Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1889)
- Date
- 1889-02-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen Deutschland. Samter, den 17. Februar. Kaum ein Jahr ist's her, daß im hiesigen Tempel die Einführung des neu gewählten Rabbiners, Herrn Dr. H. Bieberfeld, gefeiert wurde, und der Rathschluß des Unersorschlichen hatte es über unsere Gemeinde verhängt, daß ich in der traurigen Lage bin, über die heute im Tempel stattgefundene Trauerfeier für diesen unfern Rabbiner zu berichten. Welch ergreifender, herzzerreißender Gegensatz! Vor einem Jahre! Wie strömte damas die fröhlich-feierlich gestimmte Gemeinde in Schaaren nach dem Gotteshause, um den Neuerwählten zn empfangen und zu begrüßen! Und heute? Nicht mit dem Grün der Hoffnung ist wie damals der Tempel dekorirt, sondern mit dem Schwarz der Trauer; nicht fröhlich ist die Stimmung der vollzählig versammelten Gemeinde, sondern niedergeschlagen und traurig. Nicht die feierlich'fröhliche Weise des am eröffnet, wie damals, die Feier, sondern die trauerfeierlichen Klänge des ivro m:a. Und welch' erschütternder Gegensatz erst in der Predigt! An derselben Stätte, an welcher vor Jahresfrist der neuerwählte jugendliche Seelsorger seine Antrittsrede gehalten, hielt heüts für denselben sein Schulfreund und präsumtiver Nachfolger, Herr Rabbiner Dr. Wreschner, eine ergreifende Trauerrede! Welch schöne Hoffnungen sind mit dem kaum 26jährigen Verblichenen zu Grabe getragen! Seine glänzenden Geistesgaben, seine tiefe Frömmigkeit gepaart mit großartiger Gelehrsamkeit und Pflichttreue waren ganz dazu angethan den nun, ach! so früh Entschlafenen zu einem der glänzendsten Sterne am Himmel des Rabbinerthums zu machen. Leider wohnte der starke Geist in einem schwachen Körper, dem aber der theuere Dahingeschiedene in seinem lebhaften Temperament, seinem anhaltenden Fleiße und Pflichteifer zu wenig Rechnung trug. Verfehlte er doch fast nie, trotz Wind und Wetter die täglich 2malige Andacht im ungeheizten Tempel und das tägliche njw — Vortragen im Beth-hamidrasch. Trotz seiner vielfachen und in hiesiger Gemeinde wahrlich nicht leichten Obliegenheiten als Dirigent der Religionsschule und m'D, zu welchen die von ihm freiwillig übernommene staatliche Lokal-Schulinspektion hinzutrat, fand er noch Zeit, seinen hervorragenden Wohlthätigkeitssinn durch häufige Spendensammlungen zu wohlthätigen Zwecken, wobei seine eigene Spende mit die größte war, zu bethätigen. Ungeachtet seines oft leidenden Zustandes, den auch ein Badeaufenthalt im vergangenen Sommer nicht besserte, ließ er nie an der Ausübung seiner Obliegenheiten eine Nachlässigkeit merken und war nie niedergeschlagen oder muthlos. Als Schr. d. kurz vor dem verg. w"m ihm gegenüber die Bermuthung aussprach, daß sein Zustand ihm das Predigen an denwohl nicht gestatten dürfte, äußerte er: Es muß gehen, wenn auch angelehnt stehen! Und es ging wirklich und immer besser, so daß er auch das nbyj erhebend vorbetete; und auch in der Nacht zu blieb er im Beth-hamidrasch auf, bis nach Beendigung der n^nn, in derem Vorsagen er mit Schr. d. abwechselte. Ein dvd von d"v das in seiner Behausung raun gefeiert wurde, sollte die letzte Feier sein, die ihm bekzuwohnen vergönnt war. Die anhaltend schlechte Witterung des Spätherbstes nahm ihn hart mit, und ein unbedeutender Vorfall warf ihn vor ca. 6 Wochen aufs Krankenlager, von dem er gesund sich nicht mehr erheben sollte. Nachdem die schwere Krankheit, in welche er verfiel, etwas gehoben war, mußte er auf Anrathen der Aerzte schleunigst nach San Nemo abreisen. Leider gestattete sein Zustand und die kalte Witterung nicht, die weite Reise ununterbrochen fortzusetzen; er mußte mehrere Wochen in Breslau und Fulda zubringen, von wo er, trotz seines kritischen Zustandes, auf sein dringendes Verlangen nach Frankfurt a. M., welches er erst vor einem Jahre verließ, um das Rabbinat in Samter anzutreten und für welches er eine besondere Vorliebe besaß, überführt wurde, woselbst er nach 4tägigem Aufenthalt seinen edlen Geist aufgab. Am Donnerstag den 14. d. M. langte seine irdische Hülle in Berlin an, woselbst am Nachmittage unter reger Betheiligungnamentl. d. Gemeinde Adas Jisrocl auf deren p"na die Bestattung erfolgte, zu welcher seine Gemeinde Samter den stellvertretenden Rabbiner, Herrn Dr. Wreschner und zwei Vorsteher deputirte. An der Bahre sprachen nacheinander, der ehrwürdige Lehrer des Verblichenen, Herr Rab. Dr. I. Hildesheimer »"j, der gramgebeugte, ehrwürdige Vater, Rabbiner des Berliner Beth-hamidrasch, und seine Schulfreunde, die Herren Rad. Dr. Stein-Berlin und Wreschner-Samter. — Außer der heute nach nmo stattgesundenen Trauerandacht im Tempel, bei welcher kein Auge thränenlecr blieb und welche des theuern Verewigten würdig war, findet am Mittwoch eine Trauerfeier in der Religionsschule statt. Neben den Eltern und Geschwistern trauert seine Gemeinde Samter um ihr so überaus verehrtes und geliebtes Oberhaupt, dessen Leutseligkeit ihm auch die Hochachtung und Zuneigung der