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Der Israelit · 1889-03-11 · Heft 20 (11.3.1889) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 20 (11.3.1889)
Date
1889-03-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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364 Mädchen erfüllte seine Brust. Dennoch erschien sie ihm nichts weniger als vollkommen, aber was er an ihr auszusetzen hatte, darüber war er sich selbst nicht klar. — Fehlte ihr in Wirklichkeit religiöses Wissen? — Sie war noch nicht fünfzehn Jahre alt, was ihr in dieser Beziehung fehlte, ließ sich leicht ersetzen, und hatte er bereits einigemal den schüchternen Versuch gewagt, in der Unterhaltung mit ihr einige belehrende Bemerkungen einflößen zu lassen. — Aber die Art und Weise, wie sie diese Bemerkungen ausgenommen hatte — das war es, das hatte ihm mißfallen — d. h. mißfallen ist hier nicht der richtige Ausdruck — das eine Mal hat sie gelacht, das andere Mal hat sie die Unterhaltung auf ein anderes Thema gelenkt — beide Male hatte er die Empfindung, als gleite eine scharfe Nadel durch sein Herz. — Und wie sie so scharfblickend war, wie sie seine Gedanken zu errathen wußte, denn sie hatte ganz recht, er hatte mit seinem Lobe doch noch anderes sagen wollen, als was die Worte nach dem einfachen Wortlaut ausdrückten — er hatte ihr ein derartig correctes, rasches Handeln nicht zugetraut — das aber hatte er ihr nicht sagen wollen, das hätte sie verletzt. Und verletzen wollte er sie nicht, um keinen Preis. War sie ihm doch in den jüngstverflossenen Minuten eben durch ihre Mittheilung noch ungleich theurer geworden, denn dadurch hatte er ihre aufrichtige religiöse Gesinnung erkannt, an der er bisher zuweilen gezweifelt hatte. — Jetzt war er auch fest entschlossen, noch vor seiner Abreise bei ihrem Vater um ihre Hand anzuhalten. Zwar konnte er in den nächsten Jahren noch nicht daran denken, ein Haus zu gründen; aber Leah war doch auch noch sehr jung. Aber in jener Gegend, namentlich in den wohlhabenden israelitischen Familien, werden die Töchter sehr jung verheirathet, darum durfte er mit seiner Werbung nicht zögern. — Ob ihr Vater ihm die Hand seiner Tochter Zusagen würde? Hermann Rosenfeld war der einzige Sohn der einzigen Schwester seines Onkels. Seine Mutter, seit Jahren verwittwet, hatte von ihrem Bruder alljährlich eine nicht unbedeutende Unterstützung erhalten, und es war ihr dadurch nicht allzuschwer geworden, ihrem Sohne eine anständige Erziehung zu Theil werden zu lassen. Er hatte sich für das Studium der Medizin entschieden, hatte bereits zwei Semester die Universität besucht und war begeistert für sein Fach. Als jedoch sein Onkel von seinem Studium gehört, hatte er seiner Schwester dringend abgerathen, den Sohn studiren zu lassen; da sie aber diesen Rath weder befolgen wollte noch konnte, hatte er sich in auffallender Weise von ihr zurückgezogen. Nicht, daß er die ihr bisher gewährte Unterstützung entzogen hätte — aber er hatte ihre Briefe seitdem in äußerst kühler Weise beantwortet, und war im Frühjahr sogar in Deutschland gewesen, ohne seine Schwester zu besuchen. Das schmerzte diese sehr, und um diese Entfremdung zu bannen, veranlaßte sie ihren Sohn, eine Ferienreise zu ihrem Bruder zu unternehmen, in der Hoffnung, das gediegene, ernstfromme Wesen des jungen Mannes, werde den Onkel mit dessen Studium aussöhnen. Und diese Hoffnung hatte sie nicht getäuscht. Der Wirthshauspächter und seine Frau waren dem Neffen während der esten Tage seines Aufenthaltes bei ihnen zwar mit einer gewissen Reserve begegnet, doch bald hatten sie seine echte, ungeheuchelte Religiösität erkannt und seitdem begegneten ihm beide mit größter Herzlichkeit. Er schmeichelte sich daher mit der Hoffnung, daß seine Werbung nicht zurückgewiesen werde. (Fortsetzung folgt.) „JSrarlit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch fccu Buchhandel Jtt bestehe« bet 0k. F. Sletnackrr, Feipstg, Doßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hanptblatt): Leitende Artikel: Der „Fall Bernstein" vom psychiatrischen Standpunkt. — Die Prätension und das Ziel des Antisemitismus. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Kaiserslautern. — Oest.- Ung. Monarchie: Brody. — Feuilleton: Schuld und Sühne. — Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Altona. — Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Budapest. Szoboszlü. — Italien: Florenz. — Holland: Amsterdam. — Afghanistan: Herat. — Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.

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