Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1889)
- Date
- 1889-02-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXX. Jahrgang. Beilage zuM6 des „Israelit" & „3eschurun". Leitender Artikel. Literarischer Wericht. Zum Andenken von Rabbiner Hirsch. I. Gedenkblätter für Samson Otaphael Hirsch, Rabbiner der isr. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. (Mit Illustrationen) Frankfurt a. M. Verlag von A. I. Hoffmann. 40 Seiten. 61. Das ganz prächtig ausgestattete Büchlein enthält eine Zusammenstellung mehrerer im „Israelit" veröffentlichter Aufsätze über Hirsch, so den zuerst erschienenen Nekrolog, eine Beschreibung des Leichenbegängnisses, ein sehr interessantes Gutachten von Rabbiner Hirsch und, wie wir zu unserer nicht geringen Ueberraschung sahen, unsere Aufsätze „Samson Raphael Hirsch im Lichte seiner Zeitgenossen" und „Samson Raphael Hirsch in Mähren." Eine Anzahl unverbeffert gebliebener Druckfehler wird der Leser selbst erkennen. Bon Illustrationen nennen wir das Innere der Synagoge der Isr. Religionsgesellschaft zu Frankfurt, das Aeußere der Synagoge, die Realschule; das Titelblatt zeigt das Bildniß des Verstorbenen. Die Gedenkblätter werden sicher, schon wegen ihrer äußeren Ausstattung in vielen Familien ein schätzenswerthes Andenken bleiben. II. Gedächtnißrede für Rabb. Samson Raphael Hirsch, gehalten am 13. Januar 1889 in der Synagoge der Isr. Religionsgrsellschaft zu Frankfurt a. M. von Rabbiner S. F r o m m. Berlin 1889. Verlag der Expedition der „Jüd. Presse." 61. Es ist das erste auf der verwaisten Kanzel verklungene Wort, das, zahlreiche Midraschim sinnig deutend, in edler Sprache die Größe des Verblichenen feiert und die Größe des Verlustes schildert, welchen die Gemeinde erlitten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Breslau, 22. Febr. Ein gestern hier verhandelter Kriminalfall wird von den Antisemiten | aufgebauscht zu einer Beschwörung „des blutigen Schattens von Tiszar-Eszlar." Wir entnehmen dem ausführlichen Bericht der „Bresl. Morgenztg." über die vor' der ersten Strafkammer des Landgerichts stattgehabte Verhandlung folgendes Nähere: Der Rabbinatskandidat Bernhard, gebürtig aus Königsberg, jetzt in Breslau, lockte an einem Julitage 1888 aus einer Bedürfnißanstalt einen 8 Jahre alten Knaben eines Katholiken, früheren Apothekergehilfen, durch Verabreichung von Näschereien und gegen Versprechung weiterer Näschereien in seine Wohnung und lud denselben ein, auf dem Sopha Platz zu nehinen. Es folgten dann mehrere Handlungen, die sich jeder Erörterung entziehen. Schließlich ergriff der Kandidat ein kleines, spitzes Federmesser und stach damit den Knaben in einen geheimen Theil des Körpers, sodaß einige Blutstropfen hervorquollen. Die Tropfen fing der Candidat mit einem Löschblatt auf und dann entließ er den Knaben, indem er ihm 5 Pfennig mit dem Bemerken schenkte, daß er sich dafür die versprochenen Kirschen kaufen möge. Der Knabe, den die Verletzung wenig oder gar nicht geschmerzt hatte, ging unmittelbar nach Hause; er kaufte sich keine Kirschen. Fünf Tage später sah sein Vater die Chokoladeplätzchen bei ihm und fragte ihn nach deren Herkunft. Der Knabe erwiderte, daß er sie von einem Herrn geschenkt erhalten habe. Dem Vater fiel das weiter nicht auf, weil der Knabe schon früher einmal, als er auf der Promenade mit anderen Kindern gespielt, von deren Wärterin Naschwerk empfangen hatte. Als aber der Knabe weiter mittheilte, daß er von dem Herrn auch 5 Pfg. bekommen, wurde der Vater aufmerksam, nicht etwa, weil er schon Arges vermuthete, sondern weil er glaubte, daß der Gönner seines Kindes vielleicht auch sein Gönner werden, daß er von ihm Beschäftigung erhalten könne. Der Vater fragte deshalb den Knaben, ob er die Wohnung des Herrn wisse, und als dies bejaht wurde, ließ sich der Vater dahinführen, um den Herrn kennen zu lernen und ihm seine Wünsche nach Beschäftigung vorzutragen. Auf dem Wege dahin hörte der Vater zu seinem Erstaunen, daß der Knabe schon mit in der Wohnung des Herrn gewesen war. „Was habt Ihr denn da gemacht?" sagte der Vater argwöhnisch. Der Knabe wurde roth und verlegen und das war natürlich dem Vater ein Anlaß, das Kind ordentlich in's Verhör zu nehmen. Der Knabe