es Euch, Ihr „hebräischen Juden": alles Gerede über Herrn Otto Böckel ist erlogen, und wer es glaubt, ein Dummkopf ersten Ranges; aber alles, was Herr Otto über die Juden schreibt, ist lautere Wahrheit, und wer es nicht glaubt, ein Weiser ersten Ranges. — Herr Böckel! wir beneiden Sie um Ihre kindliche Logik, sie erinnert uns an die Zeit, „da ich noch im Flügelkleide" .... Doch halt, wir gerathen da auf denselben Gedankengang mit Herrn Stöcker, der Ihnen „Quintanerlogik" vorwarf, und mit dem Herrn Hofprediger möchten wir um keinen Preis übereinstimmen. — Herr Böckel sagt: „wir reiten"! Ja, die Todren reiten schnell! Zur Erläuterung dieses auf Herrn Böckel angewandten Citats wollen wir noch hinzufügen, daß es auch mit dem „Herold" des Herrn Böckel „kriselt". Er reitet nicht mehr, er wird bald aufflattern. Vielleicht nimmt sich sein von allen Seiten verlassener Herausgeber ein Beispiel daran. — Sic transit gloria Boecceli! A. Aus dem Kreise Marburg, 4. April. Die von Herrn Dr. M u n k eingerichteten Religionslehrerkonferenzen nehmen einen gedeihlichen Fortgang und werden auch von außerhalb des Marburger Rabbinatsbezirkes angestellten Lehrern gerne besucht; die nächste Konferenz wird am 25. d. M. stattfinden, worauf wir alle Betheiligten (einschließlich der zeitweiligen Gäste aus Oberheffen, die hierdurch höflichst eingeladen werden) aufmerksam machen. A. S. Frankfurt a. M. Herr Rabbiner Dr. Kopfstein, bisher Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu Ems, passirte dieser Tage unsere Stadt, um der an ihn ergangenen Berufung nach Beuthen Folge zu leisten. Im Interesse des berühmten Kurortes Ems, der ja stets von vielen streng orthodoxen isr. Glaubensgenossen aus Deutschland, Holland, Rußland