Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1889)
- Date
- 1889-03-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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366 feilem Witz von der „frisirten Leiche" sprachen, verstummte bald, und die Besorgniß derer, die es nicht begreifen konnten, wie man das geliebte Gut mit den Mitteln retten könnte, die der Verf. anwendete, schlug bald in volles Zutrauen und freudige Zuversicht um. Das ist die historische Bedeutung des „Chaurew", der heute in prächtiger Ausstattung in zweiter Auflage vor uns liegt. Eine Inhaltsangabe eines so allgemein bekannten Werkes oder eine Recension über dasselbe zu schreiben, isi sicherlich überflüssige Arbeit. Wir können hier nur der Freude Ausdruckgeben, daß der Verf. fünfzig Jahre nach dem ersten Erscheinen dieses Werkes sich entschloß eine neue Ausgabe zu veranstalten, nachdem die erste Auflage vollständig vergriffen und zu einer Seltenheit im Buchhandel geworden war, die nur mit schwerem Gelde erworben werden konnte. Im wesentlichen ist die gegenwärtige Auflage, wie der Vers, im Vorwort bemerkt, unverändert,' einige kleine Zusätze bilden eine willkommene Bereicherung. Wenn die deutsche Orthographie sich der Gegenwart anschließt und nicht verräth, daß das Buch vor fünfzig Jahren entstanden ist, so sollte die Beibehaltung der deutschen Schreibweise der hebräischen Wörter ein Merkzeichen der Zeit bleiben, in welcher das Werk geschaffen wurde. Die damalige Reform hatte nichts Eiligeres zu thun, als die portugiesische Aussprache der hebr. Gebete einzuführen, wie es im Hamburger Tempel noch heute in Uebung ist. Eine ernste Wissenschaftlichkeit wird nicht behaupten, daß diese Aussprache berechtigter sei als die bei den deutschen Juden übliche; es war aber nichts anderes als die Sucht zu reformiren, die sich auch auf diesem Sprechgebiet bemerklich machte. Diesem gegenüber gab der Verf. auch in der deutschen Schreibweise unsere Aussprache der hebräischen Wörter wieder, nnd wenn wir dieser Schreibweise in der gegenwärtigen Auflage begegnen, so versetzt dies uns lebhaft in jene Zeit des Reformirens, die sich in Ab- und Umändern nicht genug thun konnte und alles, was bisher bei den deutschen Juden in Ansehen und Geltung stand, ins Unrecht setzen wollte. Das Erscheinen der neuen Auflage, die der Verf. bis zum letzten Bogen selbst besorgte, sollte der Verfasser nicht mehr erleben; die Zeitgenossen werden darum der Verlagsbuchhandlung, die dieses Werk mit großartiger Splendität ausstattete, doppelt dankbar sein, daß sie dasselbe mit dem trefflich gelungenem Bilde des Verf. schmückte. Der höchst billige Preis (ungebunden 6 M., elegant gebunden 8 M.) wird diesem Buche, das im wahren Sinne ein Familienbuch genannt werden darf, leicht den Weg in die jüdischen Häuser bahnen, wo es, wie wenig andere, segensreich zu wirken berufen ist. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Altona, Adar. Der unerbittliche Tod hat sich vorige Woche hier ein Opfer auserkoren, dessen Verlust von der ganzen jüdischen Gemeinde betrauert wird. Herr Moses Cohn, Vorstandsmitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde, hat das Zeitliche im besten Mannesalter gesegnet. Seit einer Reihe von Jahren widmete er seine ganze Zeit dem Wohle der Gemeinde, deren allsabbatlicher Segen »» yai ruiDto -»«st »risa D’pDiyt? ihm im vollsten Sinne des Wortes galt. Biele Wohlthätigkeitsanftalten verlieren in ihm ein eifriges Mitglied und die Armen einen stets mit vollen Händen Spendenden. So wie er ein mm »t p'inoi anw war, so war er auch ein rmsaoa pnpnö und nur seine Krankheit konnte ihn in den letzten Wochen vom regelmäßigen Besuch des Gottesdienstes zurückhalten. Eine unabsehbare Wagenreihe und eine zahllose Menschenmenge, die der Leiche folgten, zeugten von der allgemeinen Achtung und Beliebtheit, die sich der Selige bei Jung und Alt zu erwerben verstanden hat. ’"ect lasse seinen Angehörigen Trost und die Gemeinde bald einen Ersatz finden, und belohne ihm py i» seine guten Thaten. jon. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 7. März. Das Abgeordnetenhaus beschloß mit 91 gegen 34 Stimmen die Auslieferung des antisemitischen Abgeordneten Vergani wegen Beleidigung der Kommune. Budapest, 6. März. Ein hiesiges ungarisches Blatt „Egyenlöseg" veröffentlicht eine Zuschrift des reformirten Theologen Stephan H o rny ik, welcher im hiesigen Rabbiuerseminar der Vorlesung eines jungen Rabinatscandidaten über das „Hohelied" anwohnte. Der chr. Theologe ist ganz entrüstet über die -- Kühnheit der dabei entwickelten Bibelkritik, welche eines der heiligsten Bücher der nss mp als eine piguante Frivolität (wem darstellte. Der Vorlesung wohnten auch Damen, darunter viele junge Mädchen an, welche nach der Meinung des chr. Theologen ob der cynischen Behandlung der Materie vor Scham hätten davonlaufen sollen!!! Das sind die Rabbinen, welche in der Budapester Rabbinerbildungsanstalt herangebildet werden — es ist ein um W>’n sondergleichen.