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Der Israelit · 1889-04-04 · Heft 27 (4.4.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 27 (4.4.1889)
Date
1889-04-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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499 eine nie erlöschende Erinnerung an Prag, das er so sehr liebe. Die Petition lautet: Euer Ehrwürden! Hochgeehrter Herr Oberrabbiner! Euer Ehrwürden haben einen ehrenvollen Ruf nach Hamburg erhalten. Es ist uns bekannt, daß materielle Interessen Ihre Entschließung nicht beeinflussen, — es ist uns bekannt, daß Sie, hochverehrter Herr Oberrabbiner, unserer Eultus - Gemeinde - Repräsentanz erklärten, eine Gehaltserhöhung mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen, — es ist uns bekannt, daß die wohllöbliche Repräsentanz in richtiger Erkenntnitz des Gemeindewohls, im Sinne der Gemeindemitglieder und in dem Bestreben, Sie, hochverehrter Herr Oberrabbiner uns zu erhalten, Ihre gerechten selbstlosen Wünsche erfüllte; allein wenn uns auch alle diese Umstände zu der sichern Hoffnung berechtigen, daß Sie, hochverehrter Herr Oberrabbiner, uns nicht verlassen werden; halten wir es doch für angemessen, dem Drange unseres Herzens folgend, es auszusprechen: daß wir Ihren Abgang als einen vollkommen unersetzlichen Verlust betrachten werden und Ihnen die Bitte zu unterbreiten, in Ihrem heiligen Amte als Oberrabbiner unserer altehrwürdigcn Gemeinde auszuharren! Indem wir die Gewährung unserer Bitte erharren, hoffen wir, daß Sie, hochwürdiger Herr Oberrabbiner, mit Gottes Beistand noch durch eine lange Reihe von Jahren bis in das höchste Alter, das die gütige Vorsehung dem Menschen verleiht, in voller Geistes- und Körperkraft zum Wohle unserer altehrwürdigen Gemeinde, zu Ihrer eigenen und zur Ehre Gottes segensreich wirken werden! (Folgen die Unterschriften) * Das längst vorhandene Bedürfnitz der umfassenden Versorgung unseres Volkes, namentlich der ärmeren Schichten deSselben, mit gutem und wohlfeilem Lesestoff geht nunmehr seiner Befriedigung entgegen. Bald wird den Kolporteuren, welche zum größten Theilc schlechte und immer schlechtere Romane massenweise in's Volk bringen und denen leider auch die Gesetzgebung nicht in bemerkbarer Weise hat beikommen können, in großartigem Maßstabe die Konkurrenz guter, aber zugleich auch fesselnder und im besten Sinne volksthümlicher Erzählungen u. a. Schriften gegenübergestellt werden. Durch Kolporteure, durch Verkaufsautomaten, durch die Vermittlung der Behörden, der Arbeitgeber, der Geistlichen und Lehrer wird der vor einigen Wochen begründete „Verein für Massenverbreitung guter Schriften", dessen Sitz in Weimar ist, dessen Wirksamkeit sich aber auf daS gesammte Gebiet der deutschen Sprache und Kultur erstrecken soll, aller für den angestrebten Zweck Brauchbare von I. I. Engel, Heinrich von Kleist, Johann Peter Hebel, Heinrich Zschokke, Wilhelm Hauff, Berthold Auerbach, W. O. v. Horn, Jeremias Gotthelf, Karl von Holtei, Gustaph Freytag, Heinrich Schaumberger, P. K. Rosegger, L. Anzengruber, L. Ganghofer, E. v. Wildenbruch, Eh. Dickens, Bret Harte, Bj. Björnson u. s. w. in jedes deutsche Haus zu bringen suchen. Der Preis de? Heftes wird 5 oder 10 Pfennig betragen, die Ausstattung, ohne deshalb geradezu geschmackswidrig zu fein, einige Ähnlichkeit mit der äußeren Erscheinung der Kolportageromane haben: um das Volk erfassen zu können, muß man ihm ein Stück entgegenkommen. Dieser offenbar richtige Gedanke hat bereits in den weitesten Kreisen lebhafte Anerkennung gefunden. Zeitungen aller Richtungen haben sich mit der größten Entschiedenheit dafür ausgesprochen, deutsche Frauen und Männer aller Berutskreise, Parteien, Bekenntnisse haben in sehr großer Zahl ihren Beitritt erklärt, in allen Theilen Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz sind Vertrauensmänner gewonnen worden. Nachdem der verbreitende Ausschuß die Satzungen einer nochmaligen sorgfältigen Durchsicht unterzogen hat, wird nunmehr am 2. April Abends 8 Uhr im Stadthaussaale zu Weimar die erste Hauptversammlung des „Vereins für Massenverbreitung guter Schriften" stattfinden, um die Satzungen in einer endgiltigen Fassung anzunehmen und den Hauplvorstand zu wählen; den geschäftlichen Verhandlungen werden mehrere einleitende Ansprachen vorausgehen: u. A. werden Stiftsprediger Jacobi die religiössittliche, Handelskammersecretär Dr. Gensel (Leipzig) die gemeinnützig-volkswirthschaftliche Seite der Frage, vr. Heinrich Frankel, der durch seine Schrift „Ein neuer Weg zur sittlichen und geistigen Hebung des Volkes" (6. Aust. Berlin 1888, Pr. 50 Pf.) die Anregung zur Gründung des Vereins gegeben hat, das Verhältniß zu den bisherigen Bestrebungen verwandter Art und die practische Ausführung des Plans behandeln. S Abonnement«. und Inferatenannahme _für Frankfurt a IM. bei I. Hanffman«, BuchjR ijanbl; fürwürzburgbriLocobHambcrgec;A M für München bei ft. & eite Ute int, Fürbergraben M M 29i für Fürth in öayern bei W. Dbrnbcrgcr, u: W hebr. n. deutsche Buchhandlung. W § AbonnementsundInseralenannabme j «für Hamburg bei A. Gotdschmidt, such. 8 Handlung, Üohlhöfen Nr. 35; für Aütn bet Leo Frank, probsteigaffe t?: in Böhmen,! M Mähren u. östrrreich. Schlesien bei Jacob j W Seanbei», Buchhandlung in Prag. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Richen. (Baden.) Am 6. März (3. Weador) ist Frau Fanny Hanauer, Gattin des Moses Hanauer von hier, im 57. Lebensjahre zur ewigen Ruhe entschlafen, eine Frau, die es wahrhaft verdient, daß ihr Name in diesen Blättern rühmlich genannt werde. Die Verstorbene war eine Tochter des berühmten Rabbi Nathaniel Gabriel Weißbart s. A. zu Allersheim in Unterfranken und erhielt in ihrem elterlichen Hause eine sorgfältige und religiöse Erziehung, Anleitung zu allem Guten und Edlen. Hier wurde sie richtig vorbereitet für ihren späteren Beruf als Gattin und Mutter. Die guten Lehren schlugen Wurzel. 24 Jahre lang hatte sie das Glück, ihrem Manne Gattin, ihren Kindern Mutter zu sein und während dieser Zeit hat sie mit seltener Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit ihrem Berufe gelebt. Es war ihr nicht beschieden im Glanz und Reichthum zu leben. Doch gerade in engen Verhältnissen zeigt sich der Werth des Menschen. Wie gut verstand es die Entschlafene sich darein zu finden. Geschmückt mit allen Tugenden des Weibes und zumal des jüdischen Weibes, mit vorzüglichen

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