Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1889)
- Date
- 1889-03-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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404 wenn ich Arzt werde. Ja, ich möchte sogar mit Bestimmtheit behaupten, daß der Geschäftsmann noch weit größere Opfer für seine Ueberzeugung bringen muß als der Arzt." „Möglich, daß Du recht hast, — die Möglichkeit auch als Arzt religiös zu bleiben, will ich keineswegs bestreiten. Aber ich kenne viele hundert streng fromme jüdische Geschäftsleute — die religiösen Verhältnisse in Deutschland lind mir nicht bekannt — doch weder hier in Rußland noch in meiner Heimath in Ungarn wüßte ich auch nur einen einzigen jüdischen Arzt, der nicht den Sabbat entweiht. — Darum kann ich mich nicht entschließen, Deiner Bitte zu willfahren." Der letzte Blutstropfen wich aus dem sonst so frischen Angesicht des jungen Mannes. „Onkel!" stammelte er, indem er flehend zu ihm emporschaute. „Nun, nun, nun! mache nur nicht gar so'n verzweifeltes Gesicht. Wenn ich mich unter den obwaltenden Verhältnissen auch nimmer entschließen könnte, auf vier, fünf Jahre hinaus Dir die Hand meiner Tochter zuzusagen, so will ich Deinen Antrag doch durchaus nicht entschieden zurückgewiefen haben." Hermann athmete tief auf, die Farbe kehrte allmählich zurück in seine Wangen, während sein Blick in gespannter Erwartung an den Lippen seines Onkels haftete. Dieser fuhr fort. „Es wird Dir nicht unbekannt sein, daß mich die Nachricht, daß Du studirst, auf's Höchste empörte. Du, der einzige Sohn meiner einzigen Schwester, der den Namen meines gottseligen Vaters trägt — annehmen zu müssen, daß Du die heiligen Satzungen unserer heiligen Religion über Bord geworfen! — der Gedanke war mir unerträglich — und wiederholt habe ich Deme Mutter beschworen, Dir die Mittel zu Deinem Studium zu entziehen." „Das weiß ich, und ich weiß auch, daß meine Mutter Dir erwiedert hat, daß sie Deine Befürchtung nicht theile, und daß ich meinen Unterhalt mir größtentheils durch Unterricht erwerbe." „Offen gestanden, diese Mittheilung hat meine Befürchtung womöglich noch gesteigert — denn das echt jüdische Leben ist anerkannt ungleich theurer, als wenn man es mit den Speisegesetzen nicht so genau nimmt." „Ich hoffe, lieber Onkel, daß Du bereits erkannt hast —" „Daß ich Dir Unrecht gethan habe. Gewiß, gewiß, mein Sohn, das sehe ich vollkommen ein. Gegenwärtig bist Du ein durch und durch braver, frommer junger Mann, und darum wünschte ich sehnlichst, Dir meine Tochter geben zu können." „Bester Onkel —" „Laß' mich ausreden, Hermann. So brav Du gegenwärtig bist und so innig ich wünsche, daß Du Dich in dieser Beziehung nie ändern mögest, mit vollster Gewißheit kann ich dieses doch nicht annehmen und darum kann ich Dir gegenwärtig die Hand meiner Tochter nicht Zusagen. Wenn Du jedoch, wie ich innigst wünsche und sehnlichst hoffe, brav bleiben wirst, und Leah zu der Zeit, zu der Du im Stande sein wirst, ein Haus zu gründen, noch nicht verheirathet sein wird, so werde ich sie Dir mit Freuden zur Frau geben." Hermann ergriff Löwensteins Hand und drückte fie wiederholt an seine Lippen. „Dank! Dank, bester Onkel! — mehr verlange ich nicht — Du machst mich zum glücklichsten Menschen." (Fortsetzung folgt.) „JSraelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel j« bestehe« bei G. F. Steinacker, Lripstg, Doßptatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oefirrreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für'8 Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Hagadah schel Peßach. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: 2mal Berlin. Karlstadt a. M. — Oest.Ung. Monarchie: Prag. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Irkutsk. — Albanien: Jamina. — Feuilleton: Schuld und Sühne. Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Marburg. Oberhausen. Breslau. Wreschen. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. Pesth. Dambovar. Erlau. Prag. — Rußland: St. Petersburg. Cherson. Odessa. — Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (OScar Lehmann) in Mainz. Hierzu eine Beilage.