Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1889)
- Date
- 1889-02-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. Beilage;u M4 des „Israelit" & „Ieschurun Leitender Artikel. Literarischer Mericht. 0o»tv8 juifspar Sacher Masoch (Jüdische Erzählungen für die Familie) Prachtband mit 28 Lichtdruckbildern außer dem Text und 100 Zeichnungen im Texte. Paris, Maison Quant in. 1888. Der berühmte Verfasser, Herr Dr. Leopold, Ritter von Sacher Masoch, hat mit der Herausgabe dieses Werkes in französischer Sprache eine sachliche Entgegnung gegen die französische Antisemiten, namentlich gegen den berüchtigten Drumont, geben wollen, und es ist ihm das in erfreulichster Weise gelungen, was umsomehr anzuerkennen ist, da ja bekanntlich Herr von Sacher Masoch niemals dem Judenthume angehört hat. Die prachtvollen Illustrationen, Meisterwerke der Kunst, sind sämmtlich von jüdischen Künstlern ausgeführt. In der Vorrede wird gesagt, daß während der vergangenen Jahrhunderte nur Vorurtheil und Haß gegen die Juden den nichtjüdischen Schriftstellern, die über sie geschrieben, den Griffel geführt haben. Herr von Sacher Masoch dagegen ist ein objektiver Beobachter der altjüdischen Sitten und Gebräuche, die er meisterhaft schildert, er versteht es, die Stammestugenden des jüdischen Volkes in naiver Weise dem Leser vor Augen zu führen. Da ist nichts Gemachtes, Gesuchtes; man wird überzeugt, daß ein edles, jüdisches Herz schlägt sowohl unter dem Kaftan des alten, polnischen Juden wie unter dem eleganten Mieder der vornehmen, gebildeten Dame. 26 Erzählungen sind es, die uns in die verschiedensten Länder führen. Der Held der ersten Erzählung ist ein „Prostek“ (Unwissender) in einem galizischen Städtchen. Die zweite Erzählung stellt uns einen alten Kabalah-Gelehrten aus Rußland vor; die dritte Erzählung führt uns nach der Türkei und die vierte nach Norddeutschland, während die fünfte ihren Schauplatz in Dänemark hat. Die sechste Erzählung macht uns mit einem Künstler in Ungarn bekannt, während die siebente sich in der heiligen Stadt Jerusalem abspielt und die achte, uns nach Belgien bringt und so fort. So lernen wir die Juden der verschiedensten Länder kennen. Das Buch hat in Frankreich die verdiente Anerkennung und Verbreitung gefunden. Die bedeutendsten französischen Zeitschriften, selbst solche, die nicht gerade als judenfreundlich bekannt sind, haben sich sehr günstig über dasselbe ausgesprochen. Wir zweifeln nicht daran, daß eine deutsche Ausgabe in Deutschland und Oesterreich großen Anklang finden wird. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzerr. Deutschland. Mainz, 17. Februar. Es wird viele unsrer geehrten Leser interessiren, zu erfahren, daß der in der jüngsten Zeit vielgenannte Generalvertreter der deutschostafrikanischen Gesellschaft in Sansibar, Herr Consul a. D. Vohsen, dessen auch jüngst im Deutschen Reichstage von hoher Stelle aus rühmend Erwähnung geschah, Israelit und ein geborener Mainzer ist. Derselbe war vor einigen Tagen in unserer Stadt, um seine Verwandten zu besuchen und hat sich jetzt zum Zwecke seiner Vermählung nach Berlin begeben. Seine junge Frau wird ihn nach Afrika begleiten. — Berlin, 15. Februar. Der antisemitischen Behauptung gegenüber, daß Freiherr v. Roggenbach jüdischer Abkunft sei, wird in der Münchener „Allgemeinen Zeitung" darauf hingewiesen, daß Roggenbach einem altadeligen, stifts- und ritterbärtigen Geschlechte im Breisgau angehört, das von dem urkundlich bekannten ersten Ahnherrn Johann von Roggenbach an (derselbe lebte zu Ende des 13. Jahrhunderts) bis auf die Gegenwart eine ununterbrochene Stammreihe hat. Allerdings sei einem 1815 zur latholischeu Kirche übergetretenen Israeliten, welcher den Namen v. Cornthal erhalten habe, ein Roggenbach'sches Wappen verliehen worden, aber dieses Wappen sei nicht dasjenige der sreiherrlichen Familie, sondern dasjenige des im Jahre 1723 erloschenen alten Nürnberger Geschlechts v. Roggenbach, mit welchem das badische Geschlecht nie etwas gemein gehabt hat. Also wieder eine Unwahrheit! Hamburg, 10. Februar. Gestatten Sie mir, über das Aufhören eines edlen, gottgerechten Lebens zu berichten. Ein wahrhafter pnx ist aus unserer