Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1889)
- Date
- 1889-03-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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ist ein gar gewaltiger Auscher — Rothschild ist nix gegen ihn. Sie möchten nur kommen in sein Laus, da liegen die Millionen herum, wie bei Ihnen die Kopeken." „Wenn auch", entgegnete Frau Löwenstein unwillkürlich lächelnd, „all sein Reichthum berechtigt ihn doch nicht, auch nur ein Gottesgesetz zu übertreten. Und wenn er auch noch dreimal reicher wäre als Sie ihn schildern, unsere Tochter würden wir ihm dennoch nicht geben." „Aber ich bitt' Sie, liebe goldene Madame! nix für ungut, aber so was laßt sich ja gar nicht reden. Wie kann der Auscher sich richten nach dem Dalsen? — Wenn Sie möchten wissen, was der Herr Jsakowitsch an Zedokoh thut Jahr aus Jahr ein, so möchten Sie selber sagen, wer das thut, der mag auch am Schabbes die Cigarre in den Mund nehmen." „Das würde ich niemals sagen", erwiderte sie „und ich wiederhole Ihnen, wenn Sie in dieser Angelegenheit mit meinem Manne sprechen wollten, so haben Sie nichts verloren, daß Sie ihn nicht getroffen haben; mein Mann denkt in dieser Beziehung eben so wie ich. Wir geben unsere Tochter Keinem, der den Sabbat entweiht, und wenn er noch so reich wäre." Der übereifrige Heirathsvermittler gerieth über diese entschiedene Erklärung der Frau, die vollkommen mit der ihres Mannes übereinstimmte, nahezu in Verzweiflung. Alle die Partien zusammen, die er in seiner zwanzigjährigen Thätigkeit vermittelt, hatten ihm nicht annährend so viel eingetragen, als er von dem Zustandebringen dieser Partie erhoffte. Doch vergebens erschöpfteer all seineBeredtsamkeit, Frau Löwenstein blieb bei ihrer Weigerung und bei ihrer Versicherung, daß sie mit derselben zugleich die Gesinnung ihres Mannes ausdrücke. Da versuchte der Unermüdliche einen andern Weg. Hatte er bisher nur die unermeßlichen Vortheile aufgezählt, die eine Verbindung mit dem nordischen Crösus nicht nur ihrem Kinde, sondern auch ihnen gewähren würde, so begann er jetzt die Gefahren anzudeuten, die die Feindschaft eines solch' Vielvermögenden nach sich ziehen könne. Doch auf alle seine Warnungen antwortete Frau Löwenstein nur durch ein verächtliches Achselzucken. In dem kleinen Manne begann es zu kochen, nur mit Mühe hielt er an sich. „Ich will Ihnen was sagen, meine liebe Madame", sprach er endlich sich erhebend, „bereden Sie die Sach' mit dem Herrn, wenn er morgen heim kommt und Tags darauf zu Gutem werd' ich wieder vorsprechen." Frau Löwenstein schüttelte den Kopf. „Ihre Mühe wäre vergebens, Sie könnten sie sparen." „Was geht Sie meine Mühe an," versetzte er ärgerlich, „ich bin Ihnen gut und das Fräulein Hab ich gern, darum thut's mir weh, daß Sie das Glück von dem Kind zurückweisen wollen." Er nickte grüßend mit dem Kopfe und machte sich grollend auf den Heimweg. Zwar hatte er die Sache noch nicht vollständig aufgegeben und war, wie bereits erwähnt, entschlossen, am übermorgigen Tag abermals einen Angriff zu unternehmen. Seinem Auftraggeber beabsichtigte er zu sagen, daß er Löwenstein nicht getroffen habe und ihn gegen Ende der Woche nochmals aufsuchen wolle; trotzdem konnte er sich nicht verhehlen, daß seine Chancen nichts weniger als günstig standen. Seine Ahnung hatte ihn nicht betrogen, auch zum dritten Male wurde sein Antrag mit größter Entschiedenheit zurückgewiesen. (Fortsetzung folgt.) „JSraelit" und „Jrschurun" erscheint wöchentlich z w e i m a l, Montag-und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Boge Preis de» Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganz, jährig, halbjährig »der vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Leu Buchhandel j* bestehen bet E. JF. Kleinacker. Leipzig, Daßplatz 1«. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt <Ha«pthlatt): Leitende Artikel: Die Gemeinderathswahlen in Wien. — Hagadah schel Peßach. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. — Schweiz: Basel. — Oest.-Ung. Monarchie: Krakau. — Italien : Venedig. — England: London. — Türkei: Konstantinopel. — Feuilleton: Schuld und Sühne. — Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Au» Bayern. Berlin. Hamburg. — Oest.-Ung. Monarchie: 2mal Wien. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Berantwortliche Redaetion: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.