Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1889)
- Date
- 1889-03-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 12. März. Im Mai stattet derS ch a h von Persien Deutschland einen Besuch ab. Bekanntlich sind dem Schah auf seiner ersten Europareise im Jahre 1873 in verschiedenen Hauptstädten Europas Adressen zu Gunsten der schwerbedrängten persischen Juden übergeben worden. Der Erfolg ist uns unbekannt; eine vor einigen Jahren erschienene englische Schrift schildert die Lage unserer Glaubensgenossen in Persien in düsteren Farben, doch wissen wir nicht, auf welches Jahr jene Beobachtungen persischer Verhältnisse zurückgreifen. Die Meldung eines Londoner Blattes, daß der Schah erst unlängst russische in einer persischen Provinz wohnende Juden zwingen wollte, zum Islam überzntreten, kann nicht in Betracht kommen, da es sich hier nicht um persische Unterthanen handelt. Es wäre mir nun sehr erwünscht, über die augenblickliche Lage der persischen Juden absolut authentisches Material zu erhalten. Gesellschaftliche Beziehungen zu dem persischen Gesandten in Berlin würden es mir vielleicht ermöglichen, einen indirekten Einfluß auf den Schah bei seiner diesjährigen Anwesenheit auszuüben. Der Gesandte, ein von europäischer Bildung erfüllter geistvoller Mann und nicht nur Günstling seines Königs, sondern auch Liebling am hiesigen Kaiserhofe, meinte zwar erst unlängst, daß es den persischen Juden »trös dien" ginge, doch dieses „Sehr gut" muß für Verhältnisse jenes Halbkulturstaates als sehr dehnbar erscheinen. Der Gesandte leugnet die schlechte Lage der persischen Juden, und es würde mir, wie bemerkt, eine Ehre und eine Genugthuung sein, auf Grund absolut richtiger Mittheilungen vielleicht durch die Vermittelung des einflußreichen Würdenträgers, welcher 1873 erster Adjutant des Schahs war, den König zu den Gefühlen der Gerechtigkeit gegen seine jüdischen Unterthanen zu bestimmen. Bl. Berlin, 12. März. Am letzten Sabbat haben auch in allen Synagogen erhebende Gedächtnißakte zum Andenken an den hochseligen Kaiser- Wilhelm I. stattgefunden. — Herr Dr. Moritz Lüpschütz, welcher erst vor kurzer Zeit unter lebhafter Theilnahme weiter Kreise sein siebzigstes Lebensjahr vollendet hat, ist vorgestern verstorben. Der Dahingeschiedene, der Sproß erlauchter Geistesfürsten in dem Reiche jüdischer Gelehrsamkeit, hatte seine volle Kraft in den Dienst der Oeffentlichkeit mit beispielloser, unermüdlicher Hingebung gestellt. Es war ihm vergönnt, als Vorstandsmitglied zahlreicher Wohlthätigkeitsvereine, die Thränen von Wittwen und Waisen zu trocknen, das Weh so mancher Gebeugten zu lindern und den freudigen Beifall aller guten Menschen zu finden. Ein Nachruf des „Israelitischen Hilfsvereins", dessen Vorsitzender der Verblichene seit 18 Jahren gewesen, rühmt ihm eine opferfrohe, unermüdliche Hilfsbereitschaft nach und gelobt „dem wackeren Manne über das Grab hinaus ein unvergängliches, dankbares Gedenken zu sichern." Die Beisetzung findet heute, Dienstag, Vormittag auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee statt; der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat der sterblichen Hülle einen Ehrenplatz in der „Reihe der Frommen" neben dem Grabmal des sel. R. Elchanan Rosenftein zugewiesen. — Demnächst soll hier ein „Jüdisches Gemein d e b l a t t" unter der Redaktion des Herrn Dr. Mayb aum ins Leben treten. Soweit dieses Blatt nur rein kommunale Interessen der hiesigen Gemeinde vertritt, wird man ihm eine Daseinsberechtigung nicht absprechen dürfen. Falls sich aber dasBlättlein wenden und sich zu einer jüdischen für Berlin bestimmte Zeitung entfalten sollte, so sind seine Tage trotz aller zur Verfügung gestellten Geldmittel, wie jedem Kenner des Berliner Judenthums nicht zweifelhaft ist, gezählt. Das Berliner Pflaster ist nicht der Boden, wo jüdisch-publicistische Treibhauspflanzen gedeihen könnten. — Am letzten Sonntag- Abend fand im hiesigen Beth-hamidrasch die statutengemäße A d a r - F e i e r statt, anläßlich welcher Rabbiner Biber seid eine Gedächtnißrede auf den sel. Rabb. Samson Raphael Hirsch und auf seinen Sohn, den jüngst verstorbenen Rabbiner von Samter, hielt. — Die „Geschichte der jüdischen Literatur" von Dr. Gustav Karpeles ist ins Französische, Englische, Russische und Hebräische übersetzt worden. B l. Karlstadt a. M.p 6. März. Die Artikel in Nr. 7 aus Künzelsau und in Nr. 10 aus Ungarn, die vor unwürdigen o^ieiD warnen, veranlassen mich noch Folgendes anzuknüpfen. Diejenigen von unseren Glaubensgenossen, denen die ms» noch werth und theuer sind, muß ich nach meiner vielfachen Ueberzeugung darauf aufmerksam machen, daß die von Buchhändlern angekauften größtentheils sind. Gott sei mein Zeuge, daß ich dieses unverantwortliche Uebel nicht aus eigenem Interesse veröffentliche, nichts anderes, als die Pflicht *iivöy m rrain roin und td.-6 twao ist die Ursache meiner Kundgebung. Die dtd sollen nämlich, wie es das onaBr rDfr6D