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Der Israelit · 1889-04-04 · Heft 27 (4.4.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 27 (4.4.1889)
Date
1889-04-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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493 Der Antisemitismus kann deshalb unmöglich aus einer wahren christlichen Gesinnung entspringen er kann unmöglich aus der Besorguiß hervorgegangen sein, daß Staat und Gesellschaft durch das Judenthum an sittlich-christlicher Reinheit einbüßen möchten, denn das wirklich Sittlich-Christliche ist jüdisch, und gegen das Judenthum streiten heißt den wesentlichsten und für Staat und Gesellschaft bedeutungsvollsten Theil des Christenthums bekämpfen. Wir glauben demnach dargelegt zu haben, daß die Präteusion des Antisemitismus: eine für Staat und Gesellschaft heilsame, von Gesundheit zeugende und Gesundung krankhafter Zustände bewirkende Bewegung zu sein, mit aller Entschiedeheit als unberechtigt zurückzuweisen ist. Wir haben im Gegentheil erkannt, daß der Antisemitismus die gesunde, heilsame Entwickelung des Preußischen Staats und des Deutschen Reichs zu hemmen geeignet ist. Unsere Untersuchung hat dargethan, daß er in seinem Endziele einen unsittlichen Zweck verfolgt und diesen mit unsittlichen Mitteln erstrebt, daß er seinem eigensten Wesen nach ebenso unpatriotisch und nationalfeindlich wie irreligiös und unchristlich ist. Weil aber dauerndes Gedeihen nur dem Sittlichen und Wahren verheißen ist, weil.das Schlechte und Gemeine wohl für einen Augenblick die Oberhand gewinnen kann, aber Dank der sittlichen Weltordnung, welche Gott eingesetzt, dem Untergange unrettbar entgegeneilt, so sind wir der festen Ueberzeugung und tröstlichen Zuversicht, daß auch die Tage des Antisemitismus gezählt sind. So gewiß alles Unedle und Unsittliche von dem Edlen und Gottwohlgefälligen überwunden wird, so gewiß wird der Antisemitismus den fortschreitenden Sieg der Wahrheit auf Erden auf die Dauer nicht aufzuhalten vermögen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 28. März. Der Kaiser hat dem ehemaligen Viehhändler Hirsch Sonnenfeld in Breslau, welcher am 22. März seinen 100. Geburtstag feierte, durch den Chef des Civilkabinets ein Glückwunschschreiben und eine ko st bare Tasse mit dem Bildniß Kaiser Wilhelms I. zugehen lassen. Wir dürfen hinzufügen, daß der Vaters des Jubilars, nebenbei bemerkt, eines ehrlichen Jehudi alten Schlages, das Alter von 113 Jahr erreichte. — Die neueste Nummer der „S t a t i st i s ch e n C o r r^e s p o n d e n z" untersucht in einem Artikel die Betheiligung der verschiedenen Confessionen an der Benutzung der öffentlichen Bildungsanstalten in der preußischen Monarchie. Nach den Angaben des vom Königs. Statist. Bureau in Berlin herausgegebenen Blattes waren im Jahre 1886 vorhanden: Evang. Kathol. sonst. Christen Juden in öffentl. u. privat. Volksschulen u.dgl. 3,092,208 in öffentl. u. privat. Mittelu. höheren 1,743,033 9,695 36,398 Mädchenschulen. . 164,439 in höher. Lehranstal- 21,162 859 16,850 ten (Gymnas.) rc. 109,836 auf Universit. (blos 26,611 390 14,704 Preußen). 8,065 2,320 40 1,104 3,374,548 1,793,126 10,984 69,056 Die Bevölkerung des preußischen Staates enthält 64,24 pCt. Evangelische, 34,15 pCt. Katholiken, 0,32 pCt. sonstige Christen rc. und 1,29 pCt. Juden. Fast genau in demselben Zahlenverhältnisse sind die Religionsgemeinschaften an der gesammten Schulbevölkerung betheiligt. Ganz anders aber finden wir dieselben auf den einzelnen Unterrichtsstufen vertreten. Zwar zeigt die unterste, breiteste Stufe mit 63,35 bezw. 39,71, 0,20 und 0,74 noch annähernd die gleiche Vertheilung wie die Gesammtbevölkerung; indessen ist hier das Vorwiegen ,der Katholiken und das Zurückbleiben der Evangelischen und der Juden doch schon deutlich bemerkbar. In den folgenden Stufen der Mittelschulen, höheren Lehranstalten und Universitäten tritt dafür eine so auffällige Verschiebung zu Ungunsten der Katholiken und zu Gunsten der Evangelischen und insbesondere der Juden ein, daß die betreffenden Verhältnißzahlen hier im Einzelnen Platz finden müssen. Unter je 100 Angehörigen der verschiedenen, über die Volksschulen hinausgehenden Unterrichtsstufen waren in evangel. kathol. sonst chriftl. jüdisch den Mittelu.s. w. Schulen 80,88 10,41 0 42 8,29 - höheren Lehranstalten 72,49 17,56 0,25 9,70 - Universitäten. 69,94 20,12 0,36 9,58 Unter je 100 Mitgliedern der Schulbevölkerung jedes Bekenntnisses gehören also an der Stufe Evang. Kathol. sonst.Christ. Juden überh der Universität . . . 0,25 0,13 0,37 1,60 0,22 - höh. Lehranstalten 3,25 1,48 3,55 21,29 2,89 - Mittelschule . . . 4,87 1,18 7,82 24,40 3,87 - Volksschule . . . 91,63 97,21 88,26 52,71 93,02 Die „Stat. Corr." will dieses Ueberwiegen der evangelischen und jüdischen Bevölkerung in der Benutzung ' der höheren Bildungsanstalten nicht auf den höheren Bildungstrieb der betr. Bevölkerungsschichten zurückgeführt sehen, sondern auf die Vertheilung der Bevölkerung der verschiedenen Confessionen auf Stadt und Land, so, daß die überwie-

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