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Der Israelit · 1889-03-21 · Heft 23 (21.3.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 23 (21.3.1889)
Date
1889-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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416 falschen, aber aufrichtig gehegten Vorstellung: durch die über Menschen verhängten Qualen und durch den gegen Menschen gepflegten Haß Gottes Willen zu erfüllen und somit eine Ihm wohlgefällige Verehrung zu bethätigen, entstammen, dergestalt, daß keinerlei selbstsüchtige Zwecke damit angestrebt worden, oder ob hierin darum kein Vorzug zu erkennen ist, weil Menschenhaß und Menschenverfolgung so fluchwürdig sind, daß jene Christen- und Ketzer- Verfolgungen, selbst wenn sie wirklich aufrichtig und wahrhaftig ausschließlich zur größeren Ehre der Götter und der Religion von wahnwitzigen Fanatikern vollführt worden sind, keineswegs eine mildere Beurtheilung verdienen, als der jedes religiösen Jrrthums als Beweggrund entbehrende Antisemitismus. Wenn es sich um die Beurtheilung der haßerfüllten Menschen zur Feststellung ihrer geringeren oder größeren sittlichen Gesunkenheit handeln würde, dann dürfte allerdings die Frage nach der Quelle ihrer unheiligen verwerflichen Gesinnung nicht zu umgehen sein. Da uns aber eine solche Beurtheilung nicht obliegt, wie sie es vielmehr nur mit der Erscheinung des Antisemitismus, nicht aber mit den Antisemiten, zu thun hat, so können wir diese Frage unerörtert lassen. Wir stellen die Behauptung auf, daß der Antisemitismus nicht religiös ist, und zwar selbst nicht religiös in dem Sinne, daß er etwa einem religiösen Wahne entspringe. Wir behaupten ferner, daß es nicht christlich-religiös ist, ja, daß es nicht christlich religiös sein kann. Wir behaupten demgemäß endlich, daß es eine bewußt ausgesprochene Unwahrheit ist, wenn der Antisemitismus glauben machen will, daß er von religiösen oder christlichen Motiven erzeugt sei und nichts anderes bezwecke, als die Wahrung der Religion und des Christenthums. Man höre doch nur die in der Presse und den Versammlungen mit vielem Geräusch vorgetragenen Beschwerden und Anklagen gegen Juden und Judenthum, welche das Volk zum Hasse und zur Verfolgung aufreizen und dem Antisemitismus eine immer wachsende Anhängerschaar verschaffen sollen. Da wird mit staunenswerther Beharrlichkeit und Ausdauer unermüdlich von gar weltlichen Dingen geredet. Die Juden, so lauten die agitatorischen Reden, stehen ihren nichtjüdischen Mitbürgern überall im Wege, sie drängen sich in dem Wettbewerb der Menge um Besitz, Ehre und Ansehen überall an die gelegensten Punkte des Marktes hinan und erlangen immer den Vorsprung. Seht hier die jüdische Reklame, ruft man dem christlichen Gewerbetreibenden zu! Der jüdische Kaufmann kennt deren Bedeutung sehr wohl und weiß sich ihrer im ausgiebigsten Maße zu bedienen. Da wimmelt es überall von „jüdischen Ausverkäufern" (beiläufig bemerkt hat der Antisemitismus sich eine ganz eigenartige Terminologie angeeignet, das Wort „jüdisch" muß überall herhalten, es mag passen oder nicht), weil der Jude auf die Sucht des Publikums zu billigen Einkäufen zu spekuliren weiß. Da wird Alles zu spottwohlfeilen Preisen angepriesen, da legt man die Schaufenster in der schreiendsten Weise aus und an den Ladeneingängen harren die jüdischen Händler, um mit jüdischer Zudringlichkeit und jüdischer Zungenfertigkeit die Käufer anzulocken, so daß diese sich unversehens, dank dieser jüdischen Praktiken, in Besitz von Dingen befinden, die sie gar nicht erstehen wollten und dafür ihre sauer verdienten Spargroschen los geworden sind. Und zu dem kleinen Manne in der engen Vorstadt und zu dem schlichten Landmanne in den Dörfern wandert der jüdische Handelsmann und macht sein „Geschäftchen", immer „Profit", durch Tausch und Ueberlistung. Da hat der Bauer eine Kuh im Stalle und sein Nachbar sucht gerade eine Kuh. Er könnte sie ja zu einem viel bessern Preise seinem christlichen Nachbar direct verkaufen, und der Nachbar könnte sie viel billiger direct vom Nachbar kaufen. Der Jude muß aber aus der Stadt kommen und dem glücklichen Kuhbesitzer die Kuh zu einem Schundpreise „abschmusen" und sie dem Nachbar zu einem horrenden Preise in den Stall „hineinschmusen". Das find „jüdische Praktiken", die man nicht länger dulden darf, soll nicht der christliche Kaufmann ganz um seine Kundschaft gebracht, der christliche Käufer übervortheilt, der christliche Bauersmann gänzlich ruinirt werden. Da sendet ein christlicher Bürger seinen Knaben in's Gymnasium, um ihn einem gelehrten Stande zuzuführen. Rechts und links wohnen aber Juden, welche nicht je einen, sondern je zwei Söhne ebenfalls zum Gymnasium schicken. Ja, der Jude kennt den Werth der Wissenschaft und Bildung und schärft seinen Kindern schon frühzeitig die schlaue Ausbeutung derselben ein. Die vier Judenbengel sind rastlos dahinter her, sich die ersten Plätze in der Klasse zu erobern, sie studiren auch eifrig auf der Universität, während das Nachbarkind in harmlosem Jugendmuthe die schöne Zeit der Jugend auch zum Vergnügen gehörig zu benutzen weiß. Er findet, sobald er in das practische Leben eintritt, seine vierjüdischen Genossen schon auf dem Platze, den er einznnehmen gesonnen ist. Sie haben es verstanden, ihm in jüdischer Schlauheit zuvorzukommen und einen Vorsprung von ein Paar Jahren gewonnen.

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