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Der Israelit · 1889-02-25 · Heft 16 (25.2.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 16 (25.2.1889)
Date
1889-02-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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287 zu Ansehen, noch zu Wohlstand und somit auch nicht zu Einfluß im deutschen Reiche gelangen können. Man wird es uns nicht verargen können, wenn wir diesen liebevollen Bestrebungen nicht ganz gleichgültig gegenüberstehen, zumal wir ja allerdings nur „eine kleine andersgläubige Minorität" bilden, wie uns das Mundstück des christlich-sozialen Antisemitismus früher genannt hat. Eine Minderheit ist ja einer Mehrheit gegenüber überhaupt wehrlos, wo es sich um die Betätigung roher Gewalt handelt, und wenn diese Minorität sogar noch klein ist, so bedarf es nur eines brutalen Fußtritts und sie liegt ohnmächtig am Boden. Wenn die winzige Minderzahl aber sich gar erdreistet andersgläubig zu sein, sich nicht zu der Religion der omnipotenten Mehrzahl bekennt und der Versuch nicht gescheut wird, den religiösen Fanatismus in der Brust der Majorität zu entfesseln, dann ist ihr Schicksal von vornherein besiegelt. Da die deutschen Juden G. s. D. in einem Lande wohnen, in welchem Gesetz und Ordnung herrscht, so sind sie vor den Ausbrüchen einer rohen, gewaltthätigen Leidenschaft geborgen. Diese muß vielmehr den langsamen Weg einschlagen, Gesetz und Ordnung im Reiche derartig zu gestalten, daß das Gesetz die Ausscheidung und Unterdrückung der Juden im Interesse der nationalen Wohlfahrt befiehlt und eine besondere „Judenordnung" schafft, nach welcher es in der Ordnung ist, daß bte Juden unterdrückt werden. Und in der That dürfte hierauf die hier sich kundgebende antisemitische Bewegung gerichtet sein und eine solche gesetzgeberische Thätigkeit den Gegensatz zu „großen Worten" und „lärmenden Kundgebungen" bedeuten sollen. Wir haben darum um so mehr dringende Veranlassung die Prätension des Antisemitismus und dessen Ziele eingehender zu untersuchen und zu prüfen, in wie fern solche gerechtfertigt erscheinen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 22. Februar. Tiedeutsche Kaiserin hat sich zu ihrem Seelsorger den liberal angehauchten Superintendenten Dryand e r von der hiesigen Dreifaltigkeitskirche erwählt. Wenn man bedenkt, in welcher Gunst angeblich Hofprediger Stöcker bei der jetzigen Landessürstin lange gestanden haben soll, so wird man auch in dieser an sich ja nebensächlichen Thatsache immerhin ein erfreuliches Kennzeichen erblicken dürfen. — Herr Maler M. I. B o d e n st e i n, einer oer vermögendsten und zugleich wohlthätigsten hiesigen Glaubensgenossen, beging am 19. d. unter der erhebenden Theilnahme von Dutzenden hiesiger Wohlthätigkeitsanstalten die Feier seines 70. Geburtstages. In echt jüdischer Weise hat der Jubilar selber sein Wiegenfest durch eine sehr große Anzahl mildthätiger Stiftungen gefeiert. — Die Racenantisemiten berufen auf den 10. und 11. Juni einen Antisemitentag nach Bochum in Westfalen ein. An der Spitze der „reinen" Brüder steht der bekannte Antisemitenhäuptling Dr. König in Witten. Erster Gegenstand der Tagesordnung: Aenderung des Parteinamens! Der Spaß ist köstlich! Die Leutchen glauben nämlich in ihrer Naivetät, daß das Wort „Antisemit" schon an sich einen widerlich schmutzigen Beigeschmack habe, ahnen es aber nicht, daß derselbe Beigeschmack bald auch ihrem neuen Namen anhaften wird. Wie sagte doch der alte Wrangel in seiner volksthümlichen Manier? „Ick dementire mir selber! B l. X X Kassel, im Febr. Wenn kürzlich in den Spalten dieser geschätzten Zeitschrift, die mit vollem Rechte sich ein Centralorgan für das orthodoxe Judenthum nennt und der Förderung echt jüdischen Geistes in Haus, Gemeinde und Schule gewidmet ist, über die Renovirung der hiesigen Synagoge referirt worden ist, so findet sich das Gemüth des Häufleins gesetzestrcuer Juden, welches in hies. Stadt noch anzutreffen ist, schmerzlich berührt. Soll mit dieser Renovirung in Wirklichkeit eine Verbesserung angestrebt werden, so wäre es doch zunächst geboten »oy *p*iö tnttoo onrfc, hinwegzuschaffen das Anstößige, das dem jüdischen Gesetze Widerstrebende ans dem der jüdischen Gottesverehrung geweihten Raum. Wie kann man Gott und seiner Lehre die Verehrung erweisen, wenn man mit dieser vermeintlichen Verehrung seinem Gesetze zuwiderhandelt? Heißt das nicht m pan sich zur Reinheit des jüdischen Geistes emporschwingen zu wollen mit dem die Unreinheit bewirkenden Gedanken im Herzen? Nun wohl, was ist es denn anders mit der Orgel in der Synagoge? Soll dieses dem jüdischen Gottesdienste fremde Instrument noch ferner auch in der renovirten Synagoge seine Stelle behalten? Ist es ein gottwohlgefälliges Werk eine für den Orgeldienst bestimmte Synagoge zu erbauen oder verschönern? — Als unser gegenwärtiger Landrabbiner hier erwartet wurde, da hieß es, derselbe werde die Orgel aus der Synagoge bannen, er sei ein ernster, gesetzestreuer Rabbiner. Er hätte es können, wenn er den Willen hierzu besäße. Aber

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