Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1889)
- Date
- 1889-03-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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: * *5G*sv-*r«» 406 daß der hervorragendste christliche Kenner der jüdischen Literatur, Prof. Franz Delitzsch, in seinen Schriften gegen Rohling in Prag und bei anderen Anlässen, diese aus dem Mittelalter stammende Anklage einer gründlichen und umfassenden Prüfung unterzogen und auf's Neue den Beweis von ihrer Nichtigkeit geführt hat? Das Gutachten, welches dieser Sachverständige nach dem Verschwinden der Esther Solymossi abgab, ging dahin, daß rituelle Verwendung des Blutes abgeschlachteter Christen nach talmudischen Begriffen etwas schlechthin Undenkbares sei. Sie sehen, es stimmt mit dem von Ihnen angeführten Urtheil des Fürstbischofs Dr. Kopp vollkommen überein u. s. w." Wreschen, 11. März. Im Lewin'schen Hotel Hierselbst fand zu Ehren des unsere Stadt verlassenden Kaufmanns Herrn David Hausdorff ein Abschiedsmahl statt, an welchem sich ein großer Theil unserer Gemeinde betheiligte. Herr Hausdorff hat sich während seines vierzigjährigen Hierseins durch sein leutseliges Benehmen, nicht blos die Achtung innerhalb der israelitischen Gemeinde, sondern auch die Achtung sämmtlicher Bürger hiesiger Stadt erworben. Bei dem Festmahle hob als erster Redner Herr Gemeinderabbiner Dr. Colin in eindringlichen und recht zu Herzen sprechenden Worten die Verdienste des Herrn Hausdorff hervor und sprach unter den besten Glückwünschen für ein ferneres Wohlergehen das tiefste Bedauern über dessen Scheiden aus dem hiesigen Wirkungskreise aus. Herr Hausdorff dankte in herzlichen Worten für die Beweise der Liebe und Freundschaft, welche ihm hier zu Theil geworden. D. St. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 10. März. Heute fand eine Versammlung hervorragender Bürger sämmtlicher Bezirke Wiens statt, in welcher zahlreiche Reden, darunter von dem Vize-Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Chlumecky, und dem Universitätsrektor Süß gehalten wurden. Es gelangte schließlich eine Resolution zur Annahme, welche die Thätigkeit der antisemitischen Partei verurtheilt und die Wähler Wiens zu einem einmüthigen Vorgehen gegen den Antisemitismus bei den Gemeindewahlen auffordert. Pesth. Die Repräsentanz der Pesther isr. Religionsgemeinde hielt unter dem Vorsitze des Gemeindepräsidenten Moritz Wahrmann ihre Generalversammlung, in welcher außer dem Budget für das laufende Jahr eine für die Organisation der Gemeinde besonders wichtige Angelegenheit, die Aenderung des Gemeindestatuts, berathen und beschlossen wurde. Diese Statutänderung bedeutet einen Ausbau der Gemeindeorganisation in fortschrittlicher Richtung (d. h. in Confiscirung der Rechte der einzelnen Gemeinde-Mitglieder. Der Einsender), indem der Wahlmodus für die Gemeinderepräsentanz auf modernere Basis gelegt wurde. Während nämlich bisher die gesammte Repräsentanz auf die Dauer von drei Jahren gewählt wurde, wodurch die Kontinuität der Gemeinde-Verwaltung in Frage gestellt war, wird dem neuen Statut gemäß die Repräsentanz auf sechs Jahre gewählt, die von drei zu drei Jahren durch das Ausscheiden, respektive die Wahl der Hälfte der Mitglieder der Repräsentanz, sowie der Hälfte des Ausschusses ergänzt wird. Als Uebergangsverfügung wurde feftgestellt, daß nach Ablauf der ersten drei Jahre die zum Austreten bestimmte Hälfte der Repräsentanten durch Ausloosung designirt wird; in den folgenden und nach Ablauf der ferneren drei Jahre scheiden Jene aus, deren sechsjährige Funktionsdauer abgelaufen ist. Die Bestimmung, daß der Präsident und die fünf Vorsteher alle drei Jahre neu zu wählen sind, wurde unverändert aus dem alten Statut übernommen. Eine weitere Aenderung der Statuten wurde in der Richtung beantragt, daß die während des dreijährigen Cyklus durch Austreten, Todesfall u. s. w. sich ergebenden Lücken durch die Repräsentanz selbst im Wege der Wahl ausgefüllt werden sollen. Diese Bestimmung wurde indessen einfach fallen gelassen, so daß die erwähnten Lücken erst gelegentlich der nächsten allgemeinen Urwahlen durch die Gemeindemitglieder im Wege der Wahl besetzt werden. Präsident Moritz Wahrmann begrüßt die zahlreich erschienenen Mitglieder und legt den Bericht über die Verwaltung der Gemeinde im abgelaufenen Jahre vor. Der von der Generalversammlung als verlesen betrachtete Bericht entrollt ein Bild intensiver und gedeihlicher Thätigkeit, sowohl auf dem Gebiete des Kultus, wie des Unterrichtes und deren Humanitären Institute und Institutionen der Gemeinde. Der Jugendgottesdienst wurde mit materiellen Opfern und großem Eifer auf ein höheres Niveau gehoben und verallgemeinert, indem die gemeinsamen Andachtsübungen nun im großen Tempel ftattfinden. (Mit Verlaub gestatten wir uns hier eine Bemerkung zu machen. Herr Wahrmann referirt so, wie ihm dieses Referat von der Schulsektion unterbreitet wird, deßhalb erlauben wir uns hier öffentlich zu konstatiren, daß 6546 Schüler der städtischen Volksschulen bis allher den Gottesdienst entbehren. Ja überhaupt ist der Religionsunterricht in den