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Der Israelit · 1889-03-14 · Heft 21 (14.3.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 21 (14.3.1889)
Date
1889-03-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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379 dahin, die zur Stadt führte. Er ärgerte sich, daß ihm der Gedanke, dem Onkel entgegenzugehen und ihn auf dem Heimweg um Leah's Hand zu bitten, nicht früher gekommen war; jetzt fürchtete er, dem Heimkehrenden bereits zu nahe zu seiner Wohnung zu begegnen, wodurch ihm die Ausführung seines Planes abermals erschwert worden wäre. Darum eilte er so hastig dahin. Doch das Glück war ihm günstig, nahezu eine Stunde war er gerannt, bevor er das Gefährte des Onkels heranrollen sah; jetzt aber galt es seine Schritte zu mäßigen, es hätte dem Onkel allzu auffallend erscheinen müssen, ihn Schweiß- und Staubbedeckt daherrennen zu sehen. Langsam wandelte er weiter und trocknete im Gehen die glühende, feuchte Stirn. Jetzt hatte auch der Onkel ihn erkannt, und winkte ihm schon von Weitem. „Grüß' Dich Gott, Hermann!" rief er, indem er den Wagen halten ließ, „wie kommst Du denn hierher?" „Der schöne Abend hat mich herausgelockt und der Wunsch, mich mit Dir, lieber Onkel, zu unterhalten." „Das ist schön von Dir, komm' steig ein und setze Dich neben mich." Der junge Mann entsprach der Aufforderung und der Wagen rollte weiter. „Es ist Dir vermuthlich langweilig zu Hause geworden. Die Tante liegt, und Leah hat in der Wirtschaft zu schaffen — aber Junge, wie siehst Du aus. Du bist gar furchtbar erhitzt." „Es ist heute entsetzlich schwül. —" „Wirklich? davon habe ich nichts gemerkt. Heiß ist mir zwar gewesen, aber ich habe geglaubt, das wäre nur die Folge von all dem Aerger und Verdruß des heutigen Tages." „Du hast Unannehmlichkeiten gehabt?" fragte Hermann, durch diese Mittheilung unangenehm berührt, denn er fürchtete seinen Onkel dadurch weniger geneigt zu finden, seinem Wunsche zu entsprechen. „Unannehmlichkeiten in Hülle und Fülle, statt ein gutes Geschäft zu machen, habe ich nahezu tam send Rubel eingebüßt und dann ist mir noch der verwünschte Kerl dazwischen gekommen." „Von welchem Kerl sprichst Du?" fragte der Neffe, der die Unterhaltung nicht in's Stocken kommen lassen wollte, sich aber bisher vergebens bemühte, einen Uebergang zu dem zu finden, was ihm so sehr am Herzen lag. „Zunächst von dem Schadchen, der schon vorige Woche bei mir war — Du wirst ihn gesehen haben, ein kleiner, buckeliger Mann mit rothem Haar und Bart." „Ja, ja, ich erinnere mich", flüsterte Herman erbleichend, „aber daß er ein Schadchen ist, habe ich nicht gewußt." „Nun freilich, auf der Stirn steht's ihm nicht geschrieben — obgleich — ich möchte beinahe behaupten, daß man es ihm ansieht, daß er ein Schadchen ist. Diese wichtigthuerische Zudringlichkeit findet man bei Andern nicht so leicht." Der junge Mann hatte die Hand fest auf's Herz gedrückt; es pochte plötzlich so laut, daß er in seiner Erregung besorgte, der neben ihm sitzende Onkel könne es hören. Dieser aber schien die Gemüthsbewegung seines Neffen nicht zu gewahren. Nach kurzer Pause fuhr er fort. „Vorige Woche ist er zu mir gekommen, um mir, wie er sich ausdrückte, eine hochfeine Partie für meine Leah anzubieten. Dem Gemeindevorsteher in O.... ist die Frau gestorben, und er meinte, wenn es mir recht wäre, wolle er demselben meine Leah Vorschlägen; er glaube mit Bestimmtheit, daß er die Partie zu Stande bringen würde. Nun, die Geschichte war nicht so arg, der Rosenblüh ist ein frommer, feiner und reicher Mann — aber er hat fünf Kinder — meine fünfzehnjährige Leah Mutter von fünf Kindern! — die Sache hat mir nicht in den Kopf wollen und das habe ich ihm auch gesagt. Er hat natürlich die Geschichte nicht sofort aufgeben wollen, hat mir noch zweimal darüber geschrieben, daß der Rosenblüh einverstanden wäre und daß er feinen ältesten Sohn noch Deutschland in ein Pensionat geben wolle — aber ich habe keine Luft dazu gehabt." „Das kann ich mir denken", sagte Hermann erleichtert aufathmend, „der Unterschied des AlterS wäre auch allzu groß gewesen." „Um zwanzig Jahre mag der Rosenblüh allerdings älter sein, aber dergleichen kommt öfter vor — doch als Mutter von fünf Kindern habe ich mir meine Leah noch nicht denken mögen. — Und dann — sie ist unsere einzige Tochter, was haben wir zu eilen?" „Das ist wahr", entgegnete der junge Mann gepreßt und war nun fest entschlossen, seine Werbung sofort vorznbringen; aber der Wagen rollte eben über eine überaus holperige Strecke, wodurch das Reden und mehr noch das Hören sehr erschwert wurde. Er mußte daher warten, bis das laute Raffeln des über die Steine dahinrollenden Fuhrwerks Nachlassen werde. Doch als endlich der Wagen in seinem früheren Geleise sich wieder fortbewegte und als Hermann schon den Mund öffnen wollte, um endlich mit seiner Werbung herauszurücken, begann der Onkel von Neuem.

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