Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1889)
- Date
- 1889-02-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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252 Soweit unser Mitarbeiter; wir überlassen es unsern geehrten Lesern, sich selbst ein Urtheil über diese Angelegenheit zu bilden. Die A s s i m i l a t i o n, die erstrebt wird in Speise und Trank, in Eheschließungen und in der Feier der Feste rc. kömmt einem Aufgeben des Judenthums sehr nahe. Allein, es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels. Zeitungsnachrichten «nd Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 14. Februar. Einen theuren Freund haben wir heute zu Grabe getragen, den in der Blüthe der Jugend, im Alter von 26 Jahren vom Tode dahingerafften Rabbiner Dr. Heinrich Biber selb in Sammler. Mit seltenen Geistesanlagen ausgestattet und frühzeitig auf das Feld religiöser Gelehrsamkeit und wissenschaftlicher Bildung geleitet, reifte er bald, als würdiger Sohn seines Vaters, des Rabbiners am hiesigen Beth-Hamidrasch, zu einem vortrefflichen Talmudiften und weltlich gebildeten Manne heran. Mit seinen Wiffensschätzen verband er eine tiefinnerste Religiosität, eine eiserne Pflichttreue, ein herzbezwingendes Wesen. Der Verblichene studirte in Berlin Geschichte, promovirte in Leipzig mit einer erst unlängst erschienenen Arbeit über den „zweiten Zehnt", war längere Zeit Oberlehrer an der Religionsschule der Frankfurter Gemeinde und wurde im Alter von 25 Jahren einstimmig zum Rabbiner der Posen'schen Gemeinde Sammler gewählt. Auch hier erwarb er sich bald durch seine Geistes- und Charaktertugenden, und zumal durch die unermüdliche Bethätigung seiner zahlreichen Amtspflichten im Fluge die herzliche Zuneigung und Verehrung aller Gemeindemitglieder. So schien er die heiteren Träume seiner Eltern erfüllen, die stolzen Hoffnungen seiner Lehrer und Freunde festigen zu sollen. Leider stand seine aufreibende Arbeit nicht im rechten Verhältniß zuffeiner geschwächten Körperkraft; er ließ sich wohl, wie ein Trauerredner treffend bemerkte, zum Hüter anderer Weinberge einsetzen, aber seinen eigenen Weinberg hat er nicht gehütet; er schaffte rastlos für das geistige Wohl seiner Gemeinde, des eigenen Wohles hat er nicht gedacht. Ein Lungenleiden, welches schon früher an seinem Lebensmark gezehrt hatte, brach mit erneuter feindseliger Kraft hervor und senkte den Todeskeim in seine Brust. Die Aerzte hofften, ein längerer Aufenthalten: Süden würde das tückische Verhängniß noch abwenden, der Schwerranke sollte sein Ziel nicht erreichen, in Frankfurt a. M. erlöste den blühenden Jüngling der Todesengel von seinen qualvollen Leiden, und heute haben wir die sterbliche Hülle des jugendlichen, feurigen, mutherfüllten Glaubenskämpfers in die kalte Gruft gesenkt: eine gebrochene Säule, ein beweinenswerthes Geschick! Aus tiefster Seele quellende und zum Herzen dringende Worte waren es, welche seine Lehrer und Genossen, seine Verwandten und seine Gemeinde dem theuren Entschlafenen durch ihre Vertreter, die Herren Rabb. Dr. Hildesheimer, Dr. Stein, Rabb. Biberfeld und Dr. Wreschner, zum weherfüllten Abschiedsgruße kündeten; sie alle priesen seine Tugend, sie alle beklagten sein erschütterndes Loos! Möge der Allmächtige die tiefgebeugten Eltern trösten und ihren tiefen Schmerz um die verlorenen Freuden in der frohsinnumstrahlten Zukunft ihrer anderen Söhne vergessen lassen! — Der muthmaßlich neue Rabbiner der Gemeinde Sammler und bisherige Stellvertreter des Verklärten, HerrDr. Leopold Wreschner, stammt aus einer durch talmudische Gelehrsamkeit berühmten Familie, besuchte das Breslauer und später das Berliner Rabbiner-Seminar und hat sich durch eine treffliche wissenschaftliche Arbeit in Fachkreisen schon vorteilhaft bekannt gemacht. Möge es ihm gelingen, im Geiste des Verstorbenen fortwirkend, nach Kräften die Lücke auszufüllen, welche der Hintritt seines in der Gemeinde allbeliebten Vorgängers gerissen hat. Bl. Berlin, 15. Februar. Dem preußischen Abgeordnetenhause ist eine Mittheilung der Petitionscommission zugegangen, daß der Cantor Marcus Ebel in Görlitz, welchem Herr von Puttkam er trotz dem Versprechen der Behörden die Aufnahme in den preußischen Unterthanenverband verweigerte, nunmehr die Naturalisation erhalten habe. Die Leser wissen, daß diese Sühne jener Rechtsverletzung eine der ersten Amtshandlungen des gegenwärtigen Ministers des Innern v. Heersurth gewesen ist, und wir würden unterlassen haben, von der offiziellen Meldung der Kommission den Letztern nochmals Kenntniß zu geben, wenn wir nicht hieran den Ausdruck schmerzlichsten Bedauerns darüber anknüpfen wollten, daß der Cantor Ebel unter den Folgen jener Rechtsverweigerung, die ihn seines Amtes entsetzt, noch heute schwer zu leiden hat und jetzt den bitteren Kampf um die nothwendigsten Daseinsbedürfniffe zu kämpfen hat. Das Unglück scheint der Gefährte dieses bedauernswerthen Mannes zu sein, denn trotz aller Bemühungen und trotzdem Ebel — wofür wir bürgen können — nicht allein ein vortrefflicher Jehudi, sondern auch