Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1889)
- Date
- 1889-03-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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* ’ t?* ' ' 376 in seiner Geschichte? „Einige Schriftsteller behaupten, die Juden begingen Grausamkeiten, um sich Christenblut zu verschaffen; aber die Gründe, die sie angeben, sind so unwürdig und frech, daß ich sie nicht anführen mag — und es liegt wenig daran! Als Mordechai die Kunde von dem Vernichtungsbeschlusse des Perserkönigs vernommen, da eilte er — so erzählt die Ueberlieferung — bestürzt auf die Straßen von Susa und fragte ein ihm begegnendes Schulkind: „Was hast Du heute gelernt?" Das Kind antwortete mit dem Prophetenwort (Jesaia 8, 10): „Fasset nur einen Rath, er wird vereitelt; gebt einen Befehl, er wird nicht vollführt; denn mit uns ist Gott!" Und Mordechai wurde heiter und freute sich. — Was haben wir heute wieder einmal gelernt? Wir haben gelernt, daß das göttliche Wort nicht trügt, daß der Haß unsterblich ist und ewig der Kampf sein soll gegen die Bosheit, daß wir dessen eingedenk seien, was den Vätern begegnet auf dem Wege, und daß Gott Krieg führt mit Amalek von Geschlecht zu Geschlecht! Bald werden wir die alte Rolle lesen, die uns von Haß und Thränen, von Schlacht und Sieg erzählt, und die ergreifenden Klänge werden uns begeistern und entzünden für die Tugend und gegen den Wahn. Ein jeder Mensch muß ihn kämpfen, diesen Kampf gegen Hamanshaß und Amalekitenbosheit, und wenn wir, mit dem Glaubensstabe in der Hand, in sittlicher Reinheit ringen und uns mühen, dann wird-bei finkender Sonne das Leben uns den Lorbeer reichen, und unsere Menschenaufgabe ist siegreich gelöst. Darum; Gedenke, was Dir Amalek gethan! — Vergiß es nicht!" Zeitungsnachrichten «nd Correspondenzev. Deutschland. Mainz, 10. März. Der „Israelit" hat bekanntlich im Laufe dieses Winters Schreiben der Rabbiner von Bokhara, Khokand und Jsf a h a n und der Cultusgemeinden von Teheran und Samarkand veröffentlicht. Unser geehrter Mitarbeiter hat nun die Originale dieser Schreiben, denen er auch noch einen Brief des Beth-Din in Kaschan (Central-Persien) beigefügt, an das Central-Comite der „Alliance Jsraelite" in Paris gesendet, damit es dieselben o^iy pari», zum ewigen Gedächtnisse in seinem Archive aufbewahre., Rumänien. vr. 6. Bukarest, 28. Febr. In meinem vorletzten Briefe habe ich von einer Kammersitzung berichtet, in welcher über Sachen gesprochen wurde, die auch uns Israeliten angingen. Mit heutigem will ich Sie wieder über Kammerdebatten unterhalten, denn einerseits sind dieselben von prinzipieller Bedeutung, betreffen also wieder auch uns, andererseits ist durch sie klar zu Tage getreten, daß wir mit der jetzigen Regierung und dem jetzigen Gesetzgebenden Körper ganz ebenso, d. h. gerade so schlecht stehen, wie unter Bratianu. Ich muß dabei in der Zeit zurückgreifen, weil ich unterdessen über andere Sachen meines Korrespondentenamtes zu walten hatte. Von der gewesenen bratianischen Kammer sind eine große Anzahl Naturalisationsgesuche unerledigt bezw. in den Kommissionsberichten liegen geblieben und die jetzige Kammer war so erleuchtet, den ganzen Stoß der neuen Kommission zuzuweisen, damit dieselbe sie von vorn und einzeln in „Untersuchung" nehme, was natürlich wieder eine unabsehbare Verschleppung bedeutet. Der Deputirte Jacob Negruzzi ist mit der Begründung dagegen, daß sich dazwischen eine große Anzahl Gesuche von Militärs in Dienst, von „Rumänen" jenseits der Grenze (des Königreichs), „die in unserem Staate Aemter bekleiden", und Anderer (Christen natürlich), sich befänden, „deren Existenz von der Naturalisation abhängt (sehr rücksichtsvoll, aber — nicht auch für die Israeliten diesseits der Grenze, die keine Aemter bekleiden!) und es ein Unrecht sei, den jetzigen Kammern eingereichte Gesuche zu erledigen, die alten aber liegen zu lassen. Deput. Woinow bekämpft den Vorredner und will nur die Konzession machen, daß man von den alten b l o s die „Rumänen" und Beamten in Vorbehandlung nehme. Unterdeß bestätigt der Präsident Cartargi, daß 15 14 Jndigenatsgesuche der Erledigung harren. Deputirte Kogalniceanu: „die Ziffer, die uns der Herr Präsident angibt, beweist am besten, wie verfehlt es wäre, daß sie aufs Neue in Überprüfung genommen werden sollen; in einer Session bringen Sie dies nicht fertig. Ein gar so großes Studium erfordert übrigens ein solches Gesuch nicht, und die Naturalisationen werden von den Gesetzgebenden Körpern nirgends mehr „individuell" ertheilt. Eide Bürgerrechtsertheilung ist stets begründet auf der Aufgabe der früheren Nationalität; wir aber haben bei uns Leute, welche „ein ganzes Leben" imLande lebenund sie wissen noch nicht was sie sind, denn sie haben der alten Staatsangehörigkeit entsagt und die neue haben sie nicht erhalten. Dies ist ein Unrecht. Ich begreife, daß ein Mensch sich sechs Monate oder ein Jahr in einer solchen Lage befinden soll, aber nicht Jahrzehnte. Eine