Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1889)
- Date
- 1889-02-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447964--28084-2475749- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Sousse 2× ep/1045746
- Dublin 1× ep/1044462
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
289 Hinterlassung eines Vermögens vdn 5 Mill. Lire. Derselbe war stets eine große Stütze für unfern Kleinhandel und das jüdische Handwerk. Nach einem eben veröffentlichten amtlichen Berichte existiren jetzt im ehemaligen Großherzogthume Toscana, obgleich dasselbe eine unbedeutende Anzahl von jüdischen Bewohnern hat, 56 jüdische Wohlthätigkeits-Stiftungen. Baron Alberti Franchetti, der bekannte Tondichter und Verfasser der Oper „Asrael" hat dem Musikvereine in Venedig eine Orgel im Werthe von 10,000 Lire zum Geschenk gemacht. Der Verein ernannte dafür den Baron zu seinem Ehrenmitgliede. Genannter Tondichter hatte vor einigen Tagen die Genugtuung, daß seine berühmte Oper zu gleicher Zeit am Scala-Theater in Mailand nnd am ersten Theater von Genua zur Aufführung gelangte, und zwar hie wie dort mit gleich glänzendem Erfolge. Der Vater des Barons, der ein Schwager der Rothschilds ist und in Reggio d'Emilia domicilirt, übernahm vor einiger Zeit auch die Leitung des dortigen Theaters ohne jedoch von der Stadt den üblichen Zuschuß zu begehren. Vor wenigen Tagen erst ließ nun der Baron das Ballet „Excelsior" für die Kinder zu einem ermäßigten Preise zur Anffüh. rung gelangen, und wohnte dieser Kindervorstellung auch Baron Rothschild mit seiner Gemahlin an. Vielen Lesern des „Israelit", die hie und da auch Italien besuchen, dürfte es erwünscht sein, daß sich in Florenz ein Koscher-Gasthaus befindet. Dasselbe ist in der Via del Becuto Nr. 1 untergebracht und wird von Herrn Guiseppe Servadio geleitet. England. London. In Hammersmith, einer Vorstadt Londons, beabsichtigt man in nächster Zeit eine Synagoge zu errichten, wozu bereits ein Comite für den Bau erwählt wurde und gedenkt nran nach vollendetem Bau auch eine Religionsschule zu eröffnen. Das überaus edle und für das orthodoxe Judenthum stets sich bethätigende Parlamentsmitglied Herr Samuel Montagu, hat für die zu erbauende Synagoge eine Sepher Thora als Geschenk versprochen. In der letzten Versammlung der Schechita- Verwaltung wurde u. A. mitgetheilt, daß im verflossenen Jahre geschlachtet wurden: Ochsen 11928 (in 1887. 13133), wovon 8995 itco, 1887 9531 ILO; Kälber 2551 (in 1887 2646), wovon 1798 ->LO, in 1887 1885 irro; Schafe 20525 (in 1887 21760), Wovon 15262 ->LO, in 1887 16407 ->LO. Die Gesellschaft, die sich vor einigen Jahren hier zur Errichtung von Wohnhäusern für arme Israeliten, gegen wöchentliche geringe Miethzahlung gebildet, hat im verflossenen Jahre solch günstiges Resultat erzielt, daß beschlossen wurde, den Bau von Wohnungen fortzusetzen, und wurde zu diesem Zweck in Brady Street Whitechapel Bauplätze von 48000 Quadrat-Fuß erworben. Daß die bereits erbauten und bewohnten Wohnungen auch in sanitärer Hinsicht gut erbaut, beweist der Umstand, daß die vorgekommenen Todesfälle nur 7,9 gegen 18,7 in London überhaupt betragen. Irland. Dublin. Herr Moritz E. Solomons wurde als Friedensrichter ernannt. Tunesien. Tunis. In der nahe von hier gelegenen Küstenstadt Susa, die ursprünglich phönicische Colonie unter dem Namen Hadrumetum (von ono nsn d. h. ein bevölkerter Hof) war, wurde soeben ein phönicischer Friedhof aufgefunden, der das Interesse aller Alterthumsforscher erregen wird. Bisher wußten wir von den Phöniciern, daß sie gleich den alten Israeliten ihre Tobten in unterirdischen Gewölben, in deren Wänden sich Nischen (pjo) für die Särge befanden, beisetzten. Daß sie aber auch die Leichenverbrennung gekannt haben, das war uns bisher gänzlich unbekannt und erst durch die in Susa gemachte Entdeckung erfahren wir, daß sie ihre Tobten auch den Flammen zu überliefern pflegten. Der nun in dieser Stadt entdeckte phönicische Friedhof besteht eigentlich aus einem großen unterirdischen Gewölbe, in dem zahlreiche thönerne Gefäße stehen, die, theils die Asche der Tobten, theils blos deren Knochen und Beine enthalten. Letztere stammen von jenen Tobten her, die in gewöhnlichen Gräbern beigesetzt wurden und erst, nachdem ihr Fleisch vermodert war, sammelte man deren Knochen, um sie in einem irdischen Gefäße aufzubewahren. Auf einem jeden dieser thöneruen Gefäße steht mit phönicischen Charakteren: „Gefäß für den Tobten" und ist zugleich auch der Name dieses Tobten hier angegeben. Sämmtliche thönernen Gefäße werden jetzt im hiesigen Museum untergebracht werden. Der Direktor der hiesigen Allianceschule, D. Cazes, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Herr Cazes, der schon seit 1878 hier thätig ist, erfreut sich allgemeiner Hochachtung und hat daher seine Auszeichnung allgemeinen Beifall gefunden. Vor einigen Tagen traf der Jnspector sämmtlicher in den Barbareskenstaaten bestehenden italienischen Staatsschulen, Cavaliere Mandaten, hier