Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1889)
- Date
- 1889-02-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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cs übernahm, den Verein zu reorganisiren, ihm einen erweiterten Wirkungskreis und zunächst die erforderlichen Mittel zu verschaffen. In welcher anerkennenswerther Weise dies gelungen ist, zeigte der Bericht, den der Vorsitzende des Vereinsvorstandes, Heer Julius Glückstein, in der vor einigen Tagen stattgefundenen Generalversammlung abstattete. Seit dem Januar des vorigen Jahres ist die Mitgliedcrzahl von 42 auf 330 und dementsprechend die Entnahme von 192 auf 1455,40 Mk. gestiegen. An Darlehen ist in dieser Zeit der Betrag von 4295 Mk. gegen 830 Mk. im Vorjahre gewährt worden. Auch wurde ein Reservefonds von 1000 Mk. geschaffen, der in 3'/z °/o Pfandbriefen angelegt ist. Im Hinblicke auf die demnach erfreuliche Finanzlage und gesicherte Existenz des Vereins glaubte der Vorsitzende der Versammlung einen Antrag unterbreiten resp. empfehlen zu dürfen, wonach die Tendenzen des Vereins dadurch erweitert werden, daß derselbe es auch zu seiner Aufgabe macht, jüdischen Knaben, welche sich einem Handwerke widmen wollen, tüchtige Lehrmeister nachzuweiseu und sie während der Dauer der Lehrzeit zu unterstützen. Selbstredend sollen hierbei die religiösen Bedenken nicht außer Acht gelassen werden. Der Antrag fand einstimmige Annahme und soll der Verein von nun an den Namen führen: Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden und israelitischer Vorschußverein 2'ivn man. Wünschen wir dem Verein auch in dieser Neugestaltung ein weites und ergiebiges Feld der Wirksamkeit und segensreiche Erfolge. Frankfurt a. M., 24. Febr. Am Mittwoch hielt der Verein zur Bekleidung hilfsbedürftiger israelitischer Schulknaben seine Generalversammlung unter dem Vorsitz des Hrn. Raph. M. K i r ch h e i m ab. Der Bericht meldete, daß im Jahre 1888 216 Knaben mit Kleidungsstücken versehen worden sind, gegen 210 im Jahre 1887. Die Mitgliederzahl erhöhte sich zwar von 461 auf 465, und deren Beiträge von M. 3156 auf M. 3167. Die Geschenke fielen von M. 3517 auf M. 3205. Der Kassabestand belief sich Ende 1888 auf M. 54, das Vermögen auf circa M. 32,000, während die Ausgaben M. 9446 betrugen. Die aus der Verwaltung austretenden Herren wurden wiedergcwählt. Schweiz. Baden. (Schweiz.) Auf meinen Geschäftsreisen, die mich alljährlich zweimal mehrere Wochen in die Schweiz führen, suche ich es immer möglich zu machen, einige der geschäftsfreien Tage hier zu verleben. Dieser Ort ist wie eine Oase in der Wüste. Während es draußen in den anderen jüdischen Gemeinden leider von Tag zu Tag zusehends wüster wird, macht sich hier jüdisches Leben und Streben bei Jung und Alt immer herrlicher geltend. Jedes halbe Jahr finde ich irgend einen Fortschritt zum Guten in den Einrichtungen und Institutionen der Gemeinde wie im Einzelleben vor. Die Neuerung, die mich aber diesesmal freudig überraschte, ist so originell und scheint mir so tief bedeutsam zu sein, daß sie es wohl verdient als mustergiltigcs Beispiel beachtet und nachgeahmt zu werden. Frau Rabbiner Br. Ehrmann versammelt die der Schule entwachsenen jungen Mädchen um sich und ertheilt ihnen in popul ärenVor trägen Belehrung über die jüdischen Pflichten. Die Betheiligung ist, wie ich höre, eine sehr rege, und das lebhafte Interesse, mit welchem die lernbegierigen Zuhörerinnen den Worten ihrer ebenso liebenswürdigen Freundin als meisterhaften Lehrerin folgen, läßt einen bedeutenden, dauernden Erfolg sicher mit Gotte? Hilfe erwarten. Wenn ich recht unterrichtet bin, hat die Frau Rabbinerin das berühmte Buch Choreb ihres kürzlich verstorbenen Großvaters ihren Belehrungen zu Grunde gelegt, welches Werk ja das gesammte jüdische Pflichtleben umfaßt, und sich kaum ein zweites für diesen Zweck eignet. Wer sich je darüber klar geworden ist, daß die Wiedergewinnung der jüdischen Geister und Gemüther für ihr altes, überliefertes Judenthum erst mit der Wiedergewinnung unserer Frauen und Mädchen wirklich vollzogen ist, wird eine solche Belehrung erwachsener Mädchen durch eine wegen ihrer Bildung des Geistes und Herzens so allgemein beliebte und verehrte Lehrerin, gewiß nicht unterschätzen. Wenn von solchen Händen und in solchen Boden Rabbiner Hirsch's Geist recht reichlich gepflanzt würde, wäre gewiß eine Wendung zum Besseren auch in anderen Gemeinden zu erhoffen. Die „Neuerung" ist übrigens nicht so neu, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Wissen wir doch, daß ein Rabbiner, der die Männer und eine Rabbinerin, welche die Frauen für das Judenthum zu gewinnen suchen, nur dem Beispiele Abraham's und Sarah's folgen, welche die Seelen, die sie für die Sache gewonnen, gemeinsam gewonnen hatten. Die Einführung dieser uralten Neuerung spricht übrigens so für sich, daß es außer des Hinweises keines empfehlenden Wortes weiter bedarf.