Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1889)
- Date
- 1889-03-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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342 dürfnisse Steuern ausschreiben und diese müssen gezahlt werden, auch von denen, die das ganze Jahr über mit zugeknöpften Taschen umhergehen; Werke der Barmherzigkeit aber werden nur gefördert von freiwilligen Gaben solcher Personen, denen das herrliche Wort „Zdokoh" — die mit Liebe gepaarte ausgleichende Gerechtigkeit gegen seine Mitmenschen — kein leerer Schall ist. — So nur ist es möglich geworden, daß in unserer verhältnißmäßig kleinen Gemeinde 7 Wohlthätigkeitsvereine vorhanden sind und daß außerdem für lokale und auswärtige Hilferufe, kommen sie von Juden oder Nichtjuden, die Hände bereit sind, zu geben. Wahrlich das große Herz Israels zeigt sich im Kleinen wie im Großen, im Besonderen wie im Allgemeinen! — Der Holzverein hat im abgelaufenen Jahre 3 Doppelwaggons Kohlen d. i. 600 Centner Steinkohlen und 6 Raummeter Buchenholz zur Vertheilung gebracht. Diese Unterstützung beanspruchten 10 Familien und 7 alleinstehende Personen. Die Zahl der Empfänger, die vor wenigen Jahren noch 20 betrug, hat sich demnach erfreulicher Weise um 3 vermindert. Das Vereinsvermögen erreichte in diesem Jahre die Summe von Mk. 6616.52 (gegen Mk. 6214.29 im vorhergehenden Jahre.) Der jüngere Bruder dieses Vereins, dessen Thätigkeit vorerst nur in der Ansammlung eines Fonds besteht, ist der Verein zur Ausstattung israel. Mädchen. Trotz erheblicher, fast unglaublich erscheinender Schwierigkeiten und Hindernisse, die öfters den Weg versperren — gewinnt der Verein fortwährend an Ausdehnung und Sympathie. In der kurzen Zeit seines Bestands — seit Mai 1886 — hat derselbe eine recht stattliche Mitgliederzahl aufzuweisen, dabei erwarten wir noch mit Zuversicht die baldige Beitritts-Erklärung hiesiger und auswärts wohnender Heimathsgenossen. Deßgleichen beträgt der Grundstock unseres Vereins die Summe von Mk. 3196.19 (gegen Mk. 1766.58 im Vorjahre.) Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pefth. In der jüngsten Sitzung des israel. Landes-Taubstummen-Jnstituts brachte der Präses Samuel Deutsch den Vorstandsmitgliedern den Eingang folgender namhafter Beträge zur Kenntniß: Als Stiftungen: Vom Jo sziv-SSeretn zur Gründung zweier Freistellen 12,490 fl. 58 kr.; zur ferneren Ausbildung ausgetretener Zöglinge die „Gerson und Julie Spitzer-Stiftung" per 3000 fl. Schon wiederholt berichteten wir über den Konflikt zwischen der Pesther isr. Kultusgemeinde und den hiesigen Fleischhauern, welche „Koscherfleisch" ausschroten. Verschiedene rigorose Vorschriften von Seite der Gemeinde haben eine tiefgehende Mißstimmung unter den Fleischhauern heraufbeschworen. In der Folge emanzipirten sich die Fleischhauer und faßten die überraschende Idee, eine neue Kultusgemeinde zu gründen, und zwar soll es eine Status guo-Gemeinde sein, welche durch die strengste Beobachtung der rituellen Satzungen das konsumirende jüdische Publikum gewinnen soll. Dem Entschlüsse folgte die That. Heute hat die konstituirende Generalversammlung dieser Fleischhaucrgemeinde ftattgefunden. Ueber 200 Fleischhauer und Viehhändler trafen zu diesem Zwecke im Saale des Jnduftriekasinos zusammen. Als Präsident war ein Schriftgelehrter, Herr Dr. Philipp Huber, mitgebracht worden. Dieser erklärte ohne Weiteres die neue Religionsgemeinde für gegründet und sofort wurde auch mit der Einschreibung der Anwesenden begonnen. Eine wohlgemeinte Einsprache Max Szabolcsi's, der auf dem Standpunkte der bestehenden großen Pesther isr. Kultusgemeinde steht, die eine Zierde des Landes sei und vielleicht auch nachgeben werde, hatte nur geringen Erfolg. Etwa vierzig Herren überlegten die Sache und „hielten sich zurück". Die übrigen 160 aber unterschrieben und so steht denn eine neue isr. Religionsgemeinde da. Schuld und Sühne. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Herrmann zuckte mit erzwungener Ernsthaftigkeit die Achseln. „Wenn Du Dich hartnäckig weigerst, mir den wahrhaften Grund auzugeben, so kann ich nur glauben, was mir wahrscheinlich erscheint." „Ach, dummes Zeug, Du brauchst gar nichts zu glauben." Er zuckte abermals die Achseln. „Man kann sich zum Nichtglauben ebensowenig zwingen als zum Glauben. Haft Du in Berlin nichts von einem gewissen Kant gehört?" „Von Kani? nun ja freilich, der ist oft genug zur Tante in's Haus gekommen."