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Der Israelit · 1889-03-18 · Heft 22 (18.3.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 22 (18.3.1889)
Date
1889-03-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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.' 898 — Demnach sollte es auch in dem in Rede stehenden Verse heißen nons» *ou und nicht nonso ivi; diese Bemerkung veranlaßte den Baal Hagadah zu erklären 1121.-, 'S by dun, „gezwungen durch den göttlichen Befehl", da Gott zu ihm gesprochen: Fürchte dich nicht hinabzuziehen nach Mizrajim, fürchte dich nickt, wiewohl dort deinen Nachkommen die Knechtung bevorsteht, denn Ich werde mit dir hinabziehen, werde auch zur Zeit der tiefsten Erniedrigung mit deinen Kindern sein und sie nicht verlassen, und Ich werde dich wieder heraufführen zur höchsten Höhe, die Menschen erreichen können, indem Ich deine Nachkommen zum Gottesvolke erküre, wie es heißt „Und ihr werdet Mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk." Wir haben nunmehr dargelegt, daß die Erklärung der Worte riD'->2D iyi durch *0 by dun Ymn eine wohlberechtigte ist; es erübrigt uns noch, nachzuweisen, welches die große Lehre ist, die der Baal Hagadah mit diesen wenigen Worten ertheilt. Wenn wir die Geschichte der Einwanderung der Familie Jakob's nach Mizrajim lesen, so finden wir überall einen ganz natürlichen Hergang. Jakob hatte eine besondere Vorliebe für den ältesten Sohn seiner heißgeliebten, frühverstorbenen Gattin. Er gibt dieser Vorliebe besonderen Ausdruck und erweckt dadurch den Neid der älteren Brüder. In Joseph wird dadurch der Gedanke erweckt, daß er zum Herrscher über seine Brüder bestimmt sei. Was der Mensch bei Tage denkt, das nimmt in nächtlichen Träumen lebendige Gestalt an. Joseph erzählt seine Träume, und zu dem Neide gesellt sich der Haß. Die Brüder wollen ihn tödten, schrecken jedoch vor der grausamen That zurück und verkaufen ihn als Sclaven. Joseph wird nach Mizrajim verbracht und nach wechselnden Schicksalen wird er vom Könige zum Beherrscher des Landes erhoben. Eine Hungersnoth bricht aus. Durch Joseph's Fürsorge gibt es in Mizrajim Vorräthe genug, um auch den Hunger der Bewohner der angrenzenden Länder zu stillen. Die Brüder Joseph's kommen nach Mizrajim, um Getreide einzukaufen. Nach mancherlei Prüfungen gibt sich ihnen der Bruder zu erkennen, gedenkt nicht mehr des Verbrechens, das sie an ihm begangen, und, großmüthig ihnen verzeihend, ladet er die ganze Familie ein, nach Mizrajim zu übersiedeln, um dem Hunger und der Verarmung zu entgehen. Die Familie Jakob's folgt dieser Einladung. Aus der Familie wird im Laufe der Zeit ein Volk, ein Staat im Staate, so daß der Neid, der Haß, die Eifersucht, die Furcht der Aegypter rege wird. Man will das fremde Volk nicht länger aufkommen lassen, man fürchtet, durch es aus dem eigenen Lande verdrängt zu werden, und verhängt über dasselbe Armuth, Knechtschaft und Elend. — So ist der Verlauf der Geschichte Israels in Mizrajim ganz natürlich. Es scheint eine ganze Reihe von Zufälligkeiten zu sein, die all das zuwege gebracht haben. Dem ist jedoch nicht so. Wir wissen, daß alles von dem allweisen Gotte so gelenkt, geleitet und herbeigeführt worden ist, um Seine weisen Pläne und Zwecke zur Ausführung zu bringen. Von langer Hand her war die Knechtung der Familie Jakob's vorbereitet, schon dem Abraham war sie verkündet worden. Sie sollte die Schule des Leidens sein, die das Gottesvolk durchzumachen hatte, um für seinen erhabenen Beruf vorbereitet zu werden. Daher erklärt der Baal Hagadah by dun ,nonBD tim imn 's „und er zog hinab nach Mizrajim" — du sollst nicht vermeinen, daß es ein freiwilliger Entschluß war, welcher Jakob veranlaßte, in das Land der Knechtschaft hinabzuziehen, er leistete vielmehr nur Folge dem göttlichen Geheiß, damit die allweisen Pläne des Weltenlenkers zur Ausführung gelangen, damit Seine heiligen Zwecke erreicht werden sollten. Und du, mein Bruder, der du am Sedertische die Deinen um dich versammelt siehst, beherzige diese große Lehre nicht nur, sondern verkünde es deinen Kindern, daß nach der Lehre unserer heiligen Religion es keinen Zufall und keine Zufälligkeiten gibt, daß wir vielmehr verpflichtet sind, in allem, was sich uns ereignet, die lenkende Hand der göttlichen Vorsehung zu suchen und zu erkennen. Wie erhebend ist der Gedanke, daß auch das, was dem Menschen schlimm erscheint, von dem allgütigen Vater im Himmel zugeschickt wird, der mit uns ist selbst in der größten Noth und Erniedrigung, der uns nicht verläßt, selbst in dem tiefsten Elende; daß Unglück, Armuth, Krankheit und all die andern gefürchteten Uebel dem Frommen nur Vorbereitungen sind für die künftige Erhebung, Beglückung, Beseligung. Wie Mancher hat Ursache, dasjenige, was ihm als ein großes Unheil erschien, im Laufe der Zeiten als das höchste Glück zu preisen! Darum fürchte dich nicht! Ich, spricht Gott, werde mit dir hinabziehen, und Ich, werde dich wieder heraufführen. — Wie klein sind alle Uebel dieser Welt, wie gering sind alle Schätze dieser Erde im Vergleiche mit dem erhabenem Berufe, zu sein dem Ewigen ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk! (Fortsetzung folgt.)

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