Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1889)
- Date
- 1889-03-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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mmmmsm 360 „Wie gesagt, ich bin zwar nicht darauf eingegangen, aber man muß zugeben, es war ein ganz ehrenwerther Antrag, das habe ich dem Schadchen auch gesagt, und wir sind sehr gut auseinandergekommen. Aber heute Nachmittag, als ich hier auf dem Weg zur Stadt bin, wer kommt mir entgegen? — mein lieber Schadchen. Er hat 'ne große Freude, daß er mich trifft und bittet, ich möchte erlauben, daß er zu mir in den Wagen sich setzt, denn er hätte eine wichtige Angelegenheit mit mir zu sprechen. Na, große Freude habe ich nicht gehabt, denn ich habe geglaubt, er will noch 'mal anfangen von dem Rosenblüh — aber was sollte ich machen? — ich habe den Wagen halten lassen und er ist eingestiegen. Kaum ist er gesessen, so hat er auch schon angefangen. Der Rosenblüh wär zwar ein sehr braver, feiner Mann, aber Gottes Recht hätte ich gehabt, daß ich nicht auf seinen Antrag eingegangen. Denn warum? — zu was braucht sich ein solch ausgezeichnetes Mädchen wie meine Leah mit fremden Kindern zu plagen?" „Das meine ich auch, habe ich gesagt." „Der Herr Löwenstein ist ein zärtlicher Vater und ein feiner Kopf", hat er erwiedert, „und sicherlich errathen Sie es schon, daß ich Ihnen einen andern und zwar einen ungleich bessern Antrag zu machen habe. Ich sage Ihnen, Herr Löwenstem, die Augen werden Ihnen übergehen, wenn ich Ihnen sagen werde, wer um Ihr Fräulein Tochter anhalten läßt. Niemand anders als der reichste Mann zwanzig Meilen in der Runde. Errathen Sie nicht, wen ich meine? Er ist vor Kurzem hier auf dem Gut bei dem Major Orloffski gewesen, mit dem er Geschäfte zu machen Pflegt. Weil er den' Major nicht gleich zu Haus getroffen hat, ist er hier herumgeschlendert, hat sich bei Ihnen ein Glas Bier geben lassen und hat bei der Gelegenheit Ihr Fräulein Tochter gesehen und hat sich, wie man zu sagen pflegt, Hals über Kopf in das Fräulein verliebt. Gestern hat er mich rufen lassen und mir anbefohlen, ich möchte zu Ihnen gehen und und Ihnen sagen, daß er um Ihr Fräulein Tochter anhalten läßt und daß er keine Mitgift verlangt und gar nichts, nur Ihre Tochter möchte er. Nun, was sagen Sie dazu?" „Sie haben mir doch noch nicht den Namen des Bewerbers genannt", habe ich gesagt. „Ach so", hat er gesagt, „ich habe gemeint, Sie hätten ihn schon errathen. Denn wenn man sagt, der reichste Mann zwanzig Meilen in der Runde, so kann man doch Niemand andern meinen als den Herrn Nathan Jsakowitsch in B ..., also, Herr Löwenstein?" — „Mir war, als müßte die Galle mir überlaufen. Nathan Jsakowitsch gilt freilich für den Reichsten weit und breit. Aber schon sein Vater hat öffentlich den Sabbat entweiht und er selbst soll am vorigen Versöhnungslag in einer nichtjüdischen Restauration zu Mittag gegessen haben. Und einen solchen Menschen wagt man mir für meine Tochter anzutragen! — Ich habe dem Schadchen gehörig die Meinung gesagt, er hat sich ganz kleinlaut aus dem Staube gemacht. Aber die Geschichte hat mich geärgert — ich kann Dir nicht sagen wie. Und wenn Leah fünfundzwanzig Jahre alt wäre und ich ihr keinen Kreuzer mitgeben könnte, einem solchen Menschen würde ich sie niemals geben." „Das kann ich mir denken", entgegnete Hermann, „aber —" Er stockte, schon wieder überkam ihn die fatale Schüchternheit, er begann zu hüsteln. (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, MovtagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man adonnirt ganzjährig, halbjährig ober vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch -eu Buchhandel Jtt beziehen bei E. F. Klrinacker, Leipzig« Dvßpiatz IS. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fi. österr., für'S Ausland 16 ReichS-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt <Hanptblatt) r Leitender Artikel: Gedenke, was dir Amalek gethan. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. — Rumänien: Bukarest. — England: Portsea. — Feuilleton: Schuld und Sühne. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Prätenston und das Ziel des Antisemitismus. — Zeitungsnachrichten und Correfpondenzrn: Italien: Florenz. — Holland: Amsterdam. — Central-Asien: Khokand. — Asien: Bombay. — Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Kördorf. — Oest.Ung. Monarchie: Wien. — England: London. — Rußland: Warschau. — Amerika: Charleston. — Inhalt der belletristischen Beilage: aniD und UiO nj/&5T! (Eine Humoreske). — Der Trödler. — Zum Purimfeste (Illustration). — Charade. — Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu vier Beilage».