Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1889)
- Date
- 1889-02-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447964--28090-2475755- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
295 171 gehoben. Trotz alle dem müssen wir dem Verein immer mehr Sympathie und Zuwachs schaffen, da von der Zuführung neuer Mitglieder sein Fortbestand und Gedeihen bedingt ist. Wir hoffen, daß es uns auch in dem begonnenen Geschäftsjahr gelingen werde, denselben zu fördern und materiell zu befestigen, wenn Gott seinen Beistand uns verleiht. Leipzig, 20. Febr. Am 19. Februar veranstaltete der hiesige deutsche Reform-Verein eine große Versammlung, woselbst Herr Hofprediger Stöcker aus Berlin sprach. Der Eintrittspreis zur Versammlung betrug 1 Mark; Fritzsch aber hatte schon viele Tage vorher Hunderte von Eintrittskarten in der Stadt vertheilen lassen. Das Versammlungslocal war der erst kürzlich erbaute Circus, wo Renz sonst seine Vorstellungen in der Messe abhält. Der größte Theil des Publikums waren Studenten und ebenso Hunderte von Leuten, die eigentlich an den Bestrebungen Stöckers gar kein Interesse haben, sondern lediglich dem Vortrage beiwohnten, weil es was zu sehen und zu hören gab. Auf Stöckers Vortrag näher einzugehen, halte ich für unnütz. Was der geistliche Herr schon oft in Berlin von der Kanzel des Domes herab und ebenso in den Versammlungslocalen beim Lagerbier und Cigarrengualm sprach, das hatte er auch gestern nur in anderer Form gebracht. Es ist humoristisch genug, einem Geistlichen auch da zu begegnen, wo er eigentlich nicht hingehört; ebenso eigenartig aber ist es, daß die am selbigen Abende veranstalteten Versammlungen der Vereine für volksverständliche Gesundsheitspflege von vielen Hunderten besucht waren — und Stöcker's Vortrag auf die Arbeiterbevölkerung nicht den mindesten Eindruck hatte. Aus einzelnen Vereinen sind mir sogar Berichte zugegangen, wie sehr man bei Eröffnung von Versammlungen darauf hingewiesen, daß es ein gesundes Zeichen sei, daß das Leipziger Publikum noch anderen wichtigeren Bestrebungen zu folgen geneigt sei, als den öden Hetzereien eines Mannes, der es nie ehrlich mit dem Volke gemeint, der unter dem Mantel der Frömmigkeit und kraft seines Amtes ungehindert die Bekenner der verschiedenen Religionen gegeneinander hetzt. Das sei die beste Vergeltung, wenn der solide Mann und Arbeiter sich von Versammlungen, wie sie heute Abend im Luxushause stattfänden — fernhielt. K. W. Griechenland. Athen, 3. Februar. Die jüdische Gemeinde auf der Insel Zanta ist seit dem Heimgange ihres letzten Rabbiners, Rabbi Salomon Levy y'% gänzlich verwaist, und werden ihre religiösen Angelegenheiten von einem Schächter daselbst geleitet. Das griechisch-kirchliche Blatt „Zion" rügt nun in einer seiner letzten Nummern den Jndifferentismus der genannten jüdischen Gemeinde, die noch immer nicht daran denkt, sich ein neues geistliches Oberhaupt zu geben, und schreibt: „Wir müssen uns auch für diese Mitbürger interessiren, die, obgleich sie beb jüdischen Religion angehören, dennoch Griechen sin und denen daher gleich den andern Bürgern unser res Landes die Pflicht obliegt, für das Wohl und den Fortschritt der Nation zu wirken." Hauptsächlich tadelt dieses Blatt, daß durch die Vacanz auf dem Rabbinerstuhle auch die Schule der genannten Gemeinde sehr stark geschädigt wird, da sie einer jeglichen Leitung entbehrt. So benimmt sich ein griechisch-kirchliches Blatt den Juden gegenüber, das von feinem Geringern, als dem Erzbischöfe von Zanta selbst, Sr. Eminenz Dionisius Lata, einem der berühmtesten Prälaten des heutigen Griechenland redigirt wird. Arta im Epirus. Der hiesige Oberrabbiner Chacham Chaim Moste Isst, der aus Zefat stammte, ist im Alter von 78 Jahren aus dem Leben geschieden. Derselbe fungirte zuerst als Lehrer hier und zwar volle 55 Jahre, worauf er dann von der Gemeinde zu ihrem Rabbiner erkoren wurde. Der Verstorbene war ein großer Talmudgelehrter. 1880, als das östliche Epirus zu Griechenland geschlagen ward, begab er sich nach Athen, um König Georgios im Aufträge seiner Gemeinde eine Huldigungs¬ und Ergebcnheilsadresse zu überreichen. Der König ließ ihm darauf einen Staatsgehalt anweisen. Am Leichenbegängnisse betheiligte sich die ganze jüdische Gemeinde und auch ein Theil der christlichen Bevölkerung. Der Präfect und der Bürgermeister hielten Zipfel des Bahrtuches. Am offenen Grabe widmete der Director der hiesigen Talmud-Thora, Herr Jakob Zaffo, dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf. n"ason Rußland. Witebsk, 19. Adar. In der Beilage zu Nr. 13 Ihres werthen Zeitschrift befindet sich eine Correspondenz aus Berlin, worin mitgetheilt wird, daß in dieser Stadt im Gotteshause der Adaß Jisroel am 7. Adar eine Gedächtnißfeier zu Ehren aller der letzthin Heimgegangenen hervorragenden Männer stattgefunden hat, und daß unter der Zahl der Heimgegangenen auch R. Salomon Schur aus Mohilew genannt wurde. Ich sehe mich,