Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1889)
- Date
- 1889-03-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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439 „Ich danke Ihnen, meine liebe Madame, ich danke schön", entgegnete Kohn, indem er sich auf den Holzsessel, auf den sie gedeutet hatte, niederließ, „ich hätte zwar gern geredet mit dem Herrn aber wenn er nicht daheim ist — ewscher möcht's gut sein, wenn ich mit Ihnen reden könnt'." „Mit mir können Sie reden", versetzt Frau Löwenstein „und werde ich meinem Manne alles getreulich berichten. Wollen Sie mit hinein kommen?" „Ich möchte bitten, meine liebe Madame, denn ich möchte reden mit Ihnen allein." „Bleiben Sie nur sitzen", sagte Leah sich rasch erhebend, „bleibe hier, liebe Mutter", wandte sie sich an diese, „es wäre Schade, wenn Du hinein gehen wolltest, hier ist es jetzt weit angenehmer. Ich habe ohnehin im Hause zu thun und werde dafür sorgen, daß Du nicht gestört wirst." ,,Thu' das, mein Kind, und sage der Maschka, daß sie für Herrn Kohn ein Glas Bier heraus bringen, soll." „Danke schön, meine liebe Madame, Sie sind sehr, sehr gütig", versetzte Kohn tief aufathmend; ihm schien schon die Aussicht auf die bestellte Erfrischung wohl zuthnn. — „War das heut eine Hitze, im Gehinnim könnt's kaum ärger sein — da kann einer sich nichts Besseres wünschen, als ein feines Glas Bier." Er nickte auch dem Schankmädchen, das ihm das Bier brachte, freundlich zu und leerte dann langsam und bedächtig das große Glas bis zur Hälfte. „Ah!" sagte er sich behaglich zurücklehnend, indem er mit dem blauen Tuche den Schaum aus dem rothen Bart wischte, „das hat wohl gethan! — meiner Seele!" — „Nichts für ungut, meine liebe Madame, ich möcht' mich setzen 'n bissel näher zu Ihnen, daß ich nicht braucht' reden gar so hoch." Frau Löwenstein nickte zustimmend; er schob seinen Sessel möglichst nahe zu der Bank, auf der sie saß, und blickte von der Seite wie lauernd zu ihr hinauf. „Ich möcht' meinen, liebe Madame, Sie hätten's schon errathen, über was ich möchte reden zu Ihnen." „Sie muthen mir all zu großen Scharfsinn zu", entgegnete sie lächelnd, „ich ahne die Wirklichkeit nicht, was Sie von mir wünschen." „Was ich Ihnen wünsche —" er spreizte sämmtliche Finger beider Hände von sich und zuckte mit eigenthümlichem Lächeln die Achseln, „was könnt ich wünschen von Ihnen? — aber, daß ich Ihnen was Gutes wünsche, das, denke ich, wissen Sie." „Ich wüßte wenigstens nicht, weßhalb Sie mir nichts Gutes wünschen sollten." — „'s ist wahr, liebe Madame. Sie sind gerecht, wie könnt' Einer Ihnen nichts Gutes wünschen? — Aber von was, ich will reden zu Ihnen, können Sie sich ewadde denken — Ihnen Ihr Mann hat Ihnen doch gesagt. —" „Sie sind im Jrrthum" fiel sie ein, „mein Mann hat mir nichts gesagt, was Sie betrifft." „Gott über die Welt!" rief Kohn die Hände zusammenschlagend, „reden Sie im Ernst, Madame,; — Der Herr hat Ihnen nicht gesagt, daß ich ihm Hab' geredet 'n feinen großartigen Schidduch für das Fräulein?" „Wir beabsichtigen unsere Tochter noch nicht zu verheirathen", erwiderte sie, „darum wird mein Mann vermuthlich vergessen haben, mir Ihren Antrag mitzutheilen." „Wie heißt? vergessen haben? — Sie wollen das Fräulein nicht verheirathen?" „Vorläufig noch nicht. Sie wissen, mein Mann ist aus Ungarn; dort gibt man die Töchter nicht so jung aus, darum wollen auch wir noch einige Jahre damit warten." „Wie heißt? — noch einige Jahre warten? — Geh'n Sie nur weg, Madame, das Fräulein mag heirathen, das sag' ich Ihnen, ich! Simche Schmul Kohn. — Aber freilich, wenn der Herr Ihnen nichts hat gesagt, von dem großartigen Schidduch, den ich ihm Hab' geredet, wie können Sie davon wissen? — Drum lassen Sie sich erzählen, meine liebe Madame, hören Sie zu! — Der reichste Mann, zwanzig Meilen in der Runde, hat sich, wie man zu sagen pflegt, verliebt in Ihr Fräulein und hat mich rufen lassen und hat mir gesagt, ich soll gehen zu dem Herrn Löwenftein und soll ihm sagen, der Herr Nathan Jsakowitsch läßt ihn gar schön bitten um seine Tochter; sie braucht' keine N'dan und keine Haussteuer und nix. Was sagen Sie dazu, meine liebe Madame?" „Was hat mein Mann dazu gesagt?" fragte sie. Er zuckte die Achseln und warf den Kopf auf die linke Seite. „Schtuß! — der Herr Löwenstein war gewesen nicht gut aufgelegt — Hab' ich gedacht, wartest 'n paar Tag und holst Dir dann die Antwort. — Also, meine liebe Madame, was sagen Sie? —" „Ich vermuthe, mein Mann wird Ihnen gesagt haben, daß wir auf Ihren Antrag nicht eingehen können, weil es bekannt ist, daß der Herr Jsakowitsch öffentlich den Sabbat entweiht und die Speisegesetze Übertritt." „Nu? was ist da mehr? — Ich sag' Ihnen, meine liebe Madame, der Herr Nathan Jsakowitsch