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Der Israelit · 1889-03-14 · Heft 21 (14.3.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 21 (14.3.1889)
Date
1889-03-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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383 hierher gelangte. Der Uebersetzer dieses Schreibens hat sich jedoch sehr geirrt, als er in einer von ihm gemachten Anmerkung auch schrieb, daß hier in Khokand ein eigener Khan residire. Dieses ist nicht richtig, denn unser letzter Khan, Emir Nasr Eddin, wurde 1876 von den Russen seiner gefährlichen Umtriebe halber, abgesetzt und lebt er jetzt in Orenburg als Verbannter und von einer russischen Pension. Das Kahnat in Kohkand wurde damals in eine russische Statthalterschaft unter dem Namen Jerphana umgewandelt. Heute verehren wir in dem Czaren Alexander III. unfern Herrn und Gebieter, für dessen Wohlergehen wir auch beten. Jetzt ist die Amtssprache hier das Russische. Doch wird jedem behördlichen Erlasse auch eine persische oder Dsagataische (osttürkische) Übersetzung angefügt. Unser Muley spricht und schreibt russisch wie ein geborener Russe, doch ist er auch des Persischen und Türkischen vollkommen mächtig. Auch in unserer Schule wird schon Russisch gelehrt, damit unsere Kinder die drei Landessprachen zugleich schreiben und sprechen sollen können. Mit der Genehmigung des Czaren wird nun die Transkaspibahn, die jetzt in Samarkand endete, bis nach Taschkend, wo der General-Gouverneur von Turkestan residirt, verlängert werden, und so wird diese Bahn entweder durch unsere Stadt oder nahe unserer Stadt vorüberführen, worüber schon jetzt hier eine große Freude herrscht. Die hiesigen Juden haben cs mit großem Neid vernommen, daß unsere Brüder in Samarkand und Bokhara kürzlich das Glück hatten, Baron Edmund Rothschild und seine Gemahlin, in ihrer Mitte begrüßen zu können. Besonders in Bokhara machte das Erscheinen des Barons und seiner Gemahlin großes Aufsehen und der dortige Emir, Abdul Achad Khan, der vom russischen Gesandten darüber belehrt worden war, welch hoher Gast aus dem Abendlande ihn besuchen werde, beeilte sich sogleich, demselben seinen Palast als Absteigequartier anzubieten. Eingeführt wurde der Baron beim Emir durch den russischen Gesandten, der zugleich auch seinen Dolmetsch mitgebracht hatte, da Abdul Ahad keiner europäischen Sprache mächtig ist. Der Oberrabbiner von Bokhara, Rabbi Chaijim Hakohen und die Vorsteher der dortigen Gemeinde begrüßten den Baron in herzlichster Weise und baten ihn und seine Gemahlin, das Judenviertel mit ihrem Besuche beehren zu wollen, was auch sogleich zugesagt wurde. Als der Baron mit seiner Gemahlin im Judenviertel eintraf, da wurden sie mit tausendfachem: Baruch Haba! (Gesegnet sei der Angekommene!) begrüßt und zu beiden Seiten warfen sich Männer und Frauen nieder und küßten den Boden. Auch kostbare Geschenke wurden dann dem Baron und seiner Gemahlin von den Juden Bokharas dargebracht, so Teppiche, Edelsteine, Seidenstoffe rc., die selbstverständlich alle mit schwerem Golde bezahlt wurden. Die Stellung der Juden Bokharas hat sich seit dieser Zeit bedeutend gebessert, und die Fanatiker dort haben jetzt gar gewaltigen Respect vor den Söhnen Jacobs, von denen erst kürzlich einer vom Emir wie ein Fürst behandelt wurde. Auch die Minister des Emirs zeigen sich jetzt wohlwollender den Juden gegenüber, die sie bisher wie Sklaven zu behandeln pflegten. Obwohl der Bahnhof von Bokhora beinahe zwölf Kilometer von der Stadt entfernt ist, so hatten sich doch bei der Abreise des Barons zahlreiche Juden daselbst eingefunden, um demselben den üblichen Abschiedssegen nro) nachzurufen. Auch in Samarkand, Tschardschui, Merw und Askabad war das freiherrliche Ehepaar Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit, sowohl von Seiten der russischen Behörden, wie auch von der Bevölkerung, die jetzt zum ersten Male so vornehme Juden zu sehen bekam. Asien. Bombay. Der Präsident der Beni-Jsrael in Bombay, Herr Haeem Samuel Kehimker hat eine Monographie über die Geschichte der Juden in Indien verfaßt, und zwar gestützt auf gründliche archivarische Forschungen, so daß es sich um einen hochwichtigen Beitrag der jüdischen Universalgeschichte handelt. Der gelehrte Verfasser beweist darin, daß die Juden seit 2000 Jahren bereits in Indien ansässig sind, schildert die furchtbaren Bedrückungen und Verfolgungen, die sie wiederholt haben durchmachen müssen und bringt zum Schluß eine ergreifende Skizze von der Armuth und dem Elend, in welchem sie heute leben. Allerdings hat man ihnen in den letzten fünfzig Jahren einige Freiheiten eingeräumt, die aber kaum in Betracht kommen gegenüber den vielfachen Beschränkungen, denen sie bis auf diesen Tag unterworfen sind. Haeem Samuel Kehimker bedauert schmerzlich, das sich bis jetzt noch kein Philantrop gefunden, der sich ernstlich der armen Juden in Indien hätte annehmen wollen. Das hochinteressante Buch verdiente in die gelesensten europäischen Sprachen übersetzt zu werden. Briefkasten der Redaction. Herrn H. F. inH.: Ein empfehlenswertes derartiges Buch existirt unseres Wissens nicht. — Herrn I. E. in A.: deßgl._ Briefkasten der Expedition: Hern Siegmund Scherberg, vorm, in Saly-Pulkan: Wir erbitten uns Ihre Adresse. — Herrn Ab. Schleiermacher das.: deßgl. — Herrn Selig Nagel, vorm, in Orb: deßgl.

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