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Der Israelit · 1889-02-14 · Heft 13 (14.2.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 13 (14.2.1889)
Date
1889-02-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Grfte jBellage }u M13 D es „Jsr n e rschurun^. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 10. Febr. Wie alljährlich fand auch in diesem Jahre am 7. Adar im Gotteshause der israelitischen Synagogengemeinde eine Gedächtnißfeier zu Ehren aller der letzthin Heimgegangenen Männer statt, welche durch ihre bedeutende talmudische Gelehrsamkeit sich einen Namen erworben oder den Einfluß ihrer socialen Stellung in den Dienst ihrer Glaubenssache gestellt haben. Anknüpsend an das Prophetenwort Ezechiel Cap. 43, Vers 10 gab Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer in längerer Ausführung eine Reihe sinniger Deutungen zahlreicher Talmud- und Midraschstellen, um dann die Namen der in dem letzten Jahre dahingeschiedknen Männer bczeichneten Charakters mit einigen wenigen Worten zu begleiten. Den Reigen der vom Schauplatze des Lebens Abberufenen eröffncte der Thalmudgclehrte Moritz Hornstein in Lemberg, diesem folgte der Hamburger Oberrabner Stern, dieser „muthige Aufrechterhalter der Gesetzestreue, gesegneten Andenkens", diesem R. Elijahu Krotinger (Lewinsohn) in Rußland, ebendaselbst der Staatsrath Warschawsky und Geheimrath Poljakoff, Rb. Caro in Pinne, R. Josef Hönig in Neutra, R. Jakob Mordechai Hirschensohn in Jerusalem, R. Israel Brodski in Kiew, R. Mose Kempner in Berlin, R. Salomon Schur in Mohilew, R. Mose Pollak in Ungwar, R. Meier Bergel in Rawicz, R. Raphael Nathan Rabbinowitsch in München, Rabb. Dr. Roth in Könitz; den Zug des Todes schließt Samson Raphael Hirsch. Ein Ll-mole-raebamim und das Abendgebet schlossen die Feier ab. — Wie recht wir mit unserer letzten Ausführung über die rein religiösen Motive des gemäßigten Antisemitismus und mit unserer Frage hatten, ob denn Herr Stöcker etwa gegen getaufte Juden, wie z. B. gegen August Ne ander ein Wort richten würde, beweist eine zwei Tage später gehaltene Rede des Hofpredigers Stöcker über das Thema „August Neandcr, Israelit und Christ." Der Redner pries Neander als „echten Juden" und reklamirte ihn für die christlich-sociale Partei. Stürmische Proteste folgten. Vergebens rief Herr Stöcker: „Wenn doch die lieben Freunde bedenken wollten, daß alle 12 Apostel ursprünglich Juden waren, und daß das Christenthum überhaupt aus dem Judenthum hervorgegangen ist"; vergebens beantwortete er den Zuruf: „Wo bleibt da das Nationalgefühl?" mit den Worten: „Das Natinalgefühl bleibt in derBrust der Juden, die Christen werden!!" Man lachte, zischte, stampfte und rief: „I ude n g e n o s s e!" Stöcker ein Jndengenosse — hm, wer hätte das gedacht? sagte der kleine Walfisch. — Der königliche Geh. Commercienrath Valentin Mannheimer, einer der vermögendsten und wohlthätigften Mitbürger Berlin's, ist verstorben. — Der hies. „Verein für innere Medicin" hat den Prof. Rosenstein in Leiden zu seinem correspondirenden Mitgliede ernannt. — Nach einem dem Abgeordnetenhause soeben zugegangenen Bericht der A nsie dlung skom Mission für die Provinzen Posen und Westpreußen sind als Ansiedler ausgenommen worden etwa 600 Männer evangelischen Bekenntnisses, eine größere Anzahl Katholiken, 3 Mennoniten und ein Israelit. — Die „Ant. Corr." hat es nun glücklich herausgebracht, daß der badische Staatsmann und Freund Kaiser Friedrichs, Freiherr v. Roggenbach — jüdischer Abkunft sei; denn laut Auskunft des Karlsruher Hofarchivs wäre ani 23. Mai 1815 der dem mosaischen angehörige Hornthal geadelt worden und habe das Wappen der uralten, längst ausgestorbenen Familie v. Roggenbach erhalten. Jetzt wissen wir's! Bl. Berlin, 11. Febr. Aus absolut zuverlässiger Quelle kann ich mittheilen, daß Stöcker mit seiner Beschwerde gegen Pastor Witte beim Konsistorium der Provinz Brandenburg abgewiesen worden ist. Die Begründung der Abweisung enthält eine scharfe Verurteilung des agitatorischen Auftretens des Hofpredigers. Berlin, 11. Febr. In Betreff der Meldung der Blätter über die Angelegenheit Witte-Stöcker theilt die „Norddeutsche" mit, durch Verfügung des Konsistoriums der Provinz Brandenburg an Stöcker sei dessen Beschwerde über Witte und sein Antrag auf disciplinarischcs Einschreiten gegen denselben zurückgewiesen. Mit dieser Entscheidung scheide die Person Witte's aus der weiteren kritischen Erörterung der Angelegenheit aus und cs bleibe nur übrig, daß von dem evangelischen Oberkirchenrath nun auch für Stöcker die gleiche Feststellung des Sachverhalts unternommen werde.

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