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Der Israelit · 1889-03-04 · Heft 18 (4.3.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 18 (4.3.1889)
Date
1889-03-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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wobei er ahnungslos den Zweck der Fahrt ^ausplauderte. Bald nachdem das Fuhrwerks weiter gefahren war, wurde es von dem Besitzer der Schänke, einem Schmied und drei Helfershelfern eingeholt. Während des nun folgenden Kampfes zwischen(den Angreifern und den beiden Juden entfloh das Mädchen und suchte, nichts ahnend, Schutz in dem Wirthshause. Die Frau des Wirthes beruhigte das Mädchen und bereitete ihm eine Schlafstätte auf dem Ofen neben ihrer Tochter. Als die Mörder heimkehrten, erfuhren sie, daß das Mädchen im Hause sei. „Sie hat ein weißes Tuch auf dem Kopfe", bemerkte die Frau. Das Mädchen, welches alles gehört hatte, warf das Tuch schnell der schlafenden Tochter der Wirthsleute über. Der Wirth erwürgte seine eigene Tochter und trug dieI Leiche im Dunkeln in die Scheune. Diesen Augenblick benutzte die Jüdin und entschlüpfte. jDie Mörder wurden auf frischer That ertappt und arretirt. Die Leichen der beiden ermordeten Juden wurden abseits von der Landstraße aufgefunden. Feuilleton. Kine jüdische Aorschungsreise. in Arabien.*) (Fortsetzung.) Die Straße von Riad nach Deraje darf in ihrer Bauart und Schönheit mit jeder Hochstraße in Europa wetteifern.MDie früheren Herrscher der beiden genannten Städte, die stets eng befreundet mit einander waren, haben immer ihren Stolz darein gesetzt, daß nicht nur zwischen ihren Höfen, sondern auch zwischen ihren beiderseitigen Unterthanen ein reger Verkehr herrsche, und das beste Mittel dazu sahen sie in einer guten, sichern und bequemen Straße. Zu beiden Seiten der Straße wurden Bäume gepflanzt, die aber, seitdem Deraje größtentheils nur noch ein Trümmerhaufen ist, schon bedeutend weniger geworden sind. Ebenso wurden daselbst auch in gewissen Abständen Brunnen gegraben, damit sich Mensch und Thier an ihrem köstlichen Naß laben können. Diese Brunnen, von denen heute nur noch drei benützbar sind, wurden fast durchwegs von frommen Gläubigen zu ihrem Seelenheile errichtet und oft sogar auch mit einer gewölbten Kuppel über denselben und andern Zierrath versehen. Postcouriere verkehrten schon vor sechs Jahrhunderten zwischen Riad und Deraje, so wie dies noch heute der Fall ist, wodurch beide Städte eine regelrechte Correspondenz miteinander unterhalten können. Dagegen wimmelt es heute auf dieser Straße besonders zur Nachtzeit, von verschiedenen Raubthieren, Löwen, Schakalen, Hyänen und anderem Wild, das in den Ruinen Derajes seine Schlupfwinkel hat und von dort aus die ganze Gegend unsicher macht. Für den einzelnen Reisenden ist daher noch heute die Straße von Riad nach Deraje mit großer Lebensgefahr verbunden und nur Karawanen fühlen sich auf derselben sicher. Auch die genannten Postcouriere verkehren nur während des Tages auf der Straße, und benützen sie dabei schnelllaufeude Dromedare, während sie in ihrer Rechten die Flinte stets zum Schüsse bereit halten. Unsere Karawane nun, die über hundert Mann stark und auch gut ausgerüstet war, brauchte daher das in der Nähe hausende Wild nicht zu fürchten; aber doch sollte sie ohne Blutopfer die Straße nicht passiren. Eines ihrer Mitglieder war nämlich bei einem Brunnen vor Hitze und Mattigkeit dahingesunken und bat es die Gesellschaft, nur weiter zu ziehen, da es sie bald wieder einholen werde. Es kam aber nicht wieder und obgleich man zwei Reiter zurückschickte, die den Verlorenen aufsuchen sollten, so ward doch keine Spur mehr von ihm entdeckt. Dagegen fand man sein Pferd zerfleischt mitten in der Straße liegen. Wahrscheinlich ward der Arme während er beim Brunnen rastete, plötzlich von einem Raubthiere überfallen, das ihn dann in ein nahes Gebüsch schleppte. Sein Pferd wollte nun fliehen, ward jedoch von den Raubthieren ereilt und zerfleischt. Traurigen Gemüthes setzte die Karawane ihren Marsch fort. Gegen Abend lagerten sie vor den Ruinen eines palastähnlichen Gebäudes, die zwar von großem Umfange aber gänzlich unbewohnt waren. Nach der Sage der dortigen Bevölkerung habe in diesem Palaste einst ein Sultan mit seiner zahlreichen Familie und Dienerschaft gehaust. Sein ältester Sohn empörte sich gegen ihn und wollte ihn vom Throne stoßen. Er überfiel nächtlicherweise den Palast und ließ alle Bewohner desselben abschlachten. Sein alter Vater gab sich selbst den Tod, verfluchte aber noch, bevor er sich den Dolch in das Herz bohrte, seinen Sohn, der ihm ein solches Ende bereitet hatte. Seitdem, so erzählen die Bewohner der Umgegend, hausen nun die Dschins (bösen Geister, cr-w) mit ihrer Königin in diesem Palaste und treiben dort ihr Unwesen. Reisende versichern sogar, diese Ruinen in der Nacht oft beleuchtet gesehen und aus denselben dann Musik und l Gesang vernommen zu haben. Auch die Karawane *) Siehe Nr. 3.

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