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Der Israelit · 1889-03-25 · Heft 24 (25.3.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 24 (25.3.1889)
Date
1889-03-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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m 435 dauern, nur als einen vorübergehenden betrachten; zugleich aber wollten sie während der Zeit ihres Aufenthaltes dem gastlichen Lande, das sie ausgenommen, ganz und voll angehören, alle bürgerlichen Pflichten erfüllen, das Wohl und Wehe des Staates mit den übrigen Bewohnern des Landes theilen, für das Glück ihres Adoptivvaterlandes streben und jedes Unheil von ihm abzuwenden suchen. Deßhalb sprachen sie zu Pharao: Wir werden zwar unfern Aufenthalt in deinem Lande stets nur als einen vorübergehenden betrachten, wir werden die Hoffnung aufrecht erhalten, dermaleinst in das gelobte Land zurückzukehren; aber wir werden wohnen im Lande Goschen als getreue Unterthanen deines Szepters, und wir werden uns keiner Pflicht als Bürger dieses Landes entziehen. Auch wir, die späten Nachkommen, befinden uns seit länger als achtzehnhundert Jahren in ähnlicher Lage. Zerstört ist unser Heiligthum, vernichtet das jüdische Staatswesen, und die Kinder Israel sind fast über den ganzen Erdboden zerstreut. Wiewohl wir nun die Hoffnung nicht aufgeben, daß Gott einst die Zerstreuten wieder sammeln und uns zurückführen wird in das Land unserer Väter, gehören wir doch bis dahin ganz und voll dem Lande, dem Volke, dem Staate an, in welchem wir wohnen. Wir deutsche Juden sind Deutsche durch und durch. Seit länger als tausend Jahren wohnen unsere Voreltern, wohnen wir in diesem großen und schönen Lande. Die deutsche Sprache ist unsere Muttersprache, die Sitten, Gewohnheiten, Eharactereigenthümlichkeit des deutschen Volkes sind auch die unserigen. Wir sind getreue Unterthanen unserer Fürsten und unseres Kaisers; wir lieben unsere deutschen Volkesgenossen gleich unseren Brüdern; des Vaterlandes Wohl oder Wehe liegt uns gerade so nahe am Herzen wie allen anderen deutschen Volksftämmen; wir sind bereit, mit Gut und Blut dieses theure Vaterland zu vertheidigen und zu schützen. Das alles ist uns eben so sehr religiöse wie natürliche Pflicht. Man liebt sein Vaterland wie man seine Eltern liebt. Nicht allein jetzt, da eine gute und gerechte Gesetzgebung uns die bürgerlichen und politischen Rechte sichert, sondern auch in den früheren Zeiten, da unsere Voreltern unendlich viel gelitten, waren die Juden stets von der heißesten Liebe zum Vaterland durchdrungen. Geradeso wie in Deutschland verhielten und verhalten sich die Israeliten in Oesterreich, Ungarn, Rußland, Frankreich, England, in den Niederlanden, in Dänemark, Schweden, in der Türkei, in Amerika und in allen Ländern, in welchen Nachkommen Jakob's wohnen. Sie alle hegen die Hoffnung, einstens in das Land der Väter zurückzukehren, sie alle sind jedoch zugleich getreue Bürger der Staaten, denen sie angehören, jeder von ihnen ist in heißer Liebe seinem Baterlande zugethan. Die Hoffnung auf die Rückkehr in das heilige Land beeinträchtigt in keiner Weise die Liebe zum Vaterlande und die Treue und Hingebung für das Staatswesen, welchem wir angehören. Es ist gehässige Verleumdung, wenn die Antisemiten behaupten, daß die Juden das Vaterland nicht lieben könnten, weil sie die Hoffnung nähren, dereinst das jüdische Staatswesen im heiligen Lande wieder aufzurichten. Die von Gott verheißene Erlösung wird zugleich eine Erlösung der gesammten Menschheit sein. Haß und Feindschaft werden verschwinden, und Liebe und Freundschaft werden alle Völker mit einander vereinen, wie der Prophet Jesaias es verkündet hat (Cap. 2, V. 2 u. 3): „Und es wird sein in späten Tagen, da wird fest sein der Berg des Hauses des Ewigen an der Spitze der Berge und erhaben über die Hügel, und zu ihm werden hinströmen alle die Völker. Und es werden hingehen viele Völker, und sie werden sprechen: Wohlan, lasset uns hinaufziehen zum Berge des Ewigen, zum Hause des Gottes Jakob's, auf daß Er uns unterweise in Seinen Wegen und wir wandeln auf Seinen Pfaden! Denn von Zion wird ausgehen die Lehre und das Wort des Ewigen von Jerusalem." — Und ferner (daselbst V. 4): „Und sie (die Völker) werden umschmieden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird erheben Volk gegen Volk das Schwert, und sie werden den Krieg nicht mehr erlernen." Versäume nicht, mein Bruder, am Sedertische deine Kinder darauf aufmerksam zu machen, daß es uns heilige Pflicht ist, festzuhalten an den Verheißungen unseres Gottes und zugleich unser Vaterland zu lieben, sein Wohl zu fördern und jedes Unheil von ihm abzuwenden, geradeso wie einst unsere Väter zu Pharao sprachen: „Zu verweilen in diesem Lande sind wir gekommen; in Bezug auf unsere staatsbürgerlichen Pflichten jedoch werden wir sein wie alle anderen Bewohner des Landes." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Frankfurt a. M., 22. März. Heute fand in der Realschule der israelitischen Religionsgesellschast unter Vorsitz des Herrn Schulrathes Kannegießer aus Kassel die Abiturientenprüsung statt. Von den drei Abiturienten, die sich zur Prüfung

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