Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1889)
- Date
- 1889-04-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447975--28316-2475992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
496 Mittwenstandes in seiner ganzen Schwere getroffen, wo ihr durch den Tod ihres Gatten ihr Stab und ihre Stütze entrissen, hatte sie, obwohl selbst 12 Jahre hindurch leidend und bettlägerig, für ihre verwaisten Kinder gelebt und gesorgt, und für deren Erhaltung und Erziehung ihren Nacken gebeugt, sie hat gekämpft und gerungen — und gesiegt. Fünf ihrer guterzogenen, herangewachsenen Söhne sah sie durch den Tod scheiden, mit blutendem und gebrochenem Herzen sah sie besonders einen dieser durch mm ausgezeichneten Sohn, Ephraim Wolf Lehrer in Fischach, in bestem Mannesalter von sich losgetrennt, mit den Worten 2V» sich tröstend: Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt. Bei all diesen schweren Schicksalsschlägen ertrug sie ihr eigenes Leiden mit größter Geduld, mit Ergebung in Gottes heiligen Willen. Sie war eine große Freundin der min und der sich mit ihr Beschäftigenden, mit freudig strahlendem Auge lauschte sie auf jedes Wort unserer heiligen min und erzog auch alle ihre Kinder im Sinne und Geiste unserer 'pn wnnn. Selbst nicht mit irdischen Gütern gesegnet, unterstützte sie nach Kräften Arme und Nothleidende, war leutselig und zuvorkommend gegen jeden Menschen ohne Unterschied. Sie hat gelebt für die drei Säulen, worauf die sittliche Welt besteht, auf nwj miay nun. Sie hatte das Glück, daß ihre Kinder 'n* ihr mir der zärtlichsten Liebe zugethan, sie auf das Würdigste pflegten und ihr die Beschwerden des Alters und ihrer Leiden möglichst erleichterten. Möge sie nun ernten Heil, Lohn und Seligkeit im ewigen Leben, möge sie sich ergötzen im glückseligen Zustande ihres eigenen Geistes, vereint mit den verklärten Frommen aller Zeiten; möge der Allgütige den Hinterbliebenen lindernden Balsam auf die geschlagene Wunde senden ton. n"asun. Berlin, l. April. Ueber eine Beschränkung des jüdischen Grenzhandels (?) wird der „Voss. Ztg." aus Oberschlesien geschrieben: In dem Grenzverkehr mit Rußland ist in jüngster Zeit eine neue Erschwerung für jüdische Schlesier eingetreten. Bei dem Besuche des Marktes in dem russischen Städtchen Kozieglow wurden jüdische Geschäftsleute aus Woischnick, die vorschriftsmäßig mit einem Halbpaffe versehen waren, wie er bisher für die preußischen Grenzbewohner genügte, angehalten, und es wurde ihnen der Aufenthalt in Russisch-Polen untersagt. Die von ihnen eingereichte Beschwerde ist von dem Kreischef in Bendzin abgewiesen, weil nach einem neueren Erlasse des russischen Ministeriums die Ausländer israelitischer Religion von der Begünstigung, mit Halbpässen in Polen verweilen zu dürfen, ausgeschlossen sind und sie einen vollständigen, mit dem russischen Consulatsvisum versehenen Paß vorweisen müssen. Auf eine Anfrage nach dem Grund dieser Maßregel ist die Antwort erlheilt, daß höherer Befehl ergangen sei. Berlin, 1. April. Kaiserin Augusta hat der jüdischen Alteroersorgungsanstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde eine Spende von 500 Mark zugewiesen. — Wie wir hören, will die jüdische Gemeinde in nicht ferner Zukunft Hierselbst ein zweites Krankenhaus vor dem Prenzlauer Thore errichten. — Im Schoße der Armencommission der jüd. Gemeinde wird gegenwärtig ein Antrag berathen, wie in anderen größeren Städten, so auch hier aus Gemeindemitteln eine Centralstelle für Unterstützungen ärmerer, zumal durchreisender Glaubensgenossen zu gründen. Alle im Dienste der jüdischen Oeffenrlichkeit stehende Männer, an welche nach dieser Richtung hin schier unerfüllbare Opfer an Zeit und Geld gestellt werden, würden die Verwirklichung dieses Planes als eine theilweise Entlastung ihrer Mühen freudig begrüßen. Wir erwarten zuversichtlich, daß die Verwaltung der Unterstützungskasse in neutrale Hände gelegt, und bei dieser die Gesammtheit betreffenden Sache jeder Parteiunterschied ausgeschlossen werde. — Die „Conserv. Corr." hat bisher darauf verzichtet, eine Fortsetzung der augekündrgten Blutbeschuldigungs-Artikel zu bringen. Sollte die Zurückweisung der rituellen Anklage durch die jüdischen Organe und zumal durch dieses Blatt den Redakteur des offiziellen, konservativen Moniteurs, Abgeordneten v. Oertzen, zu diesem Schweigen veranlaßt haben, so würde das gleichwohl sehr beredte Geständniß als ein glänzender Sieg der verleumdeten Wahrheit zu begrüßen sein. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 1. April. Vor einigen Tagen circulirte in der Prager Jsraelitengemeinde eine Petition, gerichtet an den Herrn Oberrabbiner Hirsch. Am 24. v. M. wurde dieselbe von einer aus Vorstandsmitgliedern von sieben großen Synagogen, unter Führung des Synagogenvorstehers und Stadtrathes Herrn Josef Jnwald, Herrn Oberrabbiner Hirsch überreicht. Herr Jnwald richtete an diesen eine schwungvolle Ansprache, worauf Herr Oberrabbiner Hirsch tief bewegt die mit 1223 Unterschriften bedeckte Petition unterVorbehalt seiner Entschließung entgegengenommen und erklärt hatte, daß diese Auszeichnung den schönsten und unvergeßlichen Moment seines Lebens bilde, aber auch