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Der Israelit · 1889-04-01 · Heft 26 (1.4.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 26 (1.4.1889)
Date
1889-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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47 8 entschieden hat: man könne Niemandem verbieten beim Aufrufe zur Thora für einen Verein Spenden zu geloben, wovon an dem darauffolgenden Samstag einige Herren Gebrauch machten. Von den hiesigen Familien sind der Chebra anläßlich von Familienfestlichkeiten, Jahrzeitstagen u. s. w. bereits ganz hübsche Geschenke zugegangen und wenn es weiter so der Fall ist, wird die Chebra recht bald ihre Thätigkeit aufnehmen können, worüber ich Ihnen später gerne weitere Nachrichten zukommen lasse. J. w. N. Evpiugern Am 19. d. Mts. feierte der z. Zt. in Mannheim wohnende frühere Hauptlehrer Herr E. Schlesinger mit seiner gleich ihm im 80. Lebensjahre stehenden Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. 45 Jahre, bis Ende der 60er Jahre, wo er in den Ruhestand versetzt wurde, hat der Jubilar in unserer Stadt als Lehrer gewirkt; drei Generationen verehren in ihm ihren Erzieher; als treuer Freund und Berather insbesondere der Armen hat er sich die Liebe und Achtung seiner Mitbürger erworben und erhalten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog ließ dem Jubelpaare durch den Großh. Stadtdirektor in Mannheim die goldene Ehrenmedaille überreichen. Mögen dem wackeren Paare noch lange frohe Jahre beschieden sein. England. Manchester. Eine neue rumänische Synagoge wurde hier vor einiger Zeit in Lriääon Street eingeweiht. Nach Absingung einiger Psalmen, hielt der Rabbiner der hies. portugies. jüd. Gemeinde Revd. I. H. Valentine eine Ansprache, worin er hervorhob, daß seine Glaubensbrüder in einem Lande seien, woselbst die Bekenner aller Religionen vom Staate gleiches Recht genießen, und zur Gottesfurcht ermahnte. Es mag noch erwähnt sein, daß auch hier ein Unterstützungsverein für Rumänier seit einiger Zeit besteht. Griechenland. Korfu, im März. Vor einigen Tagen haben in unserer Talmud-Thoraschule die Semestralprüfungen stattgefunden, denen unser Oberrabbiner mit der gesammten Direktion dieser Anstalt anwohnte. Die Schüler wurden dabei aus der Bibel, hebräischen Grammatik, biblischen Geschichte rc. geprüft und bestanden sie das Manien vortrefflich. Auch in der obern Klasse der Talmud-Thora, wo schon rabbinische Lehrgegenstände, als: Schulchan - Aruch, Raschi, Chaje Adam rc. vorgetragen werden, siel die Prüfung zur allgemeinen Zufriedenheit aus, und zeigte so, daß auch unter den Juden Griechenlands die Liebe zu unserer Thora und ihren Commentatoren noch nicht erloschen ist. Der Oberrabbiner drückte den Lehrern und den Leitern dieser echt jüdischen Anstalt, den Herren Giuseppe Besso und B. Giult, seine vollste Anerkennung über ihre Leistungen im abgelaufenen Semester aus. Unser Cultusvorstand wird gewöhnlich für einen Zeitraum von vier Jahren gewählt. Als nnn vor zwei Jahren die Amtsdauer des gegenwärtigen Vorstandes abgelaufen war, da verlängerte derselbe eigenmächtig seine Herrschaft noch für ein Jahr und nach Ablauf desselben sogar für ein zweites Jahr. Die Gemeinde fordert daher, daß der gesammte Vorstand endlich seine Gewalt abgebe und Neuwahlen ausschreibe. Hoffentlich wird diese ebensowohl billige wie gerechte Forderung unserer Gemeindemitglieder in den Ohren unserer Vorsteher auch bereitwilliges Gehör finden. Da die Verwaltung unserer Gemeinde noch heute dieselbe ist, wie sie vor zwei- oder dreihundert Jahren war, so hat das Gemeindemitglied, Herr Marco Rieti, dem Cultusvorstande ein Memorandum unterbreitet, in dem er die Bildung einer eigenen Gemeindekanzlei mit einem Cassier proponirt. Dieser Vorschlag fand hier großen Beifall und dürfte er daher auch zur Ausführung gelangen. Unser allgemein beliebter Kronprinz Konstantin m' feiert im kommenden Herbste seine Vermählung mit der Prinzessin Sophie, Schwester des Kaisers Wilhelm II. ,tt und wird die hohe Braut über Trieft nach Griechenland reisen. Unsere Insel wird daher das hohe Glück genießen, unsere zukünftige Landesmutter gleich bei ihrem Betreten des griechischen Bodens begrüßen zu können und wird sich auch unsere Gemeinde an dem Empfange der hohen Braut betheiligen. Gleichzeitig mit derselben, wird auch ihre erlauchte Mutter, die Kaiserin - Wittwe Friedrich, und ihr Bruder, Prinz Heinrich, nach Griechenland kommen. Die Hochzeit findet bekanntlich in Athen statt. Feuilleton. Schuld und Sühne. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Wie sie drüben lärmen", sagte Leah, die Stirn in Falten ziehend. Frau Löwenstein zuckte die Achseln. „In einem Wirthshaus läßt sich das nicht ändern."

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