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Der Israelit · 1889-03-14 · Heft 21 (14.3.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 21 (14.3.1889)
Date
1889-03-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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^WWWWW 382 erlauchten Fürstengeschlechter, welche heute in Deutschland herrschen, dürften ihre Abstammung kaum über die Zeit Karls des Großen hinaus nachzuweisen vermögen, die Hohenzollern, Wittelsbacher, Wettiner und Zähringer bis in das neunte, die Oldenburger bis in das elfte, die Württemberger bis in das drei- ' zehnte Jahrhundert. Des großen Kanzlers Ahnenreihe läßt sich auch schwerlich über das dreizehnte Jahrhundert hinaus weiterführen. Wer könnte nun den urkundlichen Nachweis seiner Abstammung über ein Jahrtausend zurück antrcten, um damit seinen älteren Anspruch begründen? Es möchte vielleicht — beiläufig bemerkt — keinen Stamm geben, welcher mit größerer Wahrscheinlichkeit seine Seßhaftigkeit in Deutschland bis zu den allerersten Zeiten der christlichen Aera behaupten könnte, als gerade der semitisch-jüdische, weil dieser sich am reinsten erhalten hat. Die Untersuchung des höhern oder geringeren Alters der Niederlassung ist aber, wie bereits erwähnt, für die vorliegende Frage durchaus müssig, weil der soeben in den Besitz des Jndigenats gelangte Franzose, Russe und Perser ein ebenso vollberechtigter deutscher Staatsbürger ist, wie derjenige, dessen Urahnen bereits im Lande heimisch und grundeingesessen gewesen. Der Antisemitismus ist darum im höchsten Grade antideutsch und anti-national. Seine Bestrebungen haben die Zersetzung des deutschen Volkes zum Ziele, weil sie die Vernichtung des staatsrechtlichen Begriffes „Volk", welcher allen civilisirten Staatswesen zu Grunde liegt, zur notwendigen Voraussetzung haben. Das kaum zur Entfaltung gelangte deutsche Volksbewußtsein, d. i. die Erkenntniß der Zusammengehörigkeit aller Angehörigen des deutschen Reiches, wird durch den Antisemitismus nicht nur in seiner gedeihlichen Entwickelung und inneren r Festigung gehemmt, sondern geradezu ertödtet. So unr gerecht und unsittlich, ebenso unpatriotisch, deutschfeindlich und staatsgefährlich erscheint deßhalb das Wesen des Antisemitismus. Wo die Hetäre sich Priesterin der Sittlichkeit nennen darf, wo der Verleumder die Heiligkeit der Nächstenehre predigen kann und der Dieb als würdigster Beschirmer fremden Eigenthums zum Verwalter des Staatsvermögens ernannt wird, dort mag auch der Antisemitismus als Patriotismus gelten. Das neu hergestellte Deutsche Reich stützt sich „auf die geeinte Kraft seines Volkes" — also hat es sein erster Kaiser und Begründer in dem feierlichen Momente, da er den deutschen Kaiserthron wieder errichtete, dem deutschen Volke verkündet —, diese geeinte Kraft will der Antisemitismns zu Atomen verflüchtigen. Darum sind seine Bestrebungen gerichtet, darum ist für ihn kein Raum im Deutschen Reich. Er ist nicht nur die Schmach unserer Zeit, sondern auch der Fluch des Reichs, der Wurmfraß seiner Wurzel. Es erübrigt noch den auf vermeintlch religiöser Basis beruhenden Antisemitismus zu betrachten. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Italien. Florenz, 4. März. Fünfundzwanzig Jahre sind soeben zu Ende gegangen, seit der bekannte Banquier und Vertreter Rothschilds in Italien, Horacu Landau, hier in unserer Stadt seinen Wohnsitz genommen hat. Aus diesem Anlasse hat nun Herr Landau für wohlthätige Zwecke den Betrag von 25,000 Lire gespendet, wovon 5000 Lire den hiesigen jüdischen Wohlthätigkeitsvereinen zukommen. . Herr Landau stammt aus Galizien. Holland. Amsterdam, 25. Februar. Unser leider schwer erkrankter König Wilhelm hat abermals einen Beweis seiner aufrichtigen Sympathie für seine jüdischen Uuterthanen gegeben. Durch Cabinetsordre vom 14. v. M. verlieh er unserem Glaubensgenossen Joseph Heinrich Texeira de Mattos, dem Abkömmling einer einflußreichen venetiauisch-jüdischen Familie, den Titel eines Baron, um ihn „für die großen Verdienste zu belohnen, die er sich um die Hebung der niederländischen Landwirtschaft erworben hat." Gleichzeitig ernannte er unseren gefeierten Glaubensgenossen Prof. Asser zum ersten Rath im Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten und zum Inspektor der Rheinschifffahrt. Beide Auszeichnungen werden hier viel besprochen und von allen Seilen belobt, weil sie den erneuten Beweis bilden, daß der Geist der Duldung, welcher Holland von jeher auszeichnete, ungeschwächt sich erhalten hat und von unserem erhabenen Herrscherhause bei jeder Gelegenheit bethätigt wird. Central-Asien. Khokand, 11. Februar. Die Nummer des „Israelit", welche die deutsche llebersetzung des von unserem Muley (Rabbiner), Chacham Israel Chokomow, nach Europa abgeschickten Schreibens enthielt, ist vor einigen Tagen hier eingetroffen und erregte sie hier nicht geringes Aufsehen, da es jetzt das erste Mal war, daß eine deutsch-jüdische Zeitung

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