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Der Israelit · 1889-02-18 · Heft 14 (18.2.1889) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 14 (18.2.1889)
Date
1889-02-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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256 storben; — jetzt lag er darin. Nach einigen Wochen gewann er die Sprache zurück; er erzählte Dora, die sein Bett nicht verlassen, die Leidensgeschichte, langsam aber verständlich. Und als er das gethan, da war es, als ob eine Centnerlast abgetragen und nun Alles gethan sei, was er im Leben zu thun gehabt. Ja, Nordheim war ein Kind des Todes! — Es war eine schöne Mainacht, als er starb. Die Mitternacht schwebte langsam über die Erde — diese schöne, majestätische Stunde, getränkt von tausend Erinnerungen, geheiligt von tausend Träumen. Wie die Minuten verflossen, suhlte sich Nordheim allmählich schwächer und schwächer werden, eine tödtliche Mattheit beschlich sein Herz; das Zimmer schwankte ihm vor den Augen. Als der Zeiger der Uhr auf halb drei Uhr Morgens rückte war er todt. Seine Hand war gegen die andere Seite der Wand erhoben, seine Stirn verklärte sich, aber der dämmernde Nebel legte sich fest auf sein Auge und die Kälte des Todes fest auf seine Glieder. An seinem Herzen lag eine kleine Haarlocke, welche er mit einer Hand krampfhaft an sich preßte! Die junge Dame hielt mit ihrer Erzählung inne, ein heißer Thränenstrom quoll aus ihren Augen. Nach kurzer Zeit sprach sie: „Ich bin Dora, die Pflegetochter Dr. Arthur Nordheim's!" Jakob Heim antwortete nicht, er blickte mit nassen Augen auf die Erde. Es entstand eine lange, lange Pause. Endlich fand die junge Dame das Wort. „Und nun", fuhr sie fort, „sind zehn Jahre vergangen, heute war es mir endlich möglich, das Grab meines Pflegevaters zu besuchen. Noch ehe er starb, setzte er mich zur Erbin seines mühsam erworbenen Privatvermögens ein; dann ließ er sich den Rabbiner zu R.... kommen, erzählte ihm seine Geschichte, kehrte mit aufrichtigem Bekenntnisse zum Judenthume zurück und bat, wenn er einst todt sei, an die Seite seiner geliebten Eltern gebettet zu werden. Es geschah. Seine Gemahlin war froh, daß der Bund durch den Tod gelöst sei; sie lebte herrlich und in Freuden, bis das Vermögen, was ihr Vater hinterlassen, aufgebraucht war und die stolze, übermüthige Frau Almosen empfangen mußte. Aber dieses Leben ertrug sie nicht, sie kränkelte und starb einsam und verlassen im Hospitale. Das Kind ihrer Schande war ihr lange zuvor im Tode vorausgegangen!" Langsam dämmerte der Abend, Jakob Heim blickte auf und sah der jungen Dame lange in's Auge, — dann murmelte er etwas vor sich hin, was kein Mensch verstehen konnte und holte schnell sein Taschentuch und hielt es einige Minuten lang über sein Gesicht. Der alte, weichherzige Soldat weinte. Die junge Dame aber erhob sich und nahm von Heim Abschied und bat wie ein Kind, ja der drei Gräber zu gedenken und zu pflegen. Jahre sind dahingegangen — mancher Frühling zog in die Welt, der alte Heim lag auch schon in Reih und Glied, aber alljährlich, wenn der Mai kommt, da steigt in den ersten Tagen dieses Monats eine Dame aus einer feinen Equipage und besucht das Erbbegräbniß der Familie Nordheim: es ist Dora, die Pflegetochter des unglücklichen Dr. Arthur Nordheim; sie hat sich gelobet, bis an's Ende ihres Lebens des geliebten Pflegevaters zu gedenken. „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch ötu Buchhandel jtt bestehen bei G. F. Sletnackrr, Leipzig, Roßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oestsrreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Israels Verirrung. — Das Jntervieiv mit dem Baron Hirsch. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: 2mal Berlin. Altona. — Asien: Dschiddah. — Ein Denkmal für Kaiser Friedrich. — Feuilleton: Aus edlem Beweggrund. — Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Hamburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Feuilleton: Kulikow, das galizische Krähwinkel. — Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen HoMchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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