Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1889)
- Date
- 1889-03-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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340 Deutschen Reiche, dessen ehrwürdiger Heldenkaiser — „die kaiserliche Würde in dem Bewußtsein der Pflicht übernahm, in deutscher Treue die Rechte des Reiches und seiner Glieder zu schützen, den Frieden zu wahren, die Unabhängigkeit Deutschlands, gestützt auf die geeinte Kraft seines Volkes, zu vertheidigen." *) Die volle gleiche Berechtigung aller Stämme, die absolute Unabhängigkeit des religiösen Bekenntnisses von der Theilnahme an der Gemeinde-, Landes¬ und Reichsvertretung in Verwaltung und Gesetzgebung und zur Bekleidung öffentlicher Aemter, das ist der feste Unterbau, auf welchem das Deutsche Reich gegründet ist und einer gedeihlichen.', segensreichen Entwickelung entgegenstrebt, auf daß es seinen Kaisern gelinge, den heißen frommen Wunsch, mit welchem sein Begründer die Kaiserwürde antrat, zu verwirklichen: „allezeit Mehrer des Reiches zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.1 2) (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Csrrespondenze«. Deutschland. Ans Unterfranken. Ihr g schätztes Blatt, das seine Spalten jederzeit gern dem wohlverdienten Nachruhme eines echten und wahren 'in' öffnet, wird wohl bereitwillig einem Manne ein Gedenkblatt widmen, der vor wenigen Monaten unserem Nachbarorte Steinbach durch den Tod entrissen und in ein besseres Jenseits eingesührt wurde. Ist in jedem Orte, selbst in größeren Städten und das Hinscheiden eines hervorragenden, im Dienste der Menschheit stehenden Mannes ein merklicher Verlust, so hinterläßt eine solche Person in kleineren Gemeinden und o>3i2" eine ungleich größere Lücke und eine oft unausfüllbare Leere. Namentlich v'vvn 'i'vbri und Jugendlehrer, die neben der profanen seminaristischen Bildung auch eine tiefergehende Kenntniß der hebräischen Fachliteratur besitzen, werden auf dem Lande leider immer seltener, Männer, deren Praxis und Gewandtheit in den verschiedenen B’j'i und rroto wir jüngeren College» bewundern, vermißt man oft schmerzlicher als man glauben möchte. Mit dem Hintritte solcher Amtsgenossen versiegt oft eine lebendige Quelle, aus der wir gern und für unseren Beruf sehr Werthvolles geschöpft, ver- 1) Proklamation Kaisers Wilhelm ddto. Versailles 1871. 2) Schlußworte derselben kaiserlichen Proklamation. > stmnmt oft der Mund, an den sich die Landbewoh- | ner in vielen rituellen Fragen vertrauensvoll wenden konnten. Einen solchen Religionslehrer hat vor einigen Monaten das schlichte Frankendörfchen Steinbach am Main zu Grabe getragen. Im Alter von 83 Jahren mußte ihr Jugendbildner iipHn 'i i3nn noto 13, Herr Lazarus Eisern ann, das Zeitliche segnen und den irdischen Kreis seiner Lieben verlassen. Mehr denn 40 Jahre fungirte er in genanntem Orte als Lehrer, pn und onw, letzteres Amt auch in den Nachbargemeinden Wiesenfeld und Lohr lange Zeit ausübend. Als der Sohn frommer Eltern zu Orb geboren, fühlte der Verblichene schon frühzeitig aufrichiiges und warmes Interesse für unsere heilige min und ftudirte fleißig deren Lehren, indem er in Hanau und Kissingen aufmerksam zu den Füßen gelehrter Rabbinen gesessen und sich jederzeit deren Zufriedenheit zu erfreuen hatte. „Oft", erzählte er, „saß ich in kalten Winternächten einsam in meinem kleinen, ungeheizten Dachkämmerlein, eifrig meinem Studium obliegend, und gar manchmal erlosch mein Oellämpchen erst, wenn des Tages Grauen im Osten bereits heraufdämmerte." Nebenbei genoß er von tüchtigen Professoren auch in profanen Wissenschaften Privatunterricht, um so seinem Ziele, Lehrer zu werden, immer näher zu rücken. Es gelang ihm, am kgl. Schullehrerseminar zu Würzburg eine Prüfung abzulegen, nach deren Beendigung ihm das Reifezeugniß mit der Bemerkung: „Sehr gut vorbereitet" zugestellt wurde. Nach mehrmaligem Stellenwechsel wurde ihm Steinbach übertragen, woselbst er auch dann noch verblieb, als die jüdische Gemeinde durch Wegzug vieler Familien immer kleiner ward — er wollte das Rabbinat des unvergeßlichen, weltberühmten iy.T3/3ttN3 im 3N PN2' tiihd ni nicht verlassen, da er nicht nur dessen Achtung als einem treuen, pflichteifrigen Untergebenen gegenüber, sondern auch dessen wärmste Freundschaft im hohem Grade besaß. Ebenso stand der Entschlafene bei seiner weltlichen Schulbehörde in rühmenswerthem Ansehen, das er sich durch gute Prüfungsresultate alljährlich auf's Neue zu erstreben wußte. Er verstand es eben, durch eigene Begeisterung auch die Kinder für Tugend und Religion zu entflammen und ihnen mit leichter Mühe die verschiedenen Pensen des Religionsunterrichtes erledigen zu helfen. Alle seine Schüler und Schülerinnen, von denen doch die meisten schon erwachsen und verheirathet, haben n"3 einen wahren, aufrichtigen religiösen Sinn und gelten als treue Anhänger des unverfälschten Judenthums. Sein Amt als vmw verwaltete er mit ängst-