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Der Israelit · 1889-03-25 · Heft 24 (25.3.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 24 (25.3.1889)
Date
1889-03-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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438 Len Winke gelegentlich der nächsten Verathung im Interesse der guten Sache nicht ohne Würdigung bleiben. S. M. L. Italien. Venedig, 7. März. Als vor einigen Monaten hier durch die Sorgfalt und die Bemühungen eines Mitgliedes unserer Cultusgemeinde, des Herrn Graziano Rava, ein Asyl für Obdachlose eröffnet wurde, da brachte auch der „Israelit" einen kurzen Bericht über die feierliche Eröffnung dieser wahrhaft humanen Anstalt. Bei der Jahresversammlung, welche die Vorsteher und Inspektoren dieser Anstalt dieser Tage im hiesigen Stadthause abhielten, machte unser Bürgermeister, Graf Serego, die höchst erfreuliche Mittheilung, daß der Fond des Asyls, Dank den Beiträgen, die von allen Seiten und aus allen Schichten unserer Bevölkerung für dasselbe einfließen, heute schon 75,000 Lire betrage und werde es daher möglich sein , binnen'Kurzem noch zwei solche Anstalten zu eröffnen, welche neuerdings den Armen unserer Stadt zugute kommen werden. Zum Schluffe gedachte derselbe noch des Gründers dieser Anstalt, des genannten Rava, mit einigen höchst schmeichelhaften Worten. Auch der anwesende Präfekt äußerte sich sehr lobend über die humane Thätigkeit des Herrn Rava. England. London, 19. März. Bei der heute Abend stattgefundenen Versammlung der „Federation", bei welcher Herr Samuel Montague präsidirte, wurde gegen die am vergangenen Sabbat abgehaltene aufrührerische Proceffion der „Arbeitslosen" Protest erhoben. Herr Montague, der den östlichen Stadttheil im Parlament vertritt, erklärte, daß jede Bewegung, welche den Anschein von Sozialismus trägt, antijüdisch sei, da schon der Pentateuch von dem Besitz der Patriarchen an Land und Viehheerden erzählt und deutlich betont: „Daß Arme niemals im Lande fehlen werden." Es wurde von der Versammlung einstimmig beschlossen, eine Dank- Adreffe an die Vorstandschaft der Dukes Place- Synagoge für die weisen Vorsichtsmaßregeln zur Abwendung von Ruhestöruugen, welche von derselben während des Gottesdienstes getroffen wurden, zu richten. Rußland. Kiew. Dem„Grashd." zufolge sind am 3. März in Kiew in einem Stadttheil 26 Juden und in einem anderen Stadttheil 32 Juden arretirt worden, welche nicht berechtigt sind, in Kiew zu leben. Es sind alles wohlhabende, sehr anständig gekleidete Leute. Einer derselben wollte der Polizei entschlüpfen und kletterte auf das Dach eines Hauses, doch wurde er bald aufgefunden und im Triumph heruntergeholt! Türkei. Konstautinopel. Frau Esther Coön, die Gattin des Generals Elias Pascha, Leibarzt des Sultan, war jüngst in Wien, wo sie durch Vermittlung des türkischen Gesandten ihre drei Söhne in dem berühmten Theresianum unterbrachte. (Bisher (?) war es Juden nicht möglich, diese Anstalt zu besuchen.) Auf ihrer Rückreise hielt sich FrauCoen in Salonichi auf, wo sie von einem vom Generalgouverneur geschickten Offiziere empfangen wurde. Schuld und Sühne. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Leah hatte ihre Stickerei wieder in die Hand genommen und arbeitete eifrig; sie ärgerte sich offenbar über die Vorliebe ihrer Mutter für ihren Cousin. „Die Mädchen in Deutschland — ich weiß auch, was die Mädchen in Deutschland lernen — bei der Tante in Berlin. —" „Wünsche einen schönen guten Abend, meine liebe Madame!" sprach eine schrille Stimme in ihrer unmittelbaren Nähe, „ist der Herr drinnen im Haus? Ich möchte mit ihm reden." „Guten Abend, Herr Kohn!" entgegnete Frau Löwenstein, „es thut mir leid, daß Sie sich vergebens her bemüht haben, aber mein Mann ist nach K... gefahren und wird erst morgen Abend heim kommen." „Heißt 'n Schl'massel!" rief Kohn, indem er seinen Hut, unter dem er ein spitzes Sammtkäppchen trug, vom Kopfe nahm und mit einem blaugeblümten Tuche sich die schweißbedeckte Stirn trocknete, „heißt 'n Schl'massel! — schlepp mich daher in der Hitze und der Herr Löwenstein muß gefahren sein nach K..." „Es thut mir wirklich leid", wiederholte Frau Löwenstein, „aber setzen Sie sich wenigstens und ruhen Sie aus, bevor Sie den Heimweg antreten."

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