Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1889)
- Date
- 1889-03-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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407 Volks-, Bürger- und Mittelschulen unter aller Kritik. Herr Dr. Ignaz Goldzieher, der Verfasser des „Mythos der Bibel" beherrscht das ganze Terrain, dieser gute Mann bebaut das Feld der destruktiven Reform, Religions-Lehrer, die baar jedes religiösjüdischen Wissens sind, die das Judenthum verhöhnen, weiß er sich auszusuchen, um sie als Religions-Lehrer anzustellen. Unser Rabbinat, das blos auf dem Papier steht, indem die vier Leute alle Monat ihre Quittungen repräsentiren, kümmert die Angelegenheit nicht. In Budapest wird das Judenthum zu Grabe getragen —, Dr. Goldzieher, Bacher und Consorten zimmern ihm den Sarg. Wir orthodoxe Juden vertrauen auf Gott. ->:n nm -ism nsy rey hx uoy »a Dip» xbi (Jes. 8, 11). Der Einsender.) Das Unterrichtswesen der Gemeinde, sowohl das rein konfessionelle an sämmtlichen Schulen der Hauptstadt, wie den eigenen Schulen, wie der Gemeinde ist im steten Aufschwünge begriffen. Der Religionsunterricht beansprucht an den Volks- und Bürgerschulen wöchentlich 446, an den Mittelschulen 110 Unterrichtsstunden; die Reorganisation der Mädchenschulen machte fernere Fortschritte und die Institution eines Unterrichtsinspektors hat sich bereits bewährt. Einen glänzenden Beweis für den Wohlthätigkeitssinn der Gemeinde liefert die Thatsache, daß von den 775 Zöglingen ihrer Knabenschulen 607 Gratisschüler, von den 431 Zöglingen der Mädchenschulen 296 Gratisschülerinnen sind. Außerdem wurden dieselben unentgeltlich mit Schulbüchern, zum großen Theile auch mit Winterkleidern betheilt. Die Zahl der im Religionsunterrichte unterwiesenen Kinder beträgt im laufenden Schuljahre 11.284. Das Wohlthätigkeitswesen der Gemeinde hat gleichfalls schöne Resultate aufzuweisen. An regelmäßigen Monatsunterstützungen wurden 106 Individuen monatlich 425 fl., jährlich somit 5100 fl. an einmaligen Unterstützungen 6380 fl., an Winterunterstützungen 3000 fl., an Osterunterstützungen 2673 fl. angewiesen. Für Heirathsausstattungsprämien wurden 3290 fl. verwendet. Die Gemeinde bewilligte ferner eine stattliche Anzahl Stipendien für Studierende und bethätigte sich überhaupt in anerkennenswerther Weise auf allen Gebieten des Wohlthätigkeitswesens. Das Spitalswesen der Gemeinde hob sich auf höheres Niveau und bewährte sich als sehr leistungsfähig. Im Gemeindespital wurden 819 bettlägerige Kranke mit 16389 Verpflegstagen, ferner 11715 ambulante Kranke, seitens der Armenärzte 5792 Kranke behandelt. Die Kommissionen der Humanitären Institute und zwar die des Knabenwaisenhauses (Präsident Jakob Deutsch) und das des Taubstummen-JnftitutS (Präsident Samuel Deutsch) wirkten gleichfalls in segensreichster Weise. Das Budget der Gemeinde pro 1889 wurde einstimmig gutgeheißen. Die Summarien sind: Bedarf 247.201 fl. 87 kr., Bedeckung 238.444 fl. 31 kr., somit Defizit 8757 fl. 56 kr., welches indessen wahrscheinlich durch Ersparnisse, respektive Mehr- Einnahmen seine Bedeckung finden wird. Dambovar, 1. März. (Unlieb verspätet.) Eine erhebende uns unvergeßliche Trauerfeier für Kronprinz Rudolf war es, die uns und (den angesehensten Theil unserer christlichen Mitbürger gestern in der Synagoge versammelte. Der Rabbiner unseres Bezirkes, Herr Rabbiner E. M. Gottein aus Högyeß, hielt die Trauerrede, die durch den Reichthum ihres Inhaltes, durch die Vollendung ihrer Form einen wahren Kiddusch-haschem bedeutete. Wie auf Abner, so führt der Redner unter Anderem aus, lassen sich auf den Verklärten die Worte anwenden: „Deine Hände waren nicht gebunden", dieselbe Hand, welche so meisterhaft die Waffen führt, sie führt auch die Feder, die Waffen des Geistes, um gegen Vorurtheil und Aberglauben anzukämpfen, „deine Füße waren nicht in Fesseln geschmiedet", da wo es galt, den Weg treuer Pflichterfüllung zu wandeln, und dennoch mußte er sterben, fern von seiner Familie, eines unnatürlichen Todes gleich Abner, „wie man vor Niederträchtigen fällt". Wir haben einen Binder an ihm verloren, einem Könige gegenüber, der alle seine Unterthanen, ohne Unterschied der Confession, als seine Kinder betrachtet, einen Prinzen, der unsere Krone gewesen, und wir müssen mit dem Propheten ausrufen: ntwo moy zumal er noch ip: (Anfangsbuchstaben des Satzes) gewesen, in der Blüthe seiner Jahre gestanden. Die Trauer wird um so nachdrücklicher, wenn wir unserem vielgeliebten König, den Schmerz, den einzigen Sohn verloren zu haben, nachfühlen, doch ist andererseits diese Zusammengehörigkeit von Fürst und Volk ein Gegenstand des Trostes, indem wir uns als Kinder unseres Landesvaters fühlen, und er demnach nicht den einzigen Sohn verloren hat. — Die mit zahlreichen Midraschstellen durchflochtene und mit wärmster Empfindung gesprochene Rede hat auf alle Zuhörer den tiefsten Eindruck gemacht, der nicht sobald verlöschen wird. H.... Erlau, 15. März. Die große Begeisterung, welche das Unternehmen einer gemeinsamen Pilgerreise (Vergnügungsreise) nach Jerusalem überall