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Der Israelit · 1889-03-18 · Heft 22 (18.3.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 22 (18.3.1889)
Date
1889-03-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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403 „Freilich nicht und auch die Mädchen heirathen selten vor neunzehn bis zwanzig Jahren." „Das ist hier zu Lande anders, ein sechzehnjähriges Mädchen wird kaum noch als junges Mädchen betrachtet. — Doch, um wiederum auf Dein Anliegen zu kommen — also, um was wolltest Du mich ersuchen? — Genire Dich nicht, sprich frei von der Leber weg." Noch einen Moment zögerte der junge Mann, indem er seitwärts auf den am Horizont verschwindenden Sonnenball hinschaute, dann aber sich ein Herz fassend, wandte er sich langsam um und blickte dem Onkel voll in's Angesicht. „Ich liebe Deine Tochter — versprich mir Leah zur Frau." In athemloser Spannung erwartete er die Antwort, während er die Hände fest auf das pochende Herz preßte. „Das ist in der That eine eigenthümliche Bitte" „Eigenthümlich!" stammelte Hermann. „Allerdings, eigenthümlich", erwiederte der Onkel, den jungen Mann mit forschenden Blicken betrachtend. „Du erklärst mir soeben, was ich freilich auch ohnehin wußte, daß Du in den nächsten vier bis fünf Jahren noch nicht in der Lage sein wirst, eine Familie ernähren zu können." „Aber Leah ist doch noch so jung, muß sie denn früher heirathen?" „Von müssen ist keine Rede, wenn es auch hier üblich ist, die Mädchen nicht so alt werden zu lassen, ich wäre — offen gestanden — durchaus nicht abgeneigt, sie Dir zu versprechen, wenn ich mit Bestimmtheit wüßte —" „Wenn Du was mit Bestimmtheit wüßtest? — Onkel — was?" „Daß Du in vier und fünf Jahren noch eben so brav und fromm bist, wie heute." „Aber ich bitte Dich, um's Himmelswillen! wie kannst Du daran zweifeln?" Löwenstein zuckte die Achseln. „Noch bist Du, Gott sei Dank! brav, obgleich Du bereits ein Jahr auf der Universität warst — ich gestehe, ich hätte, das nimmer gegluubr, daß man studiren kann, ohne den Sabbat, zu entweihen." „O, das tst keine so große Seltenheit." „Hier in unserm Lande ist es allerdings keine Seltenheit, denn es kommt nie vor — in Deutschland mag es zuweilen Vorkommen — das kann ich nicht in Abrede stellen — bekannt ist mir jedoch kein jüdischer Arzt, der nicht den Sabbat entweiht." „Ich könnte Dir sehr bedeutende Aerzte nennen, die trotz ihrer überaus großen Praxis nie den Sabbat entweihen." „Das mag sein, doch das sind Ausnahmen. In der Regel sind auch in Deutschland die jüdischen Aerzte nur dem Namen nach Juden; das weiß ich bestimmt." „Um Gotteswillen! Onkel! wie kannst Du so schlecht von mir denken!" „Ich denke nicht schlecht von Dir, im Gegentheil — zu meiner innigsten Freude habe ich mich überzeugt, daß Du trotz Deines Studirens brav und fromm bist." „Ich dürfte also hoffen?! — Du willigst ein?" Löwenstein zuckte abermals mit den Achseln. „Wie gesagt, ich würde gern einwilligen, würde Dir mit Freuden meine Tochter versprechen, wenn ich die Gewißheit hätte, daß Du fromm bleiben wirst." „Aber die Gewißheit hast Du, ich schwöre Dir" „Was willst Du schwören? daß Du nie den Sabbat entweihen wirst? — Aber durch einen solchen Schwur wärest Du nicht mehr verpflichtet den Sabbat zu halten, als Du es ohnehin bist." „Das weiß ich — aber wie könnte ich Dir sonst die von Dir verlangte Gewißheit bieten?" Löwenstein zögerte einen Augenblick, dann sagte er bedächtig. „Gib Dein Studium auf." „Das kann ich nicht, Onkel, von was soll ich leben?. von was eine Familie ernähren?" „Werde Geschäftsmann." „Aber ich habe keine Geschäftskenntniß, keine Neigung zum Geschäft. „Geschäftskenntniffe lassen sich erwerben, und Neigung zum Geschäft kommt, wenn man weiß, daß man seine Famile dadurch ernähren muß." „Ich weiß mit Bestimmtheit, daß ich nach vollendetem Studium mit Gottes Hilfe im Stande sein werde, eine Familie zu ernähren." „Das glaube ich auch, aber —" „Aber mit noch größerer Bestimmtheit weiß ich, daß ich nie und nimmer gegen meine Ueberzeugung handeln werde." „Auch das will ich hoffen, aber —" „Verzeih, lieber Onkel, daß ich Dich unterbreche. Aber, wenn ich nun Deiner Aufforderung entsprechend meine Studien aufgeben und Geschäftsmann werden wollte, hättest Du dadurch die Gewißheit, daß ich immer auf rechtem Weg bleiben würde?" „Vollkommene Gewißheit hätte ich freilich auch in diesem Falle nicht, aber ich könnte doch mit Zuversicht hoffen, daß Du den Grundsätzen, die Dir durch Deine Erziehung eingeflößt worden sind, treu bleiben wirst." „Das kannst Du mit Zuversicht hoffen, auch

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