Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1889)
- Date
- 1889-03-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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401 eingesteckt trägt. Wenn er auf diesem Wege zu seinem „Geschäftskapital" gelangt ist, so beginnt er zunächst Hausir- oder Barackenhandel mit Südfrüchten und in erstaunlich kurzer Zeit hat er durch Wucher, Betrug und ihm eigenthümliche Geschäfts- Manipulationen Hunderttausende an Vermögen, Häusern, Gärten u. s. w., ist Banguier, Großkaufmann in Kolonien, Manufakturen, Getreideexporteur rc. Trotz der auch durch einen anderen Anfang als unsauber bekannten Provenienz der nachherigen gesellschaftlichen Stellung dieser in fortwährendem Zufluß befindlichen Einwanderer, sind es aber gerade diese Leute, welchen ohne Umstände und nach nur kurzem Aufenthalt in Rumänien auch formell die Bürgerrechte ertheilt Wernen; faktisch haben sie sie schon lange früher, denn z. B. obwohl verfassungsmäßig die „Fremden" (aber fragt mich nur nicht welche!) ländliches Eigenthum in keiner Weise erwerben dürfen, kommen sie bei den Inhabern der Regierung bei Kauf oder Pacht selbst von Staatsgütern ganz zuerst in Betracht, wenn sie Mitbietende sind. An ihrer schlechten Aussprache, des Rumänischen (der Deputirte Nadejde hat in der Kammersitzung, die ich Ihnen zuletzt mitgetheilt, unter großer Heiterkeit das Verlangen gestellt, daß MM die Sorte Naturalisationspetenten unter dem Damen „Rumänen von jenseits der Donau" einer Hrüfung im Rumänisch Sprechen unterwerfen soll), an ihrer Sprache sind sie ihr Leben lang als Griechen kenntlich. Abgesehen von anderen Eigenheiten nämlich, sprechen sie das „Sch" als „ß", das „Tsch" als „tz", das „Dsch" (französisches „j" und „g") als „j" (griechisches Zeta) u. s. w. aus, z. B. „ßupuschi" wie„ßupußi", „tschine" wie „tzine", „adschudsch" wie „asunse". Gerade diese ihre schlechte Aussprache des Rumänischen aber läßt sie als Christen und als orthodoxe (orientalische) erkennen und dies legitimirt sie in allen Stücken. Man spreche dann noch davon, daß die rumänische „Judensrage" keine religiöse, d. h. nicht auf den verbissenen Unterschied in der Religion beruhe, welchen Unterschied der Berliner Vertrag angeblich abgeschafft haben soll! Ist aber erst so einem „Rumänen" aus der griechischen Türkei die Eigenschaft als wirklicher Rumäne durch die Kammern zuerkannt worden, so hat er damit nicht blos das passive, sondern auch das aktive Wahlrecht erlangt, er wird Beamter, Deputirter, Minister und herrscht in Rumänien, von welchem er schon kurz nach seiner Einwanderung in Brustton als „mein", „unser Land", „unsere Voreltern, die Römer" (!) spricht. Das sind die Elemente, aus welchen die politischen Parteien sich zusammensetzen, insbesondere die sogen. „liberale", die sich der Obermeister Bratianu 1866 zusammengewürfelt hat und die von der ausländischen liberalen Presse bei jeder Gelegenheit in Schutz und Vertheidigung genommen wird. Und was sie im Anfang ihres Lebenslaufes gethan, setzen sie später nur in etwas veränderter Art fort; sie bereichern sich nicht mehr durch physischen, aber durch moralischen Mord: durch Zwang mit Hinweis auf ihren Einfluß über Regierungsorgane, durch Aufmunterung oder direkte Aufforderung zu ihrer Bestechung, durch Unterschleife u. dgl. Dies Alles ist in Rumänien wohlbekannt — denn seit 150 Jahren wiederholt es sich immer wieder, aber Niemandem auffallend; und während man immerfort von einer sogenannten „Ueberfluthung" d. h. Einwanderung von Israeliten faselt, die blos in den Köpfen der regierenden Griechen u. s. w. spukt, während man gegen die vorhandenen Israeliten Maßregeln ergreift, als ob sie die Mörder seien, hat noch Niemand daran gedacht, gegen die Einwanderung der unsauberen griechischen und anderer Nationalitäten von jenseits der Donau Schranken zu erheben, obwohl sie schon ihre ersten Schritte im Lande in der That mit Verbrechen beginnen. Die Einwandernden sind eben Glaubensbrüder der Regierenden, wie sie ihre Gesinnungsgenossen im Vortheilsuchen sind. Diese fort und fort in Rumänien einwandernden christlichen Nationalitäten sind es, welche das ganze Leben im Lande bestimmen, sowohl das öffentliche durch ihre Stellungen als Beamte jeder Art, als auch das private durch ihren Besitz und in Folge dessen Beeinflussung und Bedrückung der Unvermögenden. Diese Vagabunden ä la Bräila sind es, welche die öffentliche Moral verderben, den Volkscharakter der eigentlichen Rumänen vergiften und gegen die alteingesessenen Israeliten agitiren und Gesetze fabriziren: Wenn irgend von einer Herrschaft von Fremden in einem der Karpathenländer gesprochen werden soll, so kann man es mit Recht von der Griechen Herrschaft in Rumänien!... Rußland. J-a. Bl. Irkutsk. Die zur Genüge bekannte Anwendungsmethode der betreffs der Juden bestehenden Beschränkungen, hat bedauerlicher, unerwarteter Weise, auch in Sibirien Terrain gewonnen. Gleichzeitig mit der Ankunft des neuernannten Vice- Gouverneurs, entlud sich über den Häuptern vieler hiesigen Israeliten ein unheilvolles Gewitter. Es ist nämlich über diejenigen Glaubensgenossen das Ausweisungsdekret verhängt worden, welche, nach der Ansicht Sr. Excellenz, das Wohnrecht daselbst