Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1889)
- Date
- 1889-02-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447962--28043-2475706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
250 dischen Volkes sein könnte, das Judenthum in Uebereinstimmung mit den die Gegenwart beherrschenden Ideen und Verhältnissen zu bringen. Es ist eine die Wahrheit in ihr Gegentheil verkehrende Vorstellung, als ob das Judenthum irgend einem bestimmten Zeitalter, irgend einer bestimmten Kulturepoche angehörte und sich deßhalb der veränderten Gestaltung der Sitten, der jeweiligen Bildungsstufe, den zeitlichen Bedürfnissen, dem neuesten Stande der Wissenschaft anzubequemen hätte. Eine solche Anschauung involvirt eine gänzliche Verleugnung des eigensten Wesens des Judenthums, eine Leugnung der Thatsache, daß Gott am Sinai geredet und das Judenthum eben dieses am Sinai von Gott verkündete Gesetz ist. Das jüdische Volk ist in seiner Gesammtheit noch zu keiner Zeit dauernd voll und ganz in allen seinen Gliedern dem Judenthum gemäß gewesen. Das rrvtjw hatte fortwährend an ihm zu arbeiten, um es für sich ganz und ungetheilt zu gewinnen, zu gewinnen, um es nimmer wieder zu verlieren. Das bezeugen die Blätter seiner Geschichte vom Anbeginn bis zu dieser Stunde. Wie Israel trotz der wunderbaren Erlösung aus Mizrajim am Schilfmeere sich der Verzweiflung hingab und trotz der hier wiederum sichtbar herantretenden Gotteswaltung in Sin gegen Moses und Aron murrte und sich dieser Zweifel an Gottes allmächtiger fürsorgender Leitung und Moses göttlicher Sendung bei Mafia und Meriba wiederholte, also folgte der Offenbarung am Sinai der Irrwahn des „goldenen Kalbes" und nach der Aufrichtung des Gesetzheiligthums die Verirrung bei der Auskundschaftung des heiligen Landes, der Aufstand Korachs, die Auflehnung bei den Haderwassern, auf dem Wege von dem Berge Hör nach dem Schilfmeere, die Versündigung in Schittim. Und diese wechselnde Treue dauerte fort in den Zeiten der Richter und Könige, bis das längst verheißene Verhängnis hereinbrach und den jüdischen Staat und das Heiligthum auf Zion vernichtete. Das jüdische Volk aber ward aufs Neue in die Wüste gestoßen, in die D’öyn -jano, in die schreckliche, unwirthbare Wüste, zu welcher die es umgebende Bruder-Menschheit die Erde ihm gestaltete. Hier sollte es wiederum die Schule der Leiden durchmachen, um endlich zur Reife zu gelangen, um endlich sich aufs Innigste zur unwandelbaren Treue mit dem Judenthum zu vermählen. Noch hat Israel die Schule nicht vollendet, noch ist es nicht reif geworden, wieder einzuziehen in das verheißene Land, ein weiter Weg breitet, sich noch vor ihm aus, noch hat sich an ihm die ernste Erziehung Gottes zu bewähren. Denn darüber dürfen wir uns keiner Täuschung hingeben. Die Verirrung der Väter wiederholt sich noch heute bei den Enkeln, die an Stelle des Gottesgesetzes ihr eigenes Gutdünken setzen und nicht in voller Zuversicht auf Gott bauen, welcher das Heil unabweisbar an die Treue und den Gehorsam gegen Sein Gesetz geknüpft. Noch heute spricht man in vielen jüdischen Kreisen zu dem Nichtigen und Gott Mißfälligen: das find deine Götter, Israel, noch heute haben wir nicht allesammt das Vertrauen zu Gott und unserm heiligen Priesterberuf und zweifeln an der Wahrheit und Ewigkeit des Judenthums und seiner ewigen Verbindlichkeit für alle Juden aller Zeiten und Länder. Gott aber läßt nicht von uns und fährt fort uns zu erziehen, fährt fort Seine Liebeswaltung an Israel zu bethätigen, wn nss'j? oy »a, weil es ein hartnäckiges Volk.- Wir aber haben die Zuversicht, der unser großer Meister Moses Ausdruck verliehen: nr&oi ur6roi 'onNtorto ujiyy, daß Gott unsere Verirrungen und unseren Leichtsinn verzeihen und uns so zu Seinem bleibenden Eigenthum gewinnen will. — Aas Interview mit dem Aaron Kirsch. Mainz, 13. Februar. Infolge unseres Leitartikels „Vorsicht" in Nr. 8 hat unser Mitarbeiter für Rumänien, Herr Dr. C o r m a n, der an der Sache schon darum interessirt ist, weil in den Wohlthätigkeitsplänen des Baron Hirsch auch die rumänischen Glaubensgenossen inbegriffen sind, sich an diesen mit der Bitte gewendet, ihm mittheilen zu wollen, was an dem Interview im „New-Iork Herald" Wahres sei. Darauf empfing Herr Dr. Cormau im Aufträge des Barons durch seine Privatkanzlei den genauen Text der Berichtigung, welche der Korrespondent des „N.-A. H." mittlerweile an sein Blatt telegraphiert hatte und in Nr. 5 der Londoner Ausgabe des „New-Uorker Herald" vom 6. Febr er. enthalten ist. Dieselbe lautet, aus dem Englischen übersetzt, wie folgt: (Eigener Drath des „N.-U. H."). „Paris, 5.Februar. Baron von H i r sch hat Hunderte von Briefen und Telegrammen aus Amerika, England und dem Kontinent erhalten in Bezug auf das Interview mit ihm über die Amalgarmirung der Juden mit den Völkern (anä Gentiles), wie kürzlich an den „New-Aork Herald"