Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1889)
- Date
- 1889-04-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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f* XXX. Jahrgang. Sei>ngl'M.WZ7i>e8„Isrllklit^L„Icschurun^ Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Baden. In Nr. 4 Ihres geschätzten Blattes wird von einer Anordnung Großherzoglichen Oberraths gesprochen, wonach die badischen Rabbiner Predigten für die Feiertage abzufassen haben, die an den Orten, welche keine Nabbinalssitze sind, von den Vorbetern vorzulesen sind. Zugleich wird die Meisterschaft des Herrn Rabbiner Schleßinger in Breiten, die in den von ihm verfaßten Predigten zutage tritt, gerühmt. Schreiber dieser Zeilen kann die Predigten des Herrn Rabbiner Schleßinger als sehr gut gefaßt und zu Herzen gehend empfehlen, nachdem er selbst alle gelesen. In Nr. 8 Ihres Blattes hingegen wird hervorgehoben, daß die Predigten des Herrn Rabbiner mehr wirken würden, wenn, wie ich wenigstens den Inhalt dieses Artikels verstehe, Herr Rabbiner Schleßinger in seinen Anordnungen mehr consequent und weniger parteiisch wäre. Die Gründe, wodurch der betreffende Herr seinen Angriff auf Herrn Rabbiner Sch. rechtfertigen zu können glaubt, sind aber bei genauerer Betrachtung hinfällig. Ich möchte dem Herrn zurufen: .„j?T8 DnBSBM ]*2 yiOB'" In Breiten hat der Herr Rabbiner einem Manne das Vorbeten mit vollem Rechte verboten, weil derselbe am cn» auf dem Heimwege von der Synagoge und ann« tragend, um einen Hahn auf öffentlichem Markte feilschte, denselben auch kaufte, was allgemeinen Anstoß erregte. Ich glaube, daß man dieses Verfahren des Herrn Rabbinen billigen muß. — Daß der Herr Bezirksrabbiner diejenigen prüft, welche als n^sn 'ja fungiren wollen, wenn dieselbe noch nie als solche fungirt haben, daran sehe ich durchaus nichts Tadelnswerthes; ich muß diese Maßregel vielmehr loben. Dagegen soll Herr Schleßinger einem Manne in Eppingen, der Fleisch am rav und verkauft, das Vorbeten an den D'*nu d*d* nur deßhalb nicht verboten haben, weil derselbe Gemeindevorstand ist. Diese Anschuldigung entspricht nicht der Wahrheit. Herr Rabbiner Schleßinger hat vor circa 11/2 Jahren den Betreffenden vor dem Synagogenrath zur Rede gestellt und ihm eröffnet, daß er den Fleischverkauf am rat? und ü"v, sowie alles Sonstige in Nr. 8 Ihres Blattes Gerügte unterlassen müsse, widrigenfalls er nicht mehr vorbeten dürfe. Der Getadelte versprach, nicht mehr als rövn '3 zu fungiren, worauf der Gemeinde mitgetheilt wurde, daß der Herr Vorsteher nicht mehr vorbeten dürfe. Konnte der Herr Rabbiner mehr thun? Wenn die Gemeinde ihren Vorstand doch wieder veranlaßt vorzubeten und derselbe Folge leistete, — kann dies dann dem Herrn Sch. zur Last gelegt werden? Aus diesen Ausführungen wird der betreffende Herr ersehen, daß der Herr Rabbiner in allen von ihm angeführten Fällen consequent und gerecht verfahren ist, und möchte ich dem Schreiber jener Zeilen rathen in Zukunft vor einem derartigen Angriffe seine Waffen zu prüfen. Frankenweiheim, w ms. — rnaa *6 □rn aw. Es ist keine Freudenbotschaft, von der ich Ihnen heute zu berichten habe. Ein biederes Weib, eine jener edlen Frauengestalten, von tiefinnerster Religiösität durchdrungen, wie sie, ach, immer seltener, immer weniger werden, hat ihre reine Seele ausgehaucht im hohen Alter von 79 Jahren, um einzugehen in jene lichten Gefilde des Jenseits, zu genießen von dem hohen Gute, das nur den Frommen und Gottesfürchtigen aufbewahrt ist. Bela Wolf ri"p, Frau des vor 27 Jahren verstorbenen Feibel Wolf H*t, ehemaligen Buchbinders und orw in Heßdorf, ist nicht mehr. Am ])m~\ yw wurde sie unter großer Theilnahme trotz des großen Schnees und der dabei herrschenden Kälte zur ewigen Ruhe bestattet. Die edle Verblichene rry, eine geb. Forchheimer aus Adelsberg bei Gemünden, war eine b’n ntw im wahren Sinne des Wortes. Bei all den schweren Prüfungen, die sie nun überstanden, bei all den harten Schlägen des Schicksals, die sie erlebt und erlitten, bei all den blutenden Wunden, die ihrem edlen Herzen geschlagen, sie blieb fest und unerschütterlich in ihrem Gottvertrauen bis zum letzten Augenblicke ihres Lebens. Von ihr kann man mit vielem Rechte sagen: man noy, mit ihr stirbt eine Fülle von Weisheit aus, die doch nichts anderes ist als Gottesfurcht und Frömmigkeit. Vom großen Unglücke des