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Der Israelit · 1889-02-14 · Heft 13 (14.2.1889) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 13 (14.2.1889)
Date
1889-02-14
Page
– (sequence 22)
Language
German
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246 Gleiche Vorsicht bedarf in der Konfessionsschule der Unterricht in der Geschichte. Die Wirkung desselben ist um so dauernder, als der Schüler oft in seinem nachherigen Lebenslaufe keine Gelegenheit, Neigung und Muße hat, die etwa eingesogenen Vorurtheile zu beseitigen. Je nach dem Geiste, in dem sie gegeben wird, werden bessere oder schlechtere, fanatische oder humane, edlere oder selbstsüchtige Gefühle im kindlichen Herzen erweckt und erhalten. Die Verheerungen der Religionskriege im 16. und 17. Jahrhundert mögen als abschreckendes Beispiel dienen, wie Glaubenshaß und Unduldsamkeit, religiöser Fanatismus und falscher Eifer für die Religion, den Menschen grausamer als Tiger und Hyäne machen. So wird auch der israel. Lehrer, wenn er von den Jndenverfolgungen des Mittelalters redet, solche nicht der christlichen Religion, sondern dem Mißverstand und Mißbrauch derselben dem von der Unwissenheit erzeugten Fanatismus, der leicht entzündlichen Leidenschaft der rohen Masse zuschreiben. Er wird seine Schüler auf die wohlthätigen Wirkungen der besseren religiösen Erkenntnis der Neuzeit Hinweisen; er wird sie auf die unschätzbaren Wohlthaten aufmerksam machen, die aus der Verbreitung der Civilisation auch für sie, nach innen und nach außen, entsprungen sind, auf die Fortschritte, die in der Stellung des Israeliten gegen die Bürger der herrschenden Konfession vor sich gegangen sind und die ihnen Liebe und Treue gegen alle Andersgläubigen zur Pflicht machen. Wird Religion und Geschichte in solchem Geiste gelehrt, dann entgeht die Kofessionsschule allen Vorwürfen, als sei sie eine Pflegestätte der Inhumanität, der Trennung des Menschen vom Menschen. Soll sie aber noch festeren Fuß fassen, so darf sie die weltlichen Fächer nicht durch einseitige Pflege der religiösen Unterweisung beeinträchtigen. Nicht die Masse des religiösen Lehrstoffs macht den Schüler religiös-sittlich, sondern wenig, aber recht eindringlich zu Verstand und Herz gebracht. Durch tüchtige Pflege der profanen Schulfächer muß sie den ihr von religiös-destruktiver Seite aus gemachten Vorwurf, als sei sie bloße „Verdummungs¬ oder Verdumpfungsanstalt" Lügen strafen, sie muß den Anforderungen hinsichtlich der für das Leben immer nöthigen Fertigkeiten gerecht werden. Nun steigert das Leben immer mehr seine Ansprüche an den Weltbürger; Industrie und Gewerbe schreiten fort und verlangen eine tüchtige Vorbildung, der sich die Schule, ohne aber ihrem formalen Prinzipe untreu oder Berufsschule zu werden, nicht entziehen kann und wird. So bleibe also die Konfessionsschule unangetastet, wo sie die natürliche Konsequenz der Verhältnisse ist; aber sie soll kein Mittel für Trennung und Ausschließung sein, sondern vereinigen und versöhnen: „Bildung trennt nicht, sie vereinigt." Aus der Praxis. Genesis C. 25, Vers 22—27 gehört zu den Stellen des Pentateuchs, welche in unfern Schulen nicht übersetzt werden; angeblich weil ihr Inhalt nicht für die Schule passe. Ihr Inhalt? fragte ich mich stets; doch höchstens nur die Form, und sollte sich keine für die Schule passende Form finden lassen? Wenn es schon überhaupt mißlich ist, ohne zwingenden Grund eine Stelle des Pentateuchs zu überschlagen, weil dadurch im Schüler leicht irrige Vorstellungen über den Werth der hl. Schrift erweckt werden, so kommt bei unserer Stelle noch in Betracht, daß sie an einem Platze steht, wo man sie nicht überschlagen kann, ohne den Schüler stutzig und gerade darauf aufmerksam zu machen. Da nun die meisten Schüler heutzutage eine Uebersetzung in Händen haben, so werden sie gerade durch das Ueberschlagen sich veranlaßt sehen, die Stelle nachzulesen, werden dabei ihrer Phantasie die Zügel schießen lassen und sich in ungereimten Bildern ergehen, was jeder vernünftige Lehrer möglichst zu verhüten sucht. Zudem sind die Schwierigkeiten einer Schulübersetzung nicht derart, daß sie nicht zu bemeistern wären; „der Meister kann die Form zerbrechen", und sollte unter allen deutschen Schulmeistern keiner so Meister der Form sein, daß er auch diese bemeistern könnte? Welche Anforderung stellt die Schule an eine gute Uebersetzung? Sie soll neben dem Wortsinn den Inhalt möglichst genau wiedergeben. Und wenn auch beim Uebersetzen der hl. Schrift die Wortübersetzung die vollste Bedeutung verdient, so kann ich das Wort so hoch unmöglich schätzen, um bei Stellen wie unsere dem Inhalt nicht auch einmal den Vorzug einzuräumen und das Wort ihm unterzuordnen. Das Targum gibt uns lehrreiche Winke in der Umschreibung mancher Stellen. Werden dem Schüler auch einige Vocabeln nicht erklärt, so hat der Lehrer ja Gelegenheit genug, diese später zu behandeln, und der Gewinn, den diese Stelle in ethischer Beziehung bietet, überwiegt den scheinbaren Verlust einiger Vocabeln bei weitem.

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