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Der Israelit · 1889-02-25 · Heft 16 (25.2.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 16 (25.2.1889)
Date
1889-02-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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288 es war eine trügerische Hoffnung. Er predigt ruhig neben der Orgel und hat für dieselbe kein Wort des Tadels, keinen Ausspruch über die Gesetzeswidrigkeit dieser unjüdischen Gottesverehrung. Er schweigt, wenn man einem Privatmann, der die Orgelsynagoge nicht besuchen will und sich mit einigen Genossen in seinem Hause zur Verrichtung des Gebets versammelt, alle erdenklichen Schwierigkeiten zu bereiten strebt und Gemeindebeamte, die an diesem Privatgottesdienste theilnehmen wollen, mit dem Verlust ihrer Stellen bedroht. Es ließen sich in dieser Hinsicht viele Thatsachen anführen, welche den religiösen Geist unserer maßgebenden Kreise kennzeichnen, die jetzt dem Hause, in welchem die Orgel steht, neuen Glanz verleihen wollen. Will man für den Gottesdienst etwas thun, so gestalte man ihn wieder nach den Vorschriften des Religionsgesetzes und entferne aus dem Gotteshause allen unjüdischen Tand. Hamburg, 20. Februar. In Nr. 14 Ihrer w. Zeitschrift widmet ein Herr A. G. in anerkennenswerther Weise einen Nachruf dem unlängst hier verstorbenen Herrn M. M. Cohn b"sr, der in der That ein sehr frommer und braver Mann gewesen ist. Der Schluß des Nachrufes, worin Herr A. G. berichtet, daß der Verstorbene auf seinenWunsch in Ohlsdorf begraben worden sei, macht jedoch auf die hiesigen, mit den Verhältnissen vertrauten Leser unwillkürlich den Eindruck, als ob es Herrn G. mehr um eine Reclame für Ohlsdorf, als um den Nachruf selbst zu thun gewesen sei^"v"p ns'D sjn Hier weiß man es ja, wo die Leiche beerdigt worden ist, und für auswärts bietet es durchaus kein Interesse dieses zu erfahren. Sollte Herr A. G. vielleicht angesichts der Rabbinerwahl das Bedürfniß empfinden, nach irgend einer Richtung hin Stimmung damit zu machen? Herr G. erzählt, daß bereits eine Tochter, ein Bruder und sonstige Verwandte des Verstorbenen in Ohlsdorf beerdigt seien, verschweigt aber, daß man damals keine rwo hatte und neben der Trauer auch noch das Bedauern empfand, daß man sich dieserh'alb in einer Nothlage befinde; so ging es ja bei den Meisten auf Ohlsdorf Beerdigten. Nicht der ausgesprochene Wille des Verstorbenen war es, in Ohlsdorf begraben zu werden, sondern der Wille der Wittwe, die sich dabei im ausdrücklichen Widerspruche mit den Brüdern und sonst nahen Verwandten befand; es geschah aber lediglich unter Berücksichtigung der obigen Umstände. Bei Eröffnung des vom h"w mn erworbenen Langenfelder Begräbnißplatzes s. Z. war der Verstorbene mit anwesend und äußerte dem Schreiber dss. gegenüber, daß man jetzt doch vollständig beruhigt sein könne, da man aus allen mp’BD heraus sei. Wenn man sich allgemein darüber wunderte, daß er dennoch auf Ohlsdorf begraben worden ist, so beweist dieses, daß auch die öffentliche Meinung nicht damit einverstanden sei. — Mit der nö’d seines Referates hat Herr A. G. dem Verstorbenen ganz gewiß keinen Gefallen gethan, insbesondere weil er damit eine Berücksichtigung und Erwiederung provocirt, von welchen der Schreiber bedauert, solche sich nicht ersparen zu dürfen. Derselbe wird sich aber auf fernere Erörterungen dieserhalb nicht einlassen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Trieft, 12. Februar. Bor einigen Tagen weilte hier der Rcichtagsabgeordnete und Superintendent der protestantischen Kirche in Oesterreich, Dr. Theodor Haase, um milde Gaben zum Bau eines interconfessionellen Spitals in Teschen zu sammeln. Selbstverständlich hat sich auch unsere Gemeinde mit beträchtlichen Spenden an diesem philantropischen Werke betheiligt. Dr. Haase ist den Lesern des „Israelit" nicht unbekannt, da derselbe im Gegensätze zu seinem Amtscollegen in Berlin, Dr. Stöcker, den Antisemitismus auf's schärfste verdammt und wird er daher von den jüdischen Zeitschriften oft und auch stets zum Guten genannt. rDtc6 Der „Corriere Jsraelitico" hier erfreuet jetzt auch seine Leser mit einer belletristischen Beilage, „Jl Novelliere Jsraelitico", die pikante Erzählungen aus dem jüdischen Leben bringt und immer am 15. des Monats erscheint. Wir rufen dem Zwillingspaare „Corriere" und „Novelliere" ein herzliches: r6si nn zu. Italien. Livorno Kürzlich starb hier Herr Augusto Ascoli kinderlos, aber mit Hinterlassung eines Vermögens von circa 300,000 Lire. Er errichtete vor seinem Tode mehrere fromme Stiftungen, während er den Rest seines Vermögens seinem Bruder zur Nutznießung hinterließ, jedoch mit der Bestimmung, daß dasselbe nach dessen Tod der „Alliance Jsraelite" anhcimfalle, falls die Regierung Letztere als eine moralische Person anerkennen solle. Im entgegengesetzten Falle möge je ein Drittel der Hinterlassenschaft dem hiesigen jüdischen Spitale, der Cultusgemeinde hier und unseren jüdischen Wohlthätigkeitsvereinen zufallen. Vor einigen Tagen verstarb hier der Banquier Saul Salomon im Alter von 64 Jahren mit

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