Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1889)
- Date
- 1889-03-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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338 Söhne seien. „Und meinen Töchtern, was soll ich diesen thun heute oder ihren Kindern, die sie geboren habend" Wie kömmt nun der Baal Hagadah zu der Behauptung, daß Laban alles habe Vernich' ten wollen? Freilich, der Baal Hagadah lernt es aus der heiligen Schrift, in der es heißt: DerAramäer wollte vernichten meinen Vater. Aber die Frage wendet sich auch an die heilige Schrift, da ja, wie wir gesehen haben, in der Erzählung der Verfolgung Jakobs durch Laban eine derartige Absicht nicht ist angedeutet worden. Ein nähereres verwandtschaftliches Verhältniß wie zwischen Jakob und Laban ist kaum denkbar. Jakob war Labans zwiefacher, und nach der Tradition, gar vierfacher Schwiegersohn, da nach dieser auch Bilhah und Silpah Labans (mit Sklavinnen erzeugte) Töchter waren. Außerdem war Laban Jakobs Oheim, der Bruder seiner Mutter, und zum Dritten war er ein Nachkomme Nachors, eines Bruders von Jakobs Großvater Abraham. Unsere Weisen erzählen, daß wohl Niemandem die Erziehung seiner Kinder so viel Mühe und Last, so viel Kummer und Sorge bereitet habe wie unserem Vater Jakob. Nicht war es Abraham gelungen, seine zwei Söhne dem Dienste des einzigen Gottes zu erhalten; auch Jizchak konnte von dem Zwillingspaare, aus einer Mutter Schooß geboren, nur einen Sohn für die ewige Wahrheit erziehen. Jakob hatte zwölf Söhne von vier Frauen. Wie die zwölf Sternbilder am Himmel den Ruhm des Schöpfers, verkünden, so sollten die Söhne Jakobs auf der Erde als Bekenner des einzigen Gottes leuchten. Wohl ließ es Jakob an Strenge nicht fehlen; allein, er durfte auch nicht zu strenge verfahren. Er zitterte stets bei dem Gedanken, daß einer seiner Söhne dem strengen Vater entfliehen und bei dem götzendienerischen Großvater Schutz und Zuflucht suchen und finden würde. Laban wünschte nichts sehnlicher als die Familie Jakobs zum Götzendienste hinüberzuziehen. So locken noch heute dem Judenthum entfremdete Männer und Frauen ihre der Religion der Väter treu gebliebenen Verwandten mit allen Künsten der Versuchung und Verführung zu sich hinüber. Die Feier der Sabbate und der Festtage, sagen sie, machen euch arm; die Beobachtung der Speisegesetze hindern euch an größeren Reisen oder machen euch krank. Wir meinen es gut mit euch, und deßhalb verlangen wir, daß ihr das Joch der Gesetze des Judenthums abschüttelt. — Auch Laban behauptete, es nur gut mit seinen Kindern und Enkeln zu meinen; deßhalb verbot ihm Gott, das angebliche Gute zu vollbringen, was in der That für die Familie Jakobs das Schlimmste gewesen wäre. — In diesem Sinne erklärt der Baal Hagadah den von ihm angeführten Bibelvers bsn Ntt Tipj6 pb. „Laban wollte Alles entwurzeln." npy* von npy, gleichbedeutend mit rmay mt Laban wollte die ganze Familie Jakobs zum Götzendienste hinüberziehen. Das war seine Absicht, und daran hinderte ihn Gott, als Er ihm in der Nacht erschien, ehe Jakob eingeholt wurde. „Hüte dich und rede nicht auch derartiges, was du für gut zu halten vorgibst, was in der That aber für die Familie Jakobs das Schlimmste wäre." — Laban durfte nun allerdings aus eigenem Antriebe keine Anstrengung machen, die Nachkommen Jakobs zum Götzendienste zu verlocken. Die Gefahr blieb aber bestehen. Sobald Jakob einen seiner Söhne hart anließ, konnte dieser den verhängnißvollen Entschluß fassen, zu seinem Großvater zurückzukehren. »sn ton »Di«. Als ein mit Vernichtung beständig Drohender stand der Aramäer meinem Vater gegenüber, und dies währte so lange, bis mein Vater nach Egypten hinabzog. In der Abgeschlossenheit des egyptischen Reiches, das Niemand ohne die Erlaubniß der Behörden verlassen konnte, war diese Gefahr beseitigt, und in dieser Abgeschlossenheit erwuchs die Familie Jakobs aus kleinen Anfängen zu einem großen und mächtigen und zahlreichen Volke. Und nun, mein Bruder, der du deine Kinder am Scdertische versammelt siehst, vp'i no ns pbf gehe hin und lerne, was Laban gewollt hat! Siehe, auch in unserer Zeit droht dieselbe Gefahr vielleicht mehr als jemals. Da locken sie und verführen sie und sprechen: Ihr müßt euch assimil i r e n mit den Völkern, in deren Mitte ihr wohnt, müsset abwerfen das schwerwiegende Joch der alten Gesetze. — Da würde unser Volk entwurzelt werden aus dem Boden, aus welchem es seit Jahrtausenden Kraft und Leben gewinnt. Darum, mein Bruder, benutze diese feierlichen Stunden, deine Kinder zu warnen, damit sie der Religion der Väter erhalten bleiben« Die Unwissenheit, dieUnkenntniß der heiligen Lehre ist der größte Feind des Judenthums; nur dadurch geschieht es, daß man preisgibt die erhabenen Schätze, die man nicht kennt. Deshalb beschließe in dieser feierlichen Stunde, dafür Sorge zu tragen, daß deine Kinder unterrichtet werden in der Religion der Väter und schärfe jedem Einzelnen von ihnen ein nobi ns „Gehe hin und lerne!" (Fortsetzung folgt.)