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Der Israelit · 1889-03-04 · Heft 18 (4.3.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 18 (4.3.1889)
Date
1889-03-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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331 Budapest, 20. Febr. Unter dem lähmenden und vernichtenden Eindrücke, den der plötzliche Tod unseres edlen Kronprinzen verursacht, stehend, haben sich nahezu 200 ung. Gemeinden veranlaßt gesehen, dem tiefempfundenen Schmerze in feierlichen Trauerkundgebnngen würdigen Ausdruck zu geben. Es wurden die heißesten Gebete für das Seelenheil des geliebten Kronprinzen Rudolf, sowie für das Wohl der tiefgebeugten, allerdurchlauchtesten Eltern und der schwergeprüften Kronprinzessin Wittwe Stephanie, zu Gott dem Herrn emporgesendet. Es war eine innige, tiefe Trauer der Unterthanen jüdischen Glaubensbekenntnisses! Denn uns ist nicht nur der geliebte Königssohn, der edle ritterliche Mann, der verehrte Kronprinz gestorben, wir haben auch einen Hort der Gleichheit verloren. Mit seinem hellen Geiste erfaßte er die Seele unserer Zeit, mit seinem warmen Herzen fühlte er das Leid, welches das ungerechte Urtheil dem Judenthume schafft. „Dieses alte Volk" — schreibt der Kronprinz in seinem Werke über die Orientreise — „lebt noch heute und hat auf ein gerechtes Urtheil der Weltgeschichte Anspruch". „Ein Mann von Licht wäre ausgestrahlt bis in die finstersten Winkel der Unduldsamkeit! Ein kühner Streiter und Kämpfer für die Gleichheit ist gestorben, alle diejenigen, welche in seinem Heerbanne standen, lassen die Waffen nicht sinken, denn cs kömmt aus der Mitte unserer Königsfamilie du tröstendes Licht, welches besagen will, daß Menschlichkeit und Recht im Hause HabSburg stets einen Halt und Stütze finden. Sie schreiten wieder unter dem Protektorate der königlichen Familie muthig hinaus in die Welt zum Kampfe für das Recht, für die Aufklärung und für die Meschlichkeit! E. Bl. Papa, 25. Februar. Ein großer Verlust steht unserer Gemeinde bevor, insofern, wie allgemein verlautet, die große israel. Gemeinde zu Neutra, von jeher eine dni Ty, sich anschickl, unfern hochverehrten Oberrabbiner Herr Dr. S. Breuer auf den dortigen Rabbinatsfitz berufen zu wollen. Gleich nach dem Ableben des dortigen Rabbiners R. Josef Hönig b,;jn wendete sich die allgemeine Aufmerksamkeit dem bekannten Rabbi in Päpa zu, aus verschiedenen Gründen jedoch wurde damals die Rabbinerfrage auf ein Jahr verschoben. So oft übrigens der Rabbinatsfitz einer grösseren Gemeinde vacant wird, so ist es Dr. Breuer in erster Reihe, den man zu gewinnen sucht. Von weit und breit erschienen schon Deputationen großer Gemeinden bei ihm, um ihm überaus ehrende und vorteilhafte Anträge zu stellen, die er jedoch ausschließlich im Interesse unserer Gemeinde nicht annahm. Das allgemeine Interesse für unseren Rabbiner ist auch selbstverständlich, da er als einer der ersten Rabbiner-Capacitäten in Ungarn anerkannt, ja sogar rücksichtlich seiner Vielseitigkeit einzig in seiner Art ist. Ueberaus großes talmudisches Wissen, allgemeine hohe Gelehrsamkeit, unübertreffliches Rednertalent. unerschütterliche Principientreue und konsequente Charakterfestigkeit sind seine vornehmsten Eigenschaften, durch welche er zu den seltensten Erscheinungen gehört. Im Interesse unserer Gemeinde wäre es zu wünschen, daß der hochverehrte Oberrabbiner sein fegen- und erfolgreiches Wirken in unserer Mitte sortfetzen würde. Das Licht, das uns vor 13 Jahren aufging, möge stets bei uns und für uns leuchten. H. Frankreich. Paris, 24. Febr. In der letzten Sitzung der Akademie der Inschriften unterhielt Oppert dieselbe mit Phönizischem. Er wies nach, daß die neueren Forschungen über den Unterschied der phönizischen, assyrischen und egyptischen Zeitrechnungen die chronologischen Angaben der Bibel vollkommen bestätigten. Rußland. W. Bobrrrisk, 16. Februar. Daß wohlhabende Privatleute oder ganze Vereinigungen sich der großen 7N2v unterziehen, eine Sefer-Thora schreiben zu lassen, gehört bei der Anhänglichkeit und Liebe, die man hier dem Judenthum gegenüber hegt, nicht zu den Seltenheiten. Jetzt haben jedoch die jüdischen Soldaten, welche in den beiden hier stationirenden Regimentern dienen, den Entschluß gefaßt, je eine Sefer-Thora schreiben zu lassen und z zwar zum Andenken an die wunderbare Errettung j des Zaren beim Eisenbahnunfall zu Borki. Der hiesige Kronrabbiner hat dem Kaiserlichen Kabinet durch den hiesigen commandirenden General bereits Mittheiluug gemacht, und wird mit der muron rfcnnn begonnen werden, sobald Antwort aus Petersburg eingetroffen ist. W. Smela, 18. Februar. Ein schreckliches Verbrechen wurde unlängst dem „Kijewskoje Slovo" zufolge unweit des Fleckens Rotmistrowka verübt. Ein Jude und dessen 17jährige Tochter, die Braut war, fuhren nach Rotmistrowka zum dortigen Rabbiner behufs Regelung der Trauungsangelegenheit und Deponirung der Mitgift von 800 Rubel. Der Fuhrmann sah sich genöthigt, bei einem Wirthshaus zu halten und das Geschirr in Ordnung zu bringen, d*»:i

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