Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1889)
- Date
- 1889-03-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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419 selbe huldvollst erwiderte, worauf sie die Vertheilung der Preise vornahm. Schüler und Schülerinnen sangen vereint den Psalm: to 't? wm mmV "iidtö pan hebräisch und englisch und dann die Hymne der Königin. „God save the Queen w bn njn) roten map)" englisch und hebräisch, welche letztere die ganze Versammlung stehend anhörte. Unter allgemeinen : Odeers! verließ dann die hohe Frau das Schulgebäude, um in ihren Palast zurückzukehren. dwwö rote^ ru»o niw -pran Feuilleto«. Schuld und Sühne. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Der Onkel schüttelte den Kopf. „Eben wolltest Du verzweifeln, jetzt nennst Du Dich den glücklichsten Menschen — der Uebergang ist rasch", fügte er lächelnd hinzu, „aber ich begreife weder das Eine noch das Andere." „Du begreifst nicht, weshalb ich mich glücklich preise? — Weil ich fest auf Dein Wort baue und mit Zuversicht hoffe, daß Leah gerne einige Jahre auf mich warten wird. Mit Deiner gütigen Erlaubniß werde ich Sie noch heute darum bitten." „Halt, mein Lieber, diese Erlaubniß kann ich Dir nicht ertheilen. Ich muß es im Gegentheil zur Bedingung machen, daß Leah nichts von unserer Vereinbarung erfährt." Der junge Mann blickte enttäuscht darein. Löwenstein fuhr fort. „Du scheinst zu übersehen, daß meine Zusage nur eine bedingte ist. — Bleibst Du brav wie Dn bist und Leah ist in einigen Jahren noch frei, so ist sie Dein, d. h., so hast Du meine Erlaubniß, um sie zu werben. Würde ich dieses jedoch schon jetzt zugeben, und Du würdest schon jetzt ihre Neigung gewinnen, würdest jedoch, Gott behüte! im Laufe der Jahre, wie leider so viele junge Leute, der Versuchung unterliegen, so hätte ich durch meine übereilte Zusage das Glück meines Kindes untergraben. Das kannst Du nicht von mir verlangen, Hermann — nicht wahr, das siehst Du ein?" Hermann konnte dem Vorgehen seines Onkels eine gewisse Berechtigung nicht versagen; er beschränkte sich daher darauf, von seinem Onkel wenigstens die Zusage zu erlangen, seine Cousine in den nächsten vier Jahren nicht verheirathen zu wollen. Doch auch hierzu wollte sich Bernstein nicht bewegen lassen. Das Einzige, wozu er sich bestimmen ließ, war das Versprechen, ohne besondere Veranlassung in den nächsten Jahren sich nicht um ihre Verheirathung bemühen zu wollen. Sollte sich jedoch ohne sein Zuthun während dieser Zeit eine Gelegenheit darbieten, ihr Glück zu begründen, so dürfe er sich durch keinerlei Rücksicht zurückhalten lasten, zu thun, was er für das Glück seines Kindes halte. Niedergeschlagen und bleich lehnte Hermann in der Wagenecke und achtete nicht des freundlichen Zuspruches seines Onkels. Doch, als sie die Wohnung des Letzteren endlich erreicht hatten und dieser vor dem Ausfteigen die Hand auf des jungen Mannes Schulter legte und mit nicht mißzuverstehender Betonung sagte: „Ich verlasse mich auf Dich, Hermann." Da ergriff dieser die Hand des Onkels und drückte sie mit einer gewissen Heftigkeit. „Du kannst Dich auf mich verlassen — in jeder Beziehung — und ich hoffe trotz allem mit Zuversicht, daß ich mein Ziel erreichen werde." V. Eine Woche war verstrichen. Hermann hatte Wort gehalten, er war abgereist, ohne seiner Cousine auch nur durch eine Silbe anzudeuten, was er für sie empfand. Sein Abschied von ihren Eltern war ungleich wärmer gewesen als von ihr, denn beide, Löwenstein und seine Frau, hatten ihren jungen Verwandten aufrichtig schätzen gelernt und wünschten seine Verbindung mit ihrer Tochter kaum weniger lebhaft als er selbst. Es war gegen Abend, Frau Löwenstein, die sich wieder vollständig erholt hatte, saß mit ihrer Tochter auf der Bank vor dem Hause, beide mit Handarbeiten beschäftigt. Die Schwüle des Tages war vorüber, die Luft rein und überaus milde; ein lauer Westwind hatte sich erhoben und fuhr säuselnd durch das Laub des nahen Waldes, in dem ein Chor gefiederter Sänger jubilirte. Leah hatte die Stickerei in den Schooß sinken lassen, sie hatte das Antlitz dem Gehölz zugewendet und lauschte dem melodischen Gezwitscher. „Auf was horchst Du?" fragte die Mutter. „Ach, Hermann hat mich neulich aufmerksam gemacht, daß man zuweilen beobachten kann, wie die Vögel sich miteinander unterhalten. Augenblicklich bemerke ich es nicht, aber vorige Woche, als wir am frühen Morgen im Walde waren, da war es wirklich interessant; zuerst hat ein Vogel gerade über unseren Köpfen laut gezwitschert, dann in einiger Entfernung hat sich ein anderer hören