Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1889)
- Date
- 1889-03-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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418 niederträchtige Lüge eben als niederträchtige Lüge zu kennzeichnen. Der ganze Aufsatz der „Cons. Corr." zeugt von einer Unkenntniß der Sachlage, die an's Unglaubliche grenzt. Wir haben dem Blatt den vortrefflichen Artikel des Nervenarztes Herrn Dr. Arthur Kahn in Bonn und den Leitartikel der letzten Donnerftagsnummer zugesandt, aus denen es über die Motive der That und über die Geschichte der Blutbeschuldigung vielleicht etwas lernen kann und wir erwarten von d em Anstand sgesühle der „Conserv ativ en Correspondenz" — an dessen Existenz zu zweifeln wir vorläufig noch keine ^Veranlassung haben — daß sie ungesäumt auf Grund des ihr nun vorliegenden Materials, sowie auf Grund der erneuten Verhaftung Bernsteins wegen eines an einem jüdischen Knaben begangenen Attentats ihre furchtbare Anklage zurücknehmen und die von den guten und erleuchtetsten Christen aller Zeiten als infame Lüge gebrandmarkte Tradition des „rituellen Mordes" als ein „ausgesuchtes Schelmen stück" bezeichnen wird. Sollte das Blatt indeß — was uns kaum glaublich scheint — trotz alledem mit seinen Blutbeschuldigungs - Artikeln sortfahren, so dürfen wir dem konseroativzn Organ es schon jetzt Voraussagen, daß die Versuche, ein „deutsches Tisza- Eszlar" um jeden Preis zu schaffen, unter göttlichem Beistände durchaus erfolglos sein werden. Bl. Berlin, 19. März. Die in Aussicht genommene neue jüdischeZeitung ist, wie wir hören, bereits ins Grab gesunken, eheste ihr kurzes Erdendasein angetreten hat. Es lag in der Intention der dem Unternehmen beistehenden Finanzmänner ein farbloses, unparteiisches jüdisches Familienblatt zu begründen; da aber die zukünftige Leitung nur von einem jüdischen Blatte ausgeprägt reformistischer Richtung etwas wissen wollte, zogen jene Kreise ihren finanziellen Beistand sofort zurück. Oesterr. - Ungar. Monarchie. In Lewberg ist der Prediger, Herr Dr. B. Löwenstein im Alter von 69 Jahren gestorben. Der Verstorbene war ein großer Kanzelredner, der das Wort lebendig zu gestalten, die Gefühlsaiten seiner Zuhörer zu berühren und in Schwingung zu bringen wußte. Er war der erste und einzige Prediger in Galizien, der es verstand, sich bei allen Parteien angenehm zu machen und nach keiner Seite zu verstoßen. Frankreich. Paris. Baron Moritz v. Hirsch hat der „Alliance Jsraelite Universelle" 10 Millionen Francs zum Geschenk gemacht. Indien. Kalkutta, 6. Februar. Heute hat hier im Hause des Herrn Elia Schalum Gabbai die Bertheilung von Preisen an die Schüler unserer Gemeindeschule stattgefunden. Diese Schule wurde vor sieben Jahren eröffnet und zwar mit blos dreizehn Mädchen. Heute beträgt die Anzahl der Schüler aus beiden Geschlechtern schon zweihundertunddreißig. Die allgemeine Unterrichtssprache in dieser Schule ist selbstverständlich die englische, als die Sprache der Regierung, des Kaufmannsstandes und der Intelligenz; daneben werden aber auch die hebräische Sprache, als die Sprache unseres heiligen Glaubens, dann aber auch das Arabische, als die Muttersprache der meisten hier lebenden Juden, die, theils aus Mesopotamien (Bagdad uud Bassorah), theils aus Arabien und theils aus Persien hieher kamen, und schließlich auch das Hindustani, als die Ursprache unserer Bevölkerung, gepflegt. Beim Verlassen der Schule sind alle Schüler im Stande, einen englischen Brief fehlerfrei zu schreiben. Dieser Umstand wird auch von unseren Schulbehörden allgemein gewürdigt, und haben sich dieselben schon mehrere Male mündlich und schriftlich darüber geäußert. Dem Vernehmen nach gedenkt unsere kleine Gemeinde ein eigenes Schulgebäude für fünfhundert Schüler aufzuführen, und sind die Kosten desselben mit drei Lack Rupien (210,000 Rupien) berechnet, wovon indeß die Hälfte die Regierung tragen wird. Mit dieser Schule soll auch eine Handwerkerschule verbunden werden und rechnet man dabei, daß dieselbe dann auch von jüdischen Knaben aus Arabien, Persien und Mesopotamien beschickt werden wird. Die Vertheilung der Preise hat diesmal die Gattin unseres erlauchten Vicekönigs, Marchioneß of Landsdowne, in höchst eigener Person vorgenommen und wurde deßhalb für die hohe Frau im Prüfungssaale ein Thron errichtet. Auch wurde sie von einer Deputation unserer Gemeinde aus ihrem Palaste abgeholt und in das Schulgebäude geleitet. Es war dies ein großer Kid dusch Haschem und ein wahrer Ehrentag für unsere Gemeinde. Nachdem die hohe Frau auf ihrem Throne Platz genommen hatte, wurde ihr von der Schülerin, Frl. Menasche Elia Gabbai, ein Blumenbouquet überreicht, worauf dann Schüler und Schülerinnen vereint „Adon Olam" und die englische Nationalhymne „Lritannla rula tbe wawes“ absangen. Es folgte hierauf eine Ansprache an die hohe Frau, welche die-