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Der Israelit · 1889-03-07 · Heft 19 (7.3.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 19 (7.3.1889)
Date
1889-03-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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- . 341 licher Gewissenhaftigkeit; unter den schwierigsten Verhältnissen, in die ihn oft gewissenlose Metzger und mancher abgesetzte Amtsbruder verleumderischer Weise zwangen, ließ er sich nicht beirren, fest und ohne Wanken seinen Posten zu behaupten, den falschen Anschuldigungen mit gerechten Waffen zu begegnen, und stets hatte er am Schluffe des Kampfes die Genugthuung, siegreich aus demselben hervorgegangen zu sein. Auch dem Cantordienfte war er voll und ganz gewachsen. Mit lieblicher Stimme begabt, sang er ergreifende Melodien zum Lobe des Schöpfers und wußte namentlich an den heiligen D’>nu D'D' durch warmen und ernsten, den Worten des Textes entsprechenden Vortrag seine Gemeinde und Zuhörer zur Andacht zu stimmen. Von gleich wohlthätiger Wirkung waren die häufig gehaltenen religiösen Predigten des Verstorbenen. Mochte er hiebei ein „tbd ny*^" oder einen selbst ausgearbeiteten Vortrag halten, immer sprach er in begeisterndem Tone, immer merkte man, wie seine edlen Worte aus der Tiefe der Empfindung stoffen und immer drangen sie zu Herzen, dieses mit Muth und frischer Kraft belebend für die Erfüllung unserer hohen Menschenaufgabe. Nach Erledigung seiner Amtspflichten war die Beschäftigung mit min nm seine liebste Unterhaltung. Bis kurz vor seinem Tode saß er allnächtlich um 11, 12 noch an seinem Tische und ftudirte in den verschiedenen Büchern der h. Schrift. Gar nie betheiligte er sich an Gesprächen von unan: wurde in seinem Zimmer noch so laut von den Anwesenden über gleichgiltige Dinge des Lebens debattirt, er blieb ungestört über sein ^e>d gebeugt und erquickte sich an den lauteren Wahrheiten unserer ntmpn mm. Allein trotz dieses Jndifferentismus gegen die Außenwelt begegnete er dennoch jedermann mit freundlicher Miene, ms’ d'Jd “ddd, stand allen mit Rath und That bei und übte, wo er immer konnte, iDn gerne aus. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der sanft Dahingeschiedene bei allen Bekannten hochgeachtet und geehrt wurde. Sein Leichenbegängniß bewies auch genugsam, welche liebevolle Anhänglichkeit und Zuneigung ihm allenthalben zu Theil ward, eine starke Betheiligung seitens der Nachbargemeinden gab beredtes Zeugniß von dem herben Verluste, den die trauernde Familie und Gemeinde erlitten. Von seinen 4 Kindern 'n\ die n*a alle im Geiste unserer erhabenen Religion erzogen und herangebildet wurden, konnten nur 2 telegraphisch zur Beerdigung berufen werden. Der eine Sohn, gleichfalls Lehrer, hob im Sterbehause unter fließenden Thränen den großen Schmerz hervor, der die Brust der Hinterbliebenen durchbebte, beklagte mit Recht die nun für immer verwaiste Stätte, an der seither so viel Thora gelehrt und gelernt wurde, schilderte den wehmüthigen Anblick, den fortan der Synagogenbau mit seinen geschloffenen Thüren und Fensterläden jedem Vorübergehenden bieten wird, da kein pD mehr am Orte und die überlebende Wittwe 'nn Steinbach verlassen und bei ihrem Sohne zu Westheim ihr Domizil bereits genommen. Möge sie, die würdige, durch edle Geistes- und reine Herzensbildung gleich hochstehende Gattin des Verklärten beruhigenden Trost finden und sich in dem Gedanken stärken, daß sie bei liebevollen, dankbaren Kindern weilt und ihr entschlafener Gatte nunmehr allen irdischen Mühseligkeiten enthoben, yp-m iroo lichtumflossen mit all den Frommen im py p vereint ist, des reichen Lohnes eines tugendhaften, verdienstvollen Lebens unaufhörlich sich labend und erfreuend. G. Berlin, 1. März. Der Prozeß der Haushälterin Eva Hilgert gegen den Reichstagsabgeordneten Herrn Dr. Böckel auf Zahlung von Alimenten kommt in etwa 14 Tagen zu erneuter Verhandlung vor dem Marburger Gerichte. Breslau, 28. Febr. Der wegen Körperverletzung zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilte Studiosus Bernstein, welcher Philologie ftudirte und dann eine kurze Frist dem hiesigen Rabbiner- Seminar angehörte, ist anläßlich des Gerichtsbeschlusses am Tage nach der Verhandlung von dieser Anstalt relegirt worden. Homburg v. d. -Höhe. Dem Bericht des israelitischen Armen-Holz-Vereins und Vereins zur Ausstattung israel. Mädchen zu Homburg v. d. Höhe entnehmen wir: Ein neues, glänzendes Zeugniß von dem, selbst von den schärfsten Gegnern, anerkannten Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen, hat uns das abgelaufene Vereinsjahr gebracht. Mit erhebendem Gefühle blicken wir auf dasselbe zurück. Immer mehr wächst am hiesigen Platze die Erkenntniß, daß es heilige Pflicht ist, an ernsten Erinnerungstagen und bei freudigen Familien-Ereignissen nicht allein in herkömmlicher Weise der Nothleidenden direkt zu gedenken, sondern auch der für dieselben sorgenden Institute. Diese Erkenntniß in Thaten umgesetzt, verbürgt den immer mehr erblühenden Bestand unserer Wohlthätigkeitsvereine.... Wohl kann eine politische oder eine Cultus-Gemeinde für ihre Be-

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