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Der Israelit · 1889-02-14 · Heft 13 (14.2.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 13 (14.2.1889)
Date
1889-02-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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235 Berlin. Die Notiz, welche das Organ des Reichskanzlers heute über Herrn Stöcker bringt, findet und verdient Beachtung. Man erfährt, daß das Konsistorium die von Stöcker gegen den Prediger Witte eingereichte Beschwerde und seinen Antrag auf disciplinares Einschreiten zurückgewiesen hat, und die daran geknüpfte Bemerkung fordert mit dürren Worten den Oberkirchenrath zu einer Disciplinaruntersuchung gegen Stöcker auf, erstens, weil dieser einen thatsächlich existirenden Brief des Pastors Witte an ihn öffentlich und auch vor Gericht in dem bekannten Prozeß gegen Becker abgeläugnet hat und zweitens, weil er vor jenem Prozeß an Witte Briefe gerichtet hat, die fast so aussehen, als wollte er dessen Zeugniß beeinflussen. Hannover. Dem neunten Jahres - Bericht des Vereins zur Unterstützung der Schüler der Bildungs-Anstalt für jüdische Lehrer in Hannover 1887/88 entnehmen wir: Die Wohlthaten unserer Jnternatseinrichtung resp. Verpflegungsanstalt genossen in diesem Jahre 32 Schüler des hiesigen jüdischen Lehrerseminars vom October 1887 bis April 1888 und 31 Schüler von April bis October 1888. Unsere Pfleglinge haben ein frisches gesundes Aussehen und fröhliche Stimmung gezeigt und der Geist der Frömmigkeit, der friedlichen Eintracht, sowie der sittlichen Wohlanständtgkeit waltet in den Räumen unserer Anstalt. Durch das Vertrauen der betreffenden Gemeinden wurden im April dieses Jahres sechs Schüler, welche mit dem Zeugniß .der Lehrbefähigung die Anstalt verließen, zu Lehrern berufen. Neuaufgenommen wurden Ostern 1888 fünf Schüler in die Präparande und 1 in das Seminar; im Ganzen 6 Schüler. Mehr noch als in früheren Jahren haben wir zu diesem Termine die Erfahrung gemacht, daß viele zur Aufnahme angemeldete Schüler abgewiesen werden mußten, weil wir nicht in der Lage waren, dieselbe unentgeltlich aufzunehmen. Ebenso ist uns die betrübende Erfahrung nicht erspart geblieben, daß für viele Schüler die versprochenen ja selbst verbürgten Beiträge nicht gezahlt worden sind, so daß dadurch der Verein in seinen so geringen und so unentbehrlichen Einnahmen empfindlich geschädigt worden ist. Wir sind aber durch unsere finanziellen Verhältnisse immer noch auf die Beiträge der Eltern angewiesen und leider nicht in der Lage, auf deren pünktliche Zahlung verzichten zu können, wenn wir auch wissen, daß die Roth der betreffenden Angehörigen an der Nichterfüllung der übernommenen Zahlungspflichten Schuld ist. Deßhalb erneuern wir unsere innige Bitte, daß die edlen Freunde unserer Sache, denen die Heranbildung armer, befähigter Jünglinge zu Trägern der heiligen Lehre, zu Stützen und Vorbildern der Jugend am Herzen liegt, uns reiche Gaben zuwenden, damit wir die Wohlthaten höherer religiöser und allgemein menschlicher Ausbildung, die wieder ihre Früchte im Lehrberufe zeitigen soll, auch ganz mittellosen Schülern nicht zu versagen brauchen. Der Verein zählt 274 hiesige und 395 auswärtige Mitglieder, von welchen im Ganzen 5961M. 40 Pfg. an Beiträgen und Geschenken eingingen. Aus Stipendien und von den Familien der Schüler gingen ein als Beitrag zu deren Unterhaltungskosten M. 6029.55. Wir sind im abgelaufenen Jahre noch nicht in der Lage gewesen, ein eigenes Heim zu errichten, und darum lenken wir die Aufmerksamkeit der Edlen und Hochherzigen unserer Gemeinschaft hierauf und weisen auf die Uebelstände hin, die durch den Mangel eines eigens für unsere Verpflegungszwecke eingerichteten Hauses sich dauernd fühlbar machen. Dies empfinden wir ganz besonders in diesem Jahre, da das Haus, in welchem wir bis jetzt unsere Zöglinge untergebracht haben, durch Einrichtung einer Restauration für uns unbrauchbar wird. Wir werden durch das Miethen einer anderen Wohnung bei der Unruhe, die das Zusammensein von ca. 30 lebensfrischen Jünglingen unvermeidlich mit sich führt, der Wiederkehr solcher Mißstände oder den Eintreten anderer ähnlicher nicht aus dem Wege gehen, und so werden wir das drückende Gefühl nicht los, mit unserer Anstalt Launen und Zufällen preisgegeben zu sein, die wir nur im eigenen Hause verhüten können. Aus diesem Grunde werden wir die im Januar 1889 stattfindende Generalversammlung ersuchen, uns zur Erwerbung oder zur Erbauung eines Internats- Gebäudes die erforderliche Vollmacht zu ertheilen. Fürwahr, es ist doch eine alte, heilige Ueberlieferung unserer jüdischen Gemeinschaft, daß ihre Zionszelte nichts anderes sind, als die Räume, in denen Schüler der Thora Lehre und Pflege erhalten, und daß die größten Heiligthümer Israels nicht die Bethäuser, sondern die Häuser des Thorastudiums sind; die Häuser, in denen unsere Jugend gepflegt wird.

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