Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1889)
- Date
- 1889-04-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Herzens- und Geistesgaben ausgestattet, war ihr die Ehe ein Heiligthum, ihre Häuslichkeit ein Tempel, wo sie am liebsten verweilte, wo sie rastlos von früh bis spät mit Körper und Geist zum Wohl der Ihrigen thätig war, den sie nie verließ, um an den Vergnügungen und Zerstreuungen der Welt theil- -unehmen, auch nicht, um der Nachbarin Geschwätz zuzutragen. Doch, wo es galt, eine Mizwoh auszuüben. Kranke zu besuchen, Trauernde zu trösten, Tobten die letzte Ehre zu erweisen, da Wurde sie nirgends vermißt, da war ihr kein Weg zu weit. Wie gegen ihren Gatten die. treue, liebevolle Frau, so war sie auch ihren Kindern die aufopferndste Mutter, von zärtlicher Liebe zu ihnen erfüllt. Nicht, daß sie ihnen deswegen auch nur daS Geringste nachsah, nein, kein häßliches Wort verzieh sie ihnen; nur auf ihre Ausbildung und Erziehung bedacht, opferte sie derselben ihr Gut und Blut. Vom Munde sparte sie es sich ab, baß ihre Söhne bessere Schulen besuchen konnten, um es zu etwas Tüchtigem zu bringen. Doch ihre Hauptsorge war eS» daß dabei ihre religiöse Ausbildung vor allem gefördert, daß dieselben im heiligen Glauben gestärkt wurden. Auch ihre Töchter suchte sie zu tüchtigen Hausfrauen auf jüdisch-religiöser Grundlage zu erziehen. Leider sollte sie die Früchte ihrer Entsagung, ihrer Mühen nicht mehr erleben, sie wurde abberufen, ehe die Kinder der über alles geliebten Mutter ihre Dankbarkeit erweisen konnten, in dem Maße wie sie es verdiente. Wie gegen ihre nächsten Angehörigen und ihre weitere Familie, so war sie überhaupt gegen alle Menschen von Liebe und Freundlichkeit erfüllt. Sie beherzigte den jüdischen Grundsatz, daß Gutes zu thun nicht allein den Reichen zukomme, und nie ließ sie sich eine Gelegenheit entgehen, durch Wort und That es zu üben. Dabei that sie es ohne jede Nebenabsicht, wie dies ganz in ihrem Wesen lag, nur aus Freude daran, anderen sich nützlich und gefällig zu erweisen. Der Grundzug des Characters der sel. Entschlafenen war Wahrheit, Aufrichtigkeit und Treue. Nie kam ein Wort der Lüge über ihre Lippen. Falschheit war ihrem Wesen gänzlich fremd, und wie sie gut und fromm war, so glaubte sie auch den Maßstab an andere anlegen zu müssen: Nie hat sie eine Beleidigung nachgetragen und lieber wollte sie vielmals Unrecht leiden, als daß sie es einmal vergalt. Dazu war sie von einer Geduld und Nachgiebigkeit beseelt, die wahrhaft bewunderungswürdig war, und die sie manches ertragen ließ, was sonst für Menschen nicht leicht ertragbar schien. Daß die Verblichene, trotz ihrer großen Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit volle Anerkennung ihres edlen und gottesfürchtigen Lebenswandels genoß, daß alle, die sie kannten, liebten und schätzten, bas bedarf bei einem solchen Character nicht mehr der Versicherung, das zeigte sich am deutlichsten während ihres llwöchentlichen, schweren Krankenlagers und ihres Hinscheidens, als der Tod sie von ihrem Leiden erlöste, nachdem das Organ, das Herz, das stets nur von Güte und Liebe überströmte, zuerst seinen Dienst eingestellt hatte. Die Theilnahme an ihrem Begräbniß war eine allgemeine, und Juden und Christen, bei denen die Dahingeschiedene wegen ihrer Biederkeit in gleichem Maße beliebt war, von Nah nnd Fern ließen es sich nicht nehmen, der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Vor Abgang des Leichenzuges widmete der Schwager, Herr Lehrer Hanauer von Steinfurt, der Heimgegangenen ehrende Worte des Nachrufes, indem er die Tugenden derselben der Trauerversammlung vor Augen führte und ihr allzufrühes Hinscheiden beklagte. Am Grabe sprach Herr Lehrer Eich st etter von Eppingen, indem er hervorhob, wie die selig Entschlafene die guten Lehren, die sie im Elternhaus empfangen, zur sittlichen und religiösen Erziehung ihrer Kinder verwerthete, wie aus diese Kreise das Gute sich sorterbe und immer wieder Früchte trage. Schließlich rief der älteste Sohn der Hingeschiedenen, Candidat der Medizin, von tiefer Rührung ergriffen, der geliebten Mutter den letzten Abschiedsgruß zu, indem er das Gelöbniß der Kinder aussprach, das Andenken der seligen Mutter dadurch in Ehren halten zu wollen, daß sie stets in dem Geiste lebten, in dem sie von der Mutter erzogen wurden. Möge die Dahingeschiedene in einer besseren Welt für ihren guten und frommen Lebenswandel hienieden ihren Lohn bekommen! Öwei jüd. Kausleute, Inhaber ei- -O nes seit über 3 Jahren in Berti« bestehende« Fabrik Engros-Ge schästes, suchen die Bekanntschaft ju n°g e r Damen aus guter religiöser Familie behufs event. Herrath zu machen. Beansprucht werden 20— 30,000 Mark baar. Annäherung nur direct von nahen Angehörigen erbeten. Photographie erwünscht. Offerten bis Peßach au Rudolf losse, Berlin C., Königftrahe Nr. 56, unter K. 1>. Nr. 1127 erbeten. 1129 ck^Li« junger Manu aus guter Familie, der in der Ausbildung zum Lehrerberuf begriffen, jedoch mehr Neigung hat, die kaufmännische Carriöre zu ergreifen, sucht ein Geschäftshaus — am liebsten auf einem kleinen Platz — in welchem er gegen freie Station die Handlung erlernen kann und ist er bereit, als Gegenleistung in den freien Stunden Nachhilfeunterricht, besonders in hebr. Fächern, zu ertheilen. 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